Greenpeace setzt sich fĂĽr eine saubere "Cloud" ein
Mobile Datendienste und die Verlagerung der Daten und Anwendungen in weltweit verteilte Rechenzentren lassen den Strombedarf in den kommenden Jahren stark ansteigen, prognostiziert Greenpeace. Vor diesem Hintergrund appellieren die Umweltschützer an IT-Unternehmen, auf erneuerbare Energieträger zu setzen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürchtet durch den Ausbau von Cloud-Computing-Diensten eine rapide Zunahme an klimaschädlichen Emissionen. Mobile Datendienste und die Verlagerung der Daten und Anwendungen in weltweit verteilte Rechenzentren ließen den Strombedarf in den kommenden Jahren stark ansteigen. Nach gegenwärtigen Wachstumsraten hochgerechnet würden die Telekommunikationsnetze und Rechenzentren im Jahr 2020 rund 1,963 Billionen Kilowatt Strom verbrauchen, heißt es in einem aktuellen Bericht der Organisation. Das sei das Dreifache des gegenwärtigen Verbrauchs und mehr, als Frankreich, Deutschland, Kanada und Brasilien gegenwärtig zusammen benötigten. Greenpeace geht dabei davon aus, dass die Zahl der Server in Rechenzentren jährlich um 9 Prozent steigt. Falls die IT-Unternehmen nicht verstärkt auf erneuerbare Energieträger setzten, hätte der zunehmende Strombedarf ernsthafte Auswirkungen für die Umwelt.
Als Anlass für die Veröffentlichung ihres Berichts sehen die Umweltschutzaktivisten den bevorstehenden Start von Apples Tablet-Computer iPad. Das Gerät stehe stellvertretend für die verstärkte Nutzung von Diensten wie Social Networks und Video-Plattformen, die in der "Cloud" angesiedelt seien. Das iPad beeindrucke mit seinem Design, außerdem habe Apple dabei weitgehend auf umweltschädliche Stoffe verzichtet. Aber es müsse darüber nachgedacht werden, wohin die Nutzung solcher Geräte sowie von Netbooks, Smartphones oder auch von Microsofts Azure-Cloud führen könnten.
Als ein Negativbeispiel hebt Greenpeace Facebook hervor. Das Unternehmen habe kürzlich den Aufbau eines eigenen Rechenzentrums in Oregon verkündet. Den Strom werde PacifiCorp liefern, das den größten Teil der Elektrizität aus Kohle gewinne. Facebook habe dadurch die Chance verpasst, die Nutzung erneuerbarer Energieträger voranzubringen. Facebook-Nutzer hätten bereits darauf reagiert. Es habe sich eine Gruppe mit mittlerweile 365.000 Mitgliedern gebildet, die von Facebook fordert, den Stromliefervertrag zu kündigen. Apple habe voriges Jahr den Aufbau eines Rechenzentrums in North Carolina begonnen, in einem Staat, in dem 60 Prozent des Stroms aus Kohle gewonnen werde.
Im Gegensatz dazu lobt Greenpeace das Beispiel Yahoo. Das Unternehmen habe den Standort für ein neues Rechenzentrum auch nach Umweltschutzaspekten ausgewählt. Der Strom soll von einem Wasserkraftwerk an den Niagara-Fällen geliefert werden. Außerdem werde 90 Prozent der Energie für den Betrieb der Server verwendet und nicht für deren Kühlung. Dank des besonderen Mikroklimas Buffalos im US-Bundesstaats New York sei eine Kühlung komplett mit Außenluft möglich. (anw)