Effizientes Netzteil
Für einen PC, der mit mehreren Festplatten bestückt als Heimserver laufen soll, suche ich ein möglichst effizientes Netzteil. Nach meiner Einschätzung würde bereits ein 200-Watt-Netzteil locker ausreichen, aber solche findet man im Einzelhandel praktisch nicht. Braucht ein 300-Watt-Netzteil wesentlich mehr?
Für einen PC, der mit mehreren Festplatten bestückt als Heimserver laufen soll, suche ich ein möglichst effizientes Netzteil. Nach meiner Einschätzung würde bereits ein 200-Watt-Netzteil locker ausreichen, aber solche findet man im Einzelhandel praktisch nicht. Braucht ein 300-Watt-Netzteil wesentlich mehr?
Das hängt vom jeweiligen Gerät ab. Grundsätzlich ist das Angebot an besonders effizienten PC-Netzteilen für Gehäuse in ATX- und MicroATX-Formaten seit Einführung der 80-Plus-Kennzeichnung deutlich gewachsen. Anhand des Datenblattes oder der Nennleistungsangabe lässt sich aber nicht einschätzen, welchen Wirkungsgrad ein bestimmtes Netzteil bei geringer Belastung erreicht.
Genau wie auch die grundlegenden Spezifikationen für ATX12V-Netzteile verlangt der 80-Plus-Standard nur Mindestwerte des Wirkungsgrads für drei Betriebspunkte des Netzteils, nämlich unter Volllast sowie bei 50 Prozent und 20 Prozent der jeweils maximal zulässigen Nennlast. Wie der Name „80 Plus“ andeutet, müssen Netzteile, die das zugehörige Logo tragen, ab 20 Prozent ihrer jeweils maximal zulässigen Belastung mindestens 80 Prozent Wirkungsgrad erreichen. Noch höhere Effizienz liefern Wandler, die die Vorgaben von 80 Plus Bronze, Silber oder Gold erfüllen.
Ein Heim-Server mit genügsamem Prozessor, sparsamem Mainboard sowie drei „Green“-Festplatten bleibt unter Volllast oft unter 150 Watt und kann sich im Leerlauf mit weniger als 50 Watt begnügen. Bei einem 300-Watt-Netzteil liegt der 20-Prozent-Messpunkt bereits bei 60 Watt – für die Belastung mit 50 Watt unterliegt sein Wirkungsgrad deshalb keinen Vorgaben.
Nach unseren Erfahrungen arbeiten 200-Watt-Netzteile mit veralteter Schaltung aus der „Vor-80-Plus-Ära“ auch bei sehr geringer Belastung weniger effizient als viele moderne Stromwandler, doch auch zwischen aktuellen Geräten gibt es erhebliche Unterschiede. Deshalb messen wir für unsere Netzteiltestberichte auch die Verluste bei 25 und 40 Watt sekundärseitiger Belastung. In c’t 3/10 hatten wir ab Seite 142 drei Geräte vorgestellt, die bereits bei 40 Watt über 80 Prozent Wirkungsgrad erreichen, doch dabei handelt es sich durchweg um Netzteile in den kompakten Bauformen SFX oder TFX, die mechanisch nicht in ATX-Gehäuse passen. In jenem Test schnitt das ATX-Netzteil Enermax EPR385AWTII beim 40-Watt-Messpunkt mit 78 Prozent Wirkungsgrad aber auch noch recht ordentlich ab. Selbst bei Dauerbetrieb eines sparsamen Servers hätten Effizienzunterschiede von weniger als etwa 5 Prozentpunkten erst dann einen relevanten Einfluss auf die Stromkosten, wenn es um Wirkungsgrade oberhalb von 90 Prozent geht. (ciw)