Lausbubenstreiche

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Von
  • Johannes Endres

Lausbubenstreiche

Peter war mal ein Lausbub. Seine Eltern hatten fast dieselbe Telefonnummer wie der Frisör am Ort, und wenn mal wieder jemand nicht begreifen wollte, dass er sich verwählt hatte, hat Peter einfach einen Termin vergeben.

Einige der größten deutschen Internet-Provider teilen offenbar diesen pubertären Humor. Sie spielen ihren zahlenden Kunden denselben Streich: Wenn der User einen nicht vergebenen Domain-Namen in den Browser eintippt, bekommt er keine Fehlermeldung, sondern eine Seite mit Suchergebnissen und Werbung zu dem Vertipper.

So wollen die Provider Google und Co. ein StĂĽckchen vom Online-Werbe-Kuchen klauen. Statt ihre Suchmaschinen so attraktiv zu gestalten, dass die Kunden sie freiwillig benutzen, fischen sie also lieber Tippfehler ab.

Das dürfte nicht einmal alle Werbekunden freuen. So erscheint beim Tippfehler wwww.microsoft.de als erster Treffer gelegentlich ein bezahlter Link auf die richtige Seite. Microsoft reicht also aus dem Werbe-Etat Geld an den Provider, um einen Tippfehler zu korrigieren, den der Internet Explorer auch selbst richtiggestellt hätte.

Wesentlich größer sind die Probleme, die dem User durch DNS-Fälschungen entstehen. So versagen Spam-Filter, der Linux-Zugriff auf Windows-Freigaben schlägt fehl und VPN-Verbindungen funktionieren nicht wie gewünscht.

Alice, T-Online und Versatel bieten zwar eine Option, über die ein Kunde für seinen Anschluss die DNS-Fälschungen unterbinden kann. Doch den meisten Nutzern ist gar nicht bewusst, dass die Probleme von dem "Dienst" ihres Providers herrühren. Selbst wenn sie mal einen komplett falschen Domain-Namen eingetippt und daraufhin die Suchseite untergeschoben bekommen haben, ist der Zusammenhang mit den Netzwerkproblemen doch alles andere als offensichtlich.

Dem Ärger, den die Provider mit DNS-Fälschungen verursachen, steht für den Nutzer kein Vorteil gegenüber. Aber auch für die Provider scheint das fragwürdige Geschäftsmodell nicht so recht zu funktionieren. Bei unseren mutwilligen Vertippern fand sich unter den Suchergebnissen jedenfalls nur selten mal ein verkaufter Link. Die eifrigen Online-Werber aus der Porno- und Klingelton-Industrie registrieren Tippfehler-Domains sowieso gleich selbst.

Also, Alice, T-Online und die anderen: Schaltet den Unfug so schnell wie möglich generell ab - und überlasst die kindischen Streiche wieder kleinen Strolchen wie Peter. ()