Gewerkschaft fordert bessere Arbeitsbedingungen bei eBay
Das Internet-Auktionshaus wehrt sich gegen Vorwürfe der Gewerkschafter. Eine professionell gesteuerte Kampagne solle eBays Ruf schaden.
Vor einem Monat wurde eine anonyme Internetumfrage auf www.epay.tv zu den Arbeitsbedingungen bei eBay bekannt. Nun spitzen sich die Auseinandersetzungen um dieses Thema zu, teilt connexx.av mit, die Interessenvertretung von Medienschaffenden und eine Abteilung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Am vergangenen Freitag habe die Geschäftsführung des Internet-Auktionshauses versucht, einen Skandal zu inszenieren. Mit einer Powerpoint-Präsentation von internen Dokumenten der ePay-Initiative sei der Unmut der Beschäftigten als "Schein-Protest" gebrandmarkt worden, der ausschließlich von connexx.av angezettelt worden sei.
Die Gewerkschafter kritisieren "permanente Überwachung an der Grenze des Legalen, ausufernde Arbeitszeiten und Bezahlung weit unter dem üblichen Niveau". Das habe auch die von connex.av unterstützte epay.tv-Umfrage unter der Internet-Adresse bestätigt. Auf der jüngsten Mitarbeiterversammlung seien die Beschäftigten von der Geschäftsführung eingeschüchtert und bedroht worden, sollten sie mit ePay, der Gewerkschaft oder der Presse Kontakt aufnehmen.
Focus berichtet indes, es gebe einen "Fünf-Phasen-Plan". Phase eins und zwei seien der Aufbau von epay.tv und die Umfrage gewesen. Für die Phasen drei und vier werde empfohlen, eBay als "Abzocker-Plattform" darzustellen und den Internet-Auftritt mit Hilfe von "Hacktivisten" zu attackieren. Phase fünf lautet: "Wir fahren den Erfolg ein."
eBay wehrt sich in einer Mitteilung: epay.tv sei eine professionell gesteuerte Kampagne, die dem Ruf von eBay als "integerem Arbeitgeber" schaden soll. Anschließend solle eBay ein Tarifvertrag aufgezwungen werden. connexx.av verspreche sich einen Zuwachs an Gewerkschaftsmitgliedern. Es sei eine strategisch geplante, in mehreren Phasen ablaufende Kampagne, die zusammen mit einer professionellen Kommunikationsagentur durchgeführt wird.
Aus Sicht von eBay seien grundlegende Regeln der Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmen gebrochen. Die eBay-Geschäftsführung und der Betriebsrat prüfen derzeit Möglichkeiten für eine Reaktion. (anw)