Kreditwirtschaft will POZ-Verfahren aufkündigen

Banken und Sparkassen wollen die unterschriftbasierte Variante ihres electronic-cash-Zahlungsverfahrens aufkündigen. Die Händler sollen künftig die Wahl haben zwischen dem Lastschriftverfahren und dem PIN-gestützten electronic cash.

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Die Banken und Sparkassen wollen nach elf Jahren das POZ-Verfahren (Point of Sale ohne Zahlungsgarantie) aufkündigen, die unterschriftbasierte Variante ihres electronic-cash-Zahlungsverfahrens. Das habe der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) am 30. April beim Bundeskartellamt angemeldet, teilt das EuroHandelsinstitut (EHI) mit. Das EHI ist ein Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner.

Der Schritt werde vor allem kleine und mittelständische Unternehmen des Handels treffen, die POZ-Sperrdateiabfragen zur Absicherung ihrer ec-Lastschrift-Zahlungsvorgänge einsetzen, glaubt das EHI. Über das POZ-System wurden vergangenes Jahr etwa 14,3 Milliarden Euro abgewickelt, das seien rund 3,9 Prozent des Gesamtumsatzes und 22,5 Prozent des gesamten ec-Lastschriftumsatzes im Einzelhandel. Bankenunabhängige Unterschrift-basierte Systeme machten demnach 13,4 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Laut Stefan Marotzke vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband, der zurzeit die Federführung im ZKA hat, sollen die Händler künftig die Wahl haben zwischen dem Lastschriftverfahren und dem PIN-gestützten electronic cash. Das teurere PIN-gestützte Verfahren hatte im Jahr 2003 einen Anteil von 7 Prozent am Gesamtumsatz.

Die Ankündigung der Kreditwirtschaft passe zeitlich zur Veröffentlichung der amtlichen Kriminalstatistik, die für das Jahr 2003 bundesweit einen deutlichen Anstieg der Debitkartenkriminalität ausgewiesen habe. Den Vorwurf des Bundesinnenministers Otto Schily, der Einsatz unterschriftbasierter ec-Lastschriftverfahren fördere den Kartenbetrug, weist das EHI zurück. Die aktuelle Kartenstudie des Instituts belege, dass die Deutschen nicht größere Betrüger geworden seien, sondern ihnen immer häufiger das Geld zum Einkaufen fehle. Viele ungedeckte Konten hätten zu einem deutlichen Anstieg von vorläufigen Zahlungsausfällen geführt.

Nach einer Studie des EHI erzielt der Handel 30,5 Prozent seines gesamten Umsatzes von rund 355 Milliarden Euro über kartengestützte Zahlungssysteme. "Mit der flächendeckenden Einführung bei Lidl und Systemerweiterungen anderer Handelsunternehmen konnten im vergangenen Jahr neue Branchen erschlossen und der Kartenumsatz weiter gesteigert werden", freut sich der EHI in einer Mitteilung. (anw)