New Yorks Kampf gegen den Stau
Bürgermeister Michael Bloomberg will eine City-Maut für Manhattan einführen. Sie soll den Verkehr wieder erträglicher machen. Ein Vorbild für Deutschland?
- Matthias Urbach
Acht Dollar soll es künftig kosten, werktags zwischen sechs und sechs ein Auto in den südlichen Teil Manhattans zu lenken. So will es der konservative Bürgermeister der Stadt, Michael Bloomberg. Die City-Maut, im Englischen "congestion pricing" genannt, soll die autogeplagte Metropole entlasten, den Verkehr auch zu Stoßzeiten zum Fließen bringen. Zudem erhofft Bloomberg mit den Einnahmen von um eine halbe Milliarde Dollar jährlich Verkehrsprojekte wie eine U-Bahn unter der Second Avenue finanzieren zu können.
In den vergangenen Jahren haben eine Reihe von Metropolen eine Maut eingeführt, darunter London, Oslo und Rom. Die britische Hauptstadt erweiterte erst im Februar ihre Mautzone erheblich. Käme nun auch noch New York hinzu, das Idol aller Metropolen, könnte das den Anhängern solcher Lösungen durchaus Schub verleihen.
Allerdings sind City-Maut-Lösungen in der Regel sehr umstritten: Bloomberg stellte sie im Rahmen seiner Vision 2030 für die Stadt vor. Darin sind sage und schreibe 127 Maßnahmen aufgelistet, um die Stadt grüner und klimafreundlicher zu machen – mit dem ehrgeizigen Ziel New York zur "ersten ökologisch nachhaltigen Stadt des 21. Jahrhunderts" zu machen. Die Maut hält der Republikaner dabei für die am schwersten realisierbare Idee.
Zu recht. Denn es gibt gute Gründe gegen eine City-Maut. Sie macht das Fahren in die Stadt zu einem teuren Vergnügen, was vor allem ärmere Leute trifft. Sie belastet in der Regel umliegende Viertel, wo die Autofahrer parken, um dann mit Bus und Bahn weiter zu fahren. Sie ist eine reine Strafsteuer, da sie sich im Gegensatz zu einer Ökosteuer nicht an den tatsächlichen Kosten orientiert, sondern allein am Ziel, die Einfahrt gerade so unattraktiv zu machen, dass der Verkehr wieder fließt. Schließlich treibt sie die Kunden noch mehr ins Umland, wo sie dann auf der grünen Wiese einkaufen können. Und das bedeutet mehr Zersiedelung.
Als Gründe für eine Maut stehen dagegen: Weniger Abgase, weniger Staus (und damit weniger Behinderung des Wirtschaftsverkehrs) – und schließlich mehr Geld für den Ausbau des Personennahverkehrs. Welche Gründe am Ende den Ausschlag geben, hängt extrem von den örtlichen Bedingungen ab.
Für deutsche Städte erscheint mir eine Maut wenig sinnvoll. In den vergangenen zwei Jahrzehnten entstanden mehr und mehr Einkaufsmärkte auf der "grünen Wiese". Sie gefährden schon jetzt die Attraktivität so mancher Innenstadt – weil viele Kunden die teuren Parkhäuser scheuen. Die Verknappung oder Verteuerung des Parkraums ist da geeigneter, die Zufahrt in die Innenstädte zu regulieren – und wird rege genutzt. Mit Busspuren ist es zudem möglich, Taxen, Bussen und Lieferverkehr Vorrang zu geben. Mit weniger Aufwand und wenig Widerstand. Für gute Luft sorgen dabei gezielte Verkehrsberuhigungen – und technische Verbesserungen am Auto wie etwa der Dieselrußfilter.
In Manhatten ist der Parkraum schon heute mit Parkgebühren von acht Dollar und mehr für eine halbe Stunde Parken unvorstellbar teuer – zumindest für deutsche Gewohnheiten. Für Fahrer aus New Jersey fällt bereits eine kleine Maut an, in Form der sechs Euro Tunnelgebühr – die übrigens künftig mit der City-Maut verrechnet werden sollen. Wenn die Häuser so hoch in den Himmel ragen wie in New York ist es nahe liegend, dass dazwischen der Platz knapp wird. Vielleicht ist die Maut da das letzte Mittel. Elegant ist das nicht. (wst)