Regulierungsbehörde genehmigt Tarifreform der Telekom Austria
Der intensive Wettbewerb hat beim Festnetz-Marktführer Telekom Austria zu Umsatz- und Anschlussrückgängen im Endkundengeschäft geführt -- eine grundlegende Umgestaltung de Tarife soll es richten.
Der intensive Wettbewerb hat beim Festnetz-Marktführer Telekom Austria (TA) zu Umsatz- und Anschlussrückgängen im Endkundengeschäft geführt. Mit einer Tarifreform will das Unternehmen nun zurückschlagen und diese Trends verlangsamen. Die jetzt vorgenommenen Entgeltreduzierungen "von bis zu dreißig Prozent" sollen durch steigende Nutzung und höhere Monatsentgelte mehr als wett gemacht werden. Das neue Schema weist nur mehr vier Grundvarianten auf, die jedoch mit bis zu sechs kostenpflichtigen Zusatzpaketen bestückt werden können -- für Kunden kann es recht kompliziert werden, wie der Überblick über die neuen Tarife zeigt:
Von den alten Impulstarifen wird nur der Standardtarif beibehalten, eingestellt werden die TikTak-Angebote Weekend, Family und die bislang niedrigste Grundgebührenvariante International. Bei den verbleibenden TikTak-Varianten Privat, Office und Business wurden bisher bei jeder Verbindung zumindest 30 Sekunden verrechnet, bevor der Zähler im Sekundentakt lief (30/1). Bei TikTak Privat wird nun auf 60/1 verteuert, bei TikTak Business auf 1/1 optimiert. Privat- und Office-Kunden müssen fortan auf ihre 60 Freiminuten und den 2-Cent-Tarif für Gespräche zu einem "Friend" verzichten; Erstere zahlen weiterhin eine Grundgebühr von 15,98 monatlich, Zweitere mit 22,68 Euro nun 1,68 Euro mehr. Für die bislang kostenlose Übermittlung der Nummer anrufender Anschlüsse (Caller Line Identification Presentation, CLIP) wird ein Entgelt von 0,99 Euro pro Monat eingeführt.
Gespräche ins österreichische Festnetz werden allgemein günstiger, vor allem in der Nebenzeit (18 bis 8 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen ganztägig). Im Privat-Tarif fallen für Lokalgespräche statt 2 Cent nur mehr 1,35 Cent pro Minute an. Erheblich teurer werden dafür Gespräche zu vielen ausländischen Mobilfunk-Netzen, zudem gibt es Änderungen bei der Zuordnung einiger Länder zu den fünf Auslands-Tarifgruppen. Wer bisher im TikTak-Family-Tarif telefoniert (zwei Anschlüsse zu einem Preis) wird von der TA auf die "Zweitwohnsitz"-Option verwiesen. Für den Aufpreis von 10,40 Euro pro Monat fällt dann bei jedem der beiden Anschlüsse zukünftig das halbe Grundentgelt an. Die bisher kostenlosen Gesprächen zwischen den beiden Familiy-Anschlüssen werden allerdings auf 20 Minuten pro Monat limitiert.
Komplexer wird es bei den neuen Zusatzpaketen. Für monatliche Aufpreise zwischen 0,70 und 10,40 Euro erhalten Privat-Kunden verschiedene Ermäßigungen für Sprachverbindungen in der Nebenzeit. 25 Prozent Ermäßigung bringen die Bonuspakete "Friends" (zu drei geographischen Festnetzanschlüssen) und "Wunsch-Bundesland" (bis zu drei Bundesländer). Ermäßigungen von 4 bis 39 Prozent für Gespräche in bis zu drei Staaten nach Wahl bringt "Wunsch-Ausland", wobei beispielsweise Ungarn und Serbien nicht rabattiert werden. Das Bonuspaket "Wochenend" beinhaltet für 3,60 Euro monatlich 300 Freiminuten für Sprachverbindungen ins Festnetz von Freitag 18 bis Montag 8 Uhr. Zum gleichen Preis ebenfalls 300 Freiminuten bringt die Option "Lokalzone" für Nebenzeit-Gespräche eben in die Lokalzone (bis 50 km Entfernung). Außerdem können für 4 bis 16 Euro für je zwei Monate für diesen Zeitraum 200 bis 1.000 "Freiminuten" für Verbindungen zu geographischen Festnetzanschlüssen in der Nebenzeit erworben werden. Kostenlose Gespräche, die im Rahmen anderer Pakete bereitgestellt werden, verringern das Guthaben dabei nicht, jedoch verfallen zum Ende eine Rechnungsperiode nicht verbrauchte Gesprächszeiten. Alle neuen Tarife sind ab sofort verfügbar, Bestandskunden können umsteigen oder auf die automatische Umstellung zum 22. Juli warten. Da in der Reform auch Preiserhöhungen enthalten sind, können Kunden auch bei länger laufendem Kündigungsverzicht kostenlos zum 22. Juli kündigen.
Die Telekom Control Kommission (TKK) hat die Änderungen bereits genehmigt, da kein Preisdumping vorgefunden wurde und es Konkurrenten mit eigener Infrastruktur möglich sein soll, ähnliche Angebote zu machen: "Alle von TA beantragten Bonuspakete weisen eine deutliche Kostenüberdeckung auf", heißt es dazu in der Bescheidbegründung. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)