Vorschriften für Software-Kennzeichnung gefordert
Bei Lebensmitteln und Medikamenten muss eindeutig angegeben werden, was in der Packung steckt -- ein Vorbild für Software?
Scheinbar nützliche oder interessante kleine Programme, die man kostenlos aus dem Internet laden kann, sind oft in Wirklichkeit so genannte Spyware: Sie können protokollieren, wo sich der Nutzer im Internet bewegt, was für andere Programme er hat oder sogar welche Tastatur-Eingaben er macht. Als "üble Kombination aus Geschäftemacherei und Betrug" bezeichnet Simson Garfinkel diese Software in seiner neuen Kolumne für Technology Review aktuell; der langjährige Internet-Experte fordert deshalb eine Kennzeichnungspflicht für Software nach dem Muster der Regeln für Medikamente und Lebensmittel.
Anders als Viren oder Würmer ist die Spion-Software nicht ausschließlich schädlich, sondern kommt mit Features, die zum freiwilligen Download animieren, argumentiert Garfinkel. Zumeist würden die Anbieter sogar darauf hinweisen, was ihr Programm alles tut -- dies aber nur in der langen Lizenzvereinbarung, die kaum jemand wirklich liest. Garfinkel fordert deshalb verbindliche Regeln für eine leicht zu erkennende Kennzeichnung: "Meiner Meinung nach müssten Programme schon beim Vertrieb und später beim Start anzeigen, was sie tatsächlich tun."
Dabei denkt Garfinkel an Warn-Symbole, die zu weiterführenden Informationen führen, wenn man sie anklickt -- beispielsweise "Angelhaken", wenn die Software bei jedem Systemstart automatisch geladen wird, oder "Pop Up", wenn sie beim Web-Surfen ungefragt Werbefenster einblendet. Vergleichbare Regeln für Medikamente und Lebensmittel hätten zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zu einem deutlichen Rückgang bei Geschäften mit angeblichen "Wundermitteln" geführt.
Die Kolumne von Simson Garfinkel in Technology Review aktuell: (sma)