Besitzerwechsel bei LCD-Fabs
Gleich zwei Fabriken für Mobildisplays sollen ihren Besitzer wechseln: AUO will eine LCD-Fabrik von Toshiba Mobile kaufen, Kyocera die LCD-Anlage von Sony im japanischen Yasu. In beiden Werken wird die auch für OLEDs wichtige LTPS-Technik eingesetzt.
Der taiwanische LCD-Panelhersteller AU Optronic (AUO) will von der Toshiba Mobile Displays (TMD) deren Tochtergesellschaft AFPD in Singapur übernehmen. Das bekräftigten die beiden Unternehmen heute in einer Absichtserklärung. Bis Ende April wollen die Unternehmen die Übereinkunft abschließen. Die Fab in Singapur wurde 2001 von Toshiba und Panasonic (ehemals Matsushita) gegründet. Noch vor zwei Jahren hatten die beiden Unternehmen große Pläne, gemeinsam organische Displays zu produzieren. 2009 wurde der Name Matsushita dann aus dem Joint Venture gestrichen.
TMD produziert in Singapur Flachdisplays mit Low Temperature PolySilizium: LTPS hat eine höhere Elektronenbeweglichkeit als amorphes Silizium, weshalb sich auf gleicher Panelfläche mehr Pixel unterbringen lassen. Die höhere Pixeldichte und die Möglichkeit, die Ansteuerelektronik direkt auf dem Panel unterzubringen, empfiehlt die LTPS-Technik besonders für Mobildisplays. Zudem haben LTPS-LCDs einen geringeren Energieverbrauch und kürzere Schaltzeiten.
Toshiba hat die LTPS-Technik federführend entwickelt und als erstes Unternehmen solche Displays gezeigt. Das polykristalline Silizium wird auch als Backplane zur Ansteuerung von organischen Displays genutzt. Mit Übernahme der LTPS-Fabriken hat LCD-Spezialist AUO also möglicherweise auch den schnelleren Einstieg in die kommende Displaytechnik – die OLEDs – im Sinn.
Durch die Übernahme der Fabrik von Sony Mobile Display (SMD) im japanischen Yasu City in der Prefektur Shiga will Kyocera seine Produktionskapazitäten für Mobildisplays erweitern. Die Abteilung Dünnfilm-Komponenten des Elektronikkonzerns entwickelt und produziert bereits in kleineren Mengen LC-Displays und Touchscreen bis 10,4 Zoll Diagonale für industrielle Anwendungen und den Medizinbereich.
Sony hat sich seit 1997 in Joint Venture mit Toyota in Yasu der Entwicklung von LTPS-Displays gewidmet und die dortige Produktionskapazitäten im Jahr 2001 um eine zweite Linie erweitert. Allerdings lassen sich (auch) in Yasu nur kleinere Panelgrößen fertigen – die Muttergläser sind lediglich 600 mm × 720 mm groß. Zum Vergleich: In der Gen-8-Fab für Flachbildfernseher des Samsung-Sony-Joint-Ventures S-LCD laufen 2,20 m × 2,50 m große Glassubstrate auf den Bändern.
Der Transfer der Yasu-Fab soll zum 1. Juni 2010 abgeschlossen sein, die dann ehemaligen Sony-Angestellten will Kyocera komplett übernehmen. Zu den Kosten des Deals schweigt sich der Druckerhersteller aus. (uk)