Surfen macht Dumm

Während der "Spiegel" noch fragt, weiß die FAZ schon die Antwort: "Macht das Internet dumm"? Ja! Logisch!

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Während der "Spiegel" noch fragt, weiß die FAZ schon die Antwort: "Macht das Internet dumm"? Logisch. Das geht jedenfalls aus einer Analyse des "Instituts für Demagogie"* hervor, die kürzlich in der FAZ zu lesen war. Die Untersuchung der Vorlieben und Interessen von unter 30jährigen ist erschütternd aber nicht weiter überraschend:

Während das Interessenspektrum in der Altersgruppe über 30 Jahre noch keine auffälligen Veränderungen zeigt, ist das Interesse der Altersgruppe unter 30 Jahren an Politik in den letzten acht Jahren um 8 Prozentpunkte zurückgegangen, genauso das Interesse an Wirtschaftsthemen... Auch die Befassung mit Umweltfragen ist gesunken, gegenläufig zur Stärke der öffentlichen Diskussion. Seit dem Ende der neunziger Jahre ist der Kreis, der seine Aufmerksamkeit zumindest begrenzt dem Umwelt- und Naturschutz widmet, in der Altersklasse bis 30 von 83 auf 68 Prozent geschrumpft.

... Zugleich gibt es durchaus Themen, welche die Jugendlichen bis zur Altersgrenze von 30 Jahren stärker interessieren als früher. Das gilt insbesondere für alle Felder der Kommunikationstechnologie, von Computer und Internet über Handy, digitales Fernsehen bis hin zu digitaler Fotografie und Videotechnik; das gilt jedoch auch für andere Konsumfelder wie Kosmetik und Mode.

Kurz und gut: Ein selten oberflächliches Volk wächst da heran - interessiert sich nicht für den Lauf der Dinge und der Welt - sondern vor allem für sich selbst, liest keine Bücher mehr und wenig Zeitung – und will auch von klassischer Musik nicht mehr viel wissen. Doch schlimmer noch: Diese Veränderungen ergeben ein Muster: Fast alle Themen, die zum einen mit dem klassischen Bildungskanon und zum anderen mit der gesellschaftlichen Entwicklung verbunden sind, finden heute weniger Aufmerksamkeit, während Informationen, die unmittelbar auf den eigenen Alltag übertragen werden können und zur Optimierung von Beruf, Kaufentscheidungen und Privatleben dienlich sind, stabiles oder sogar größeres Interesse finden.

... Fernsehen und Internet sind bei den JĂĽngeren keine Substitution einer Tageszeitung, sondern eine ganz andere Nutzungsgewohnheit und damit ein Paradigmenwechsel im Umgang mit Information. ... Das Internet wird stattdessen in hohem MaĂźe fĂĽr Kommunikation und fĂĽr die gezielte Information bei Bedarf genutzt.

Stimmt schon - es gibt eine Menge junger Leute, die auf mich wie die Karikatur meiner Eltern-Generation wirken. Aber die Generation Umhängetasche großflächig zu netzverblödeten Egomanen zu stempeln, scheint mir doch ein wenig stark. Ich mag an dieser Stelle nicht ganz so pessimistisch sein – in dieser informationstechnischen Selbstbedienungsmentalität liegt nämlich auch eine Chance. Denn ich prophezeie hier mal ganz munter, dass es in einigen Jahren auch wieder cool sein wird, etwas zu wissen und zu verstehen vom Lauf der Welt. "Bibliotheken sind eine gefährliche Brutstätte des Geistes" hat Klaus Staeck schon vor über 20 Jahren ganz richtig festgestellt. Was könnte eine weltweite, ständig verfügbare Bibliothek bewirken, wenn es Leute gibt, die sich für Bücher und Ideen interessieren? Der weltweite, unzensierte und unkontrollierte Zugang zu Informationen wird irgendwann noch mehr Wirkung entfalten, als sich alle Lehrer, Meinungsforscher und Zeitungsverleger dieser Welt vorstellen können. Hoffe ich wenigstens.

* sorry, aber an dieser Stelle muss ich leider bekennen, dass ich nicht mehr genau weiĂź, wer diesen Witz zuerst gerissen hat. Aber man muss in solchen Fragen ja heutzutage vorsichtig sein - ich glaube, es war Dieter Hildebrandt. (wst)