Meilenstein der Fodeografie
Entgegen allen Unkenrufen: Die Konvergenz von Foto und Film ist da. Erstmals wurde ein Teil einer TV-Serie mit einer Spiegelreflexkamera geschossen. Und die erste Filmkamera mit Fotosensor kommt auch.
- Martin Kölling
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es gerne (auch wenn ich das Sprichwort nicht glaube). In diesem Sinne spricht das Staffelfinale der US-TV-Serie "House" wahre Bände über die Konvergenz von Foto und Video zur Fodeografie, wie ich den neuen Trend gerne nenne: Am 17. Mai soll es das erste Stück zur Primetime im TV geben, das allein mit einer Spiegelreflexkamera gefilmt wurde.
Genauer gesagt handelte es sich um eine Canon 5D Mark II mitsamt einer groĂźen Kollektion an Objektiven. Das ist wenigstens, was Regisseur Greg Yaitanes ausgetwittert hat. "Amazing HD", das war eines seiner Worte diese Woche. "Dies ist die Zukunft." (Nachgezeichnet hier.)
Dieses Beispiel sollte auch die letzten Skeptiker überzeugen, dass eine neue Zeit in der Foto- und Film-Ära angebrochen ist. Mehr noch, es ist längst kein Einzelfall. Besonders in der Werbung, aber auch im TV sind Kameramänner schon länger auf den Zug aufgesprungen, wenn ich meinen Gesprächen hier glauben kann – trotz der bisherigen Beschränkungen des Systems. So muss der Fokus und der Zoom wenigstens bei videotauglichen Spiegelreflexkameras von Hand gezogen werden, weil die bisherigen Objektive und Systeme keinen Autofokus und keinen elektrischen Zoom unterstützen.
Doch die Probleme werden im Sauseschritt gelöst: Die auf dem Micro-FourThird-Standard basierenden neueren Modelle der spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiven von Panasonic und Olympus bieten leisen Autofokus inklusive Motiv-Tracking und ermöglichen damit auch Laien, HD-Videos in hoher Qualität zu schießen. Und mehr noch: Panasonic hat am Montag die erste für HD-Video optimierte Kamera nach dem Micro FourThirds-Standard angekündigt. Die AG-AF100 kann damit mit preiswerten Objektiven Bilder mit einer Qualität und einem Funktionsumfang schießen, die bisher teure professionelle Filmkameras lieferten.
Und hier sind die Gründe für die Begeisterung über die Fodeokameras, wenigstens die, die mir dargelegt wurden: Erstens loben die Filmer die Qualität der Fotokamera-Videobilder. Dabei geht es nicht nur um die Farben, sondern vor allem um die geringe Schärfentiefe, die die Kameras – seien es Full-Frame-, APS- oder Micro FourThirds-Kameras – wegen ihre großen Bildsensoren liefern. Dazu addiert sich die Vielzahl der Objektive.
Für den Bruchteil des Geldes liefern diese Kameras außerdem 35-Millimeter-Film-Feeling, wie z.B. hier gezeigt wird. In der Tat lassen sich Bilder von der Foto- und professionellen Filmkameras für den TV-Gebrauch nicht ohne weiteres mixen, weil die Bilder der Fotokameras so positiv herausstechen, wurde mir gesagt. Ein weiterer Punkt ist die Handlichkeit der Fotokameras. Außerdem erlauben sie das Filmen in Situationen, in denen Filmen verboten ist, da die Kameras nicht als Filmkamera erkannt werden (noch nicht, sollte man wohl sagen, das mag sich in der Zukunft ändern).
Interessant daran ist für mich, dass ausgerechnet Kamerahersteller wie Panasonic mit dieser Entwicklung ihr Geschäft mit professionellen Film-Anlagen teilweise kannibalisieren. Aber vielleicht setzen die Japaner darauf, dass das cineastische Highend-Publikum rasch und vollständig auf 3D umschwenkt und dann die bereits angekündigten 3D-Filmkameras kauft. Wie dem auch sei, es sind mal wieder unsichere und damit spannende Zeiten in der Foto- und Filmwelt angebrochen. Das langweilige Pixel-Zählen tritt endlich in den Hintergrund und wir können uns darauf freuen, neue Formen kreativer Ausdrucksmöglichkeiten zu erforschen.
(bsc)