30 Jahre PlayStation: Sony ĂĽbernimmt das Steuer

Seite 3: Die Entstehung der PlayStation

Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Wie Sony zu einer Spielkonsole kommt, ist Stoff für Legenden. Während Nintendo mit der NES-Konsole groß wird, konzentriert sich Sony auf die Heimcomputer-Plattform MSX, die man in Europa kaum kennt, aber die in Japan populär ist. Die Idee: Die Rechner sind von verschiedenen Herstellern, aber kompatibel miteinander. Sony baut einen MSX-Rechner namens Hit-Bit (mit überschaubaren Erfolg) und veröffentlicht eine ganze Reihe von Spielen. Ende der achtziger Jahre entwirft Sony den Sound-Chip für das Super Nintendo und vereinbart 1988 eine Zusammenarbeit rund um das kommende Super Nintendo: Sony soll ein CD-Laufwerk für das NES und das Super Nintendo entwickeln – will aber parallel ein eigenes Gerät auf den Markt bringen, das Nintendo-Spiele ablaufen lassen kann.

Kurz vor der Ankündigung auf der CES 1991 bekommt Nintendo kalte Füße. Man will nicht die Kontrolle aus der Hand geben und womöglich einen Konkurrenten heranzüchten. Da Nintendo USA parallel mit Philips zu einem ähnlichen Thema verhandelt, kommt es zu einem Eklat: Sony kündigt eine "Play Station" als Kooperation zwischen Sony und Nintendo an – und am nächsten Tag gibt Nintendo auf der Messe bekannt, mit Philips rund ums Thema CD-ROM zusammenzuarbeiten.

Der Rest ist Geschichte. Ein CD-ROM-Laufwerk für das NES und das Super Nintendo erscheint nie; Philips veröffentlicht einige Spiele von fragwürdiger Qualität mit Mario und Zelda für das CD-i. Und Sony arbeitet an einer eigenen Konsole ohne Nintendo. Viele im Unternehmen sind davon nicht begeistert. Die einen weisen darauf, dass Sony bisher in allen Sparten profitabel ist – außer bei Computern. Die anderen verstehen nicht, wieso eine seriöse Firma nun "Spielzeug" veröffentlichen soll.

Ken Kutaragi, der Vater der PlayStation.

(Bild: Sony Computer Entertainment)

Vater der Konsole ist Ken Kutaragi, der bereits den Sound-Chip für das Super Nintendo entworfen hat und sich seit Jahren mit 3D-Grafik beschäftigt. Ein Schlüsselmoment ist, als Sega 1993 "Virtua Fighter" als Spielautomat veröffentlicht: Schnelle 3D-Animation, in Echtzeit in der Spiele-Engine gerendert, das ist die Zukunft. Den Controller schaut man sich von Nintendo ab. Genau wie die Farbe des Gehäuses. Manche bei Sony hätten lieber schwarz gehabt.

Erst später, hier 1998, kann sich Sony auch große Promo-Aktionen leisten.

(Bild: Sony Computer Entertainment)

Das Werbebudget ist beim Start vergleichsweise niedrig. Es sind eher die schlauen Ideen, wie der skurrile Spot mit dem "Alien-Mädchen", der weder die Konsole noch Spiele zeigt (gleich dem "1984"-Spot von Apple); nur übertroffen durch den verstörenden PS2-Spot von David Lynch einige Jahr später. Der tut dem Nachfolger keinen Abbruch: Die PlayStation 2 wird deutlich erfolgreicher und mit 160 Millionen Geräten die erfolgreichste Konsole aller Zeiten, wenngleich Nintendo Switch dicht auf den Fersen ist. Mit der PlayStation 3 gibt es einen kleinen Knick: Microsoft hat mit seiner zweiten Xbox dazugelernt und schließt auf. Mit der PlayStation 4 und der 5 macht Sony wieder Boden gut: Das Verhältnis zur Xbox ist heute nach Verkaufszahlen 2:1.

(nie)