Betriebsrat befürchtet Rückzug von Siemens aus Deutschland

Durch die Verlagerung in Niedriglohnländer seien im Inland 74.000 der 170.000 Stellen in Gefahr, meint der Siemens-Betriebsrat. Der Konzern widerspricht.

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Von
  • Jürgen Kuri

Der Elektro-Konzern Siemens plant nach Darstellung des Gesamtbetriebsrates den systematischen Rückzug aus Deutschland. Durch die Verlagerung in Niedriglohnländer seien im Inland 74.000 der 170.000 Stellen in Gefahr, heißt es in einem Positionspapier, das die Betriebsräte am heutigen Donnerstag beschlossen haben. Damit werde der Rückzug jedoch erst eingeläutet. "In letzter Konsequenz wird der Standort Deutschland komplett in Frage gestellt."

Ein Siemens-Sprecher warf dem Gesamtbetriebsrat laut dpa vor, mit einer Milchmädchen-Rechnung Panik zu machen. "Wir sprechen insgesamt über höchstens rund 5000 Stellen", bekräftigte er. Die Gespräche liefen derzeit wie geplant, in den nächsten Wochen sei mit Beschlüssen zu rechnen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ralf Heckmann kündigte unterdessen harten Widerstand gegen die Vorstandspläne an.

Es handle sich um ein groß angelegtes Programm zur Arbeitsplatzvernichtung, sagte Heckmann auf einer Kundgebung der IG Metall. "Grund ist die reine Profitgier." Die Arbeitnehmer seien durch die Globalisierung erpressbar geworden, sagte Heckmann. Der Personalabbau erreiche eine neue Dimension. Deshalb müsse die Politik eingreifen. Wer Arbeitsplätze ins Ausland verlagere, dürfe keine öffentlichen Gelder und Aufträge mehr erhalten.

Heckmann lehnte zudem eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden ab. Dies erzeuge nur weitere Arbeitslose -- der niederländische Konzern Philips hatte dies gerade erst wieder als Vorschlag für die Kostensenkung bei der Produktion in Deutschland ins Spiel gebracht. (jk)