"Remix-Manifesto" gewinnt Filmpreis

Das European Media Art Festival in Osnabrück, auf dem gestern Filmpreise vergeben wurden, beschäftigte sich diesmal vor allem mit Mashups, mit dem Mischen und verfremden vorhandener Medienbilder.

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Von
  • Detlef Borchers

Der Film RIP:A Remix Manifesto hat auf dem European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück den mit 1500 Euro dotierten Filmpreis der Stadt Turku gewonnen. Turku ist nach Essen die europäische Kulturhauptstadt 2011 und feiert diese Ehrung ganz im Zeichen von Open Source und Social Media. Den mit 2000 Euro dotierten EMAF-Preis für richtungsweisende Kunst gewann Pekka Sassi mit The Suburb within, einem "abstrakten Horrorfilm".

Den Preis der deutschen Filmkritik gewann Timo Schierhorn mit dem autobiographischen Film "Nacht um Olympia", der aktuelles Videomaterial mit gefundenen Super 8-Filmen kombiniert. Der Dialogpreis des Auswärtigen Amtes ging an Shelley Silver für 5 lessons and 9 questions about Chinatown, einem Mix aus Sprachkurs und Dokumentarfilm.

Das European Media Art Festival beschäftigte sich diesmal vor allem mit Mashups, mit dem Mischen und verfremden vorhandener Medienbilder. Neben künstlerischen Arbeiten wurden auch Alltags-Mashups aus der Youtube-Sammlung des Jugendkulturarchivs Frankfurt gezeigt. Dazu gab es Vorträge wie den von Jürgen Kieper, der ausgehend vom Mashup Maybe Not des Videokünstlers Oliver Pietsch die Notwendigkeit von Creative Commons-Lizenzen betonte.

Ohne diese Lizenzen sei die Freiheit des Mixens bedrohte, das zeigte auch der finnische Filmkritiker Lasse Rintakampu, der sich mit den zahlreichen Varianten des "Downfall Meme" beschäftigte. Eine dramatische Szene aus dem Film Der Untergang von Oliver Hirschbiegel ist das Rohmaterial für Hunderte von Mashups in vielen Sprachen. Aktuell liegt eine Variante vor, in der Hitler über den Verlust des iPhone 4G verzweifelt. Rintakampu zeigte in seinem eigenen Mix auf zwei Laptops, wie sich die klassische Wahrnehmung des Eigentums bei digitalen Inhalten verändert und zitierte Oliver Hirschbiegel: "Es ist nur fair, dass die Szene benutzt wird für was auch immer die Leute das mögen, aber wenn ich dafür Lizenzen bekäme, wäre ich glücklicher." Das Filmunternehmen Constantin hatte in jüngster Zeit dafür gesorgt, dass die verfremdeten Szenen aus urheberrechtlichen Gründen gelöscht werden (anw)