Netze und Medien in UK: Die Zukunft der Konvergenz

Viele Hoffnungen auf das Zusammenwachsen von Medien und Netzen haben sich laut den britischen Regulierern nicht erfĂĽllt. Aber beispielsweise das Radio mausere sich mit Internet- und Musikdownload-Angeboten zu einem fĂĽhrenden Konvergenzmedium.

vorlesen Druckansicht 21 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Monika Ermert

Die lange angekündigte Konvergenz von Netzen und verschiedenen Medien wird Realität. Zu dieser Einschätzung kommt jedenfalls die britische Regulierungsbehörde Office for Communication and Media (Ofcom) in ihrem ersten umfassenden Bericht über den Medien- und Telekommunikationsmarkt im britischen Königreich. Der insgesamt 357 Seiten starke Bericht wird fortan jährlich im Mai erscheinen und soll vierteljährlich auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Ofcom wurde Ende 2003 auf der Basis des britischen Communications Act als kombinierte Aufsichtsbehörde für Rundfunk, Fernsehen und Telekommunikation (und Nachfolger der Regulierungsbehörde Oftel) eingerichtet. Einer solchen Konzentration von Aufgaben steht hierzulande die Verteilung der Kompetenzen auf Bund und Länder entgegen.

Viele Erwartungen, die früher mit dem Thema Konvergenz verbunden waren, sind laut der Ofcom nicht eingetreten. Dies gelte zum Beispiel bei den Geräten zum Netzzugang und zur Mediennutzung. Wer hätte zudem gedacht, dass sich das Radio nach Ansicht der Regulierer zum Konvergenzmedium Nummer eins mausert: Die Hälfte aller analogen Stationen im Königreich sind inzwischen auch online zu hören. Einen Schritt nach vorne haben die Radiostationen dabei auch beim Thema Musikdownloads gemacht. Mit dem zunächst auf die Top Ten beschränkten Angebot "hear it, buy it, burn it" will die britische private Radiokette GWR den Ansprüchen gerade der jüngeren, Internet-affinen Nutzer entgegenkommen. Rund 30 legitime Downloadangebote verzeichnet die Ofcom, die das Thema illegale Downloads recht nüchtern abhakt. Um 20 Prozent seien die illegalen Downloads seit dem Start der Anti-Piraten-Kampagnen der Musikindustrie gesunken. Dagegen stellt sie die 150.000 legalen Downloads im Januar und eine halbe Million Abrufe in den ersten fünf Monaten des Jahres. Damit sei erstmals der Verkauf von Musik auf physischen Trägern übertrumpft worden. "Musikdownloads sind für manche ein Lebensstil", notiert die Behörde.

Insgesamt stellt die Behörde ein Wachstum beim Konsum aller Medien- und Kommunikationsangebote fest. Im Verlauf der vergangenen vier Jahre, so die Statistik, hörten die Briten pro Woche 2,3 Stunden mehr Radio, sahen eine halbe Stunde mehr fern, telefonierten 14 Minuten länger, sandten vier Mal so viel SMS und waren fünf Mal so lange online. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das klassische Broadcast-Modell kommen angesichts eines wachsenden Angebotes und der Bedienung mit digitalen Abrufangeboten immer stärker unter Druck. Das Ausgabenplus für die Fernsehsender habe die Verkleinerung der Marktanteile der großen fünf Kanäle nicht gestoppt. Bezeichned ist dabei: Gerade neue Kinderprogramme wurden (neben Themen wie Religion und Kultur) deutlich eingedampft. Die Rolle der BBC steht 2006 auf dem Prüfstand, dann läuft die Royal Charter für den Sender ab. Der analoge Zugang zu britischen Medien soll im Jahr 2012 abgeschaltet werden.

Im Bereich der Telekommunikation sind Breitbandkommunikation und Mobilfunk die Wachstumsmotoren. Der Trend zur mobilen Telefonie nage wie überall an der Zahl der Gesprächsminuten im Festnetz. Die 17 neu hinzugekommenen Gesprächminuten pro Haushalt und Woche entfallen praktisch komplett aufs Handy. Zurückhaltend sind die Briten vorerst noch bei 3G-Telefonie. Trotz der von den Betreibern angegebenen Netzabdeckung von 75 Prozent der Bevölkeurng werden die neuen Angebote nur von 2 Prozent der Anwender genutzt. Der IP-Telefonie widmet die Ofcom ein eigenes Kapitel, trotz des aktuellen VoIP-Hypes sieht sie das Potenzial für IP-Telefonie vor allem beim Umbau der Kernnetze der Carrier. (Monika Ermert) / (jk)