Degen Communication stellt Insolvenzantrag

Der TK-Distributor Degen Communication hat am Dienstag Insolvenzantrag gestellt. Grund: unrentable Shopkette und problematisches Geschäft im Mobilfunkbereich. Jetzt hofft Geschäftsführer Ingo Degen auf Rettung durch einen Investor.

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Von
  • Wolfgang KĂĽhn

Zentrale der Degen GmbH Communication in Heilbronn

(Bild: Degen)

Eigentlich glaubte Ingo Degen im vergangenen Jahr erst mal über den Berg zu sein. Damals trennte sich der Geschäftsführer des TK-Distributors Degen GmbH Communication von der eigenen Shopkette – bis auf ein letztes Ladengeschäft in der Lohtorstraße in Heilbronn. Doch das schwierige Mobilfunkgeschäft machte jetzt auch dem TK-Distributor mit etwa 90 Beschäftigten schwer zu schaffen. Am Dienstag dieser Woche zog Degen notgedrungen die Konsequenzen: Er stellte beim Amtsgericht in Stuttgart Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Das Familienunternehmen existiert mittlerweile seit mehr als 60 Jahren. 1949 wurde es in Stuttgart als Werksvertretung und Großhandel für die Rundfunk- und Fernsehbranche gegründet. 2008 übernahm Ingo Degen von seinem Vater Peter Degen die Geschäftsführung des Betriebes, der längst als TK-Distributor auftritt. Schwerpunkt des Grossisten ist vor allem das Mobilfunkgeschäft. Und genau darin sieht der Geschäftsführer den Hauptgrund für die aktuelle Schieflage. So hätten "strukturelle Verwerfungen bei den Mobilfunkherstellern" zu Problemen geführt, unter denen besonders die mittelständischen Distributoren zu leiden haben. So hatte beispielsweise der finnische Handy-Hersteller Nokia im vergangenen Jahr sein Distributorennetzwerk hierzulande "eingedampft" – die Zahl der direkten Großhandelspartnerschaften wurde von 15 auf 7 reduziert. 1996 war es noch die Firma Degen, die in Heilbronn den ersten deutschen Nokia Shop eröffnete.

Trotz Gang zum Insolvenzgericht sieht der Degen-Chef noch eine Chance zumindest die rentableren Bereiche wie Service retten zu können – falls ein Investor einsteigt. Im vergangenen Jahr bilanzierte das Unternehmen noch rund 63 Millionen Euro. Wie problematisch der TK-Markt allerdings ist, der im vergangenen Jahr mit etwa 63,7 Milliarden Euro deutlich unter dem Umsatz von 2008 geblieben war, spürte Anfang April auch die TK-Kooperation Teleround, deren CEO Wolfgang Hüttner ebenfalls Insolvenz anmelden musste. (map)