Er kommt wieder: 40 Jahre "The Terminator"

Seite 2: Video rettet den Terminator

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

(Bild: Orion Pictures/StudioCanal)

Heute gilt Terminator zu Recht als Klassiker und Science-Fiction-Meilenstein. 1984 war der Film im Kino trotz guter Rezensionen allerdings nur ein moderater Erfolg. Das Studio, Orion Pictures, hatte wenig Vertrauen in den Erfolg des Films, verzichtete auf eine Vorab-Vorführung für Kritiker und hatte weder das Marketing-Budget noch das nötige Geschick, um den Film zum Blockbuster zu machen.

In den USA spielte der Film gerade mal 38 Millionen US-Dollar ein (inflationsbereinigt rund 116 Millionen Dollar) – nicht schlecht, aber auch kein Riesenhit. Zum Vergleich: Bei einem Budget von knapp 30 Millionen US-Dollar spielte "Ghostbusters" im selben Jahr 229 Millionen ein, der zweite "Indiana Jones" 180 Millionen US-Dollar.

Zum Dauerbrenner machten "The Terminator" erst TV-Ausstrahlungen und der Video-Verleih. Von diesen Erlösen bekam Orion Pictures jedoch nichts mehr ab, weil es die Videorechte vorschnell weiterverkauft hatte.

Für die Macher des Films war "Terminator" hingegen ein voller Erfolg. Dank "Conan, der Barbar" (Conan the Barbarian, 1982) und "Terminator" war Arnold Schwarzenegger plötzlich ein anerkannter Action-Held und ließ in den Folgejahren mit "Phantom Kommando", der "Der City Hai", "Predator" und "Running Man" die Kassen klingeln. Linda Hamilton (Sarah Connor) wurde in der Serie "Die Schöne und das Biest" (Beauty and the Beast, 1987-1990) an der Seite von Ron Perlman zur Ikone.

Michael Biehn (Kyle Reese), Lance Henriksen (Detective Vukovich) und Bill Paxton (Punk-Anführer) wurden von Cameron sofort für seinen nächsten Film verpflichtet, "Aliens: Die Rückkehr" (1986), das erste Sequel zu "Alien". Das Drehbuch dafür hatte er parallel zu Terminator geschrieben. Auch für die Special Effects griff Cameron auf Bekannte zurück: Stan Winston Studios hatte für "Terminator" den lebensgroßen Metall-Roboter verwirklicht und schufen für "Aliens" die riesige Alien-Königin.

Neben der Cast verdankt "The Terminator" seine Wirkung vor allem der erstklassigen Inszenierung. Die Handlung selbst ist nur mäßig originell – zumindest waren diverse Versatzstücke schon in anderen Werken aufgetaucht.

Offensichtliches Vorbild für die KI "Skynet" ist der Supercomputer "Colossus". In dem SF-Klassiker von 1970 beschließt eine KI mit Kontrolle über das Verteidigungsnetzwerk, dass die Menschheit insgesamt eher ein Problem ist, und greift zu drakonischen Maßnahmen.

Auch der Killer als unermüdliches Stehaufmännchen ist nichts Neues: Der Terminator ist zu gleichen Teilen der Roboter-Revolverheld aus "Westworld" (1973) und der Serienmörder Michael Myers aus "Halloween - Die Nacht des Grauens" (1978).

Dass "The Terminator" viele Väter hat, hat nur Einen so sehr gestört, dass er vor Gericht zog: Der renommierte (und streitlustige) Schriftsteller Harlan Ellison verklagte das Filmstudio, weil ihn der Anfang stark an sein Drehbuch "Soldier" für die Fernsehserie "Outer Limits" erinnerte (1964). Die Folge beginnt ebenfalls mit einem Kriegsschauplatz in der Zukunft, aus dem zwei Feinde in die Gegenwart zurückgeworfen werden.

Der Rechtsstreit mündete in einem Vergleich: Ellison erhielt zur Entschädigung einen – je nach Quelle – fünf- bis sechsstelligen Betrag und zu Beginn des Abspanns erscheint inzwischen "Acknowledgment to the works of Harlan Ellison". Cameron hat für diesen Kompromiss kein gutes Wort übrig.

40 Jahre "The Terminator": Die Highlights (11 Bilder)

Das Schlachtfeld der Zukunft: 2029 versucht eine KI namens Skynet, die Menschheit auszulöschen. (Bild:

Orion Pictures/StudioCanal

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Wenig macht die Einzigartigkeit von "The Terminator" offensichtlicher als die weitere Entwicklung des Franchise. 1991 drehte Cameron eine direkte Fortsetzung: Viele Ideen in "Terminator 2: Tag der Abrechnung" (Judgement Day) hatte er sieben Jahre früher aus dem Drehbuch gestrichen. Und siehe da: "T2" wurde der Megahit, der das Original nicht war.

Für den Freizeitpark "Universal Studios" produzierte Cameron ein kurzes Quasi-Sequel: "T2-3D: Battle Across Time. Besucher betreten eine interaktive Show, die teils von realen Schauspielern auf der Bühne bestritten wird, teils aus 3D-Material auf drei riesigen Leinwänden besteht. Im Filmteil kehren neben Schwarzenegger auch Linda Hamilton, Edward Furlong und Robert Patrick aus "T2" zurück. Die Attraktion wurde 2020 endgültig geschlossen, es bleiben diverse YouTube-Mitschnitte.

Die nächsten Sequels entstanden ohne Cameron: "Terminator 3: Rebellion der Maschinen" (Rise of the Machines, 2003) hatte zwar Schwarzenegger an Bord, aber keine Sarah Connor mehr. Von ein paar albernen Einlagen abgesehen führte der dritte Teil das Franchise zur düsteren Urvision zurück. "Terminator: Die Erlösung" (Salvation, 2009) mit Christian Bale ist dann vollständig im "Future War" angesiedelt – und schrieb ein paar Regeln neu.

Der Misserfolg des vierten Films führte dazu, dass die Fernsehserie "Terminator: The Sarah Connor Chronicles" (2008-2009) alles nach "T2" ignorierte. Trotz interessanter Wendungen und guter Hauptdarsteller fand die Serie nie ausreichend Zuschauer und wurde nach der zweiten Staffel mit einem Cliffhanger abgebrochen.

2015 startete das Franchise mit "Terminator: Genisys" neu durch: Der Reboot ignorierte sowohl die TV-Serie als auch die Teile 3 und 4. "Genisys" war als erster Teil einer neuen Trilogie angelegt und ließ deshalb maßgebliche Handlungspunkte unerklärt – was nicht gut ankam, trotz wiederkehrendem Arnold.

Statt der angekündigten Fortsetzung kam 2019 ein neuer Reboot ins Kino. Diesmal kehrte nicht nur Schwarzenegger zurück, sondern auch Linda Hamilton als Sarah Connor und sogar James Cameron als Produzent und Co-Autor. "Terminator: Dark Fate" gefiel zwar vielen Kritikern, ging aber beim Publikum baden.

Auch diesmal waren Fortsetzungen geplant, die mangels Interesse wieder gestrichen wurden. So kam es, dass die jüngste Iteration wieder auf kleineren Bildschirmen landete: Am 29. August 2024 erschien auf Netflix die Anime-Serie "Terminator Zero", die mit mehreren möglichen Zeitlinien spielt.

Über Film und Fernsehen hinaus hat "Terminator" auch zahlreiche Spiele, Bücher und Comics hervorgebracht. Hier sei "Robocop versus Terminator" hervorgehoben, in dem Frank Miller und Walt Simonson clever mit den Überlappungen der beiden titelgebenden Franchises jonglieren.

Inzwischen entsteht – schon wieder – eine Film-Wiedergeburt: In den vergangenen Monaten hat James Cameron wiederholt seine Absicht erklärt, das Terminator-Universum mit einem weiteren Reboot neu zu starten. Letzter Stand: Die neuen Filme sollen sich mit dem Thema KI befassen und keines der bekannten Cast-Mitglieder übernehmen. Es ist abzuwarten, ob aus diesen Plänen tatsächlich etwas wird und vor allem, wann: Bekanntlich ist Cameron bis mindestens 2029 mit Avatar-Filmen ausgebucht.

Auch vierzig Jahre nach seinem Kinostart ist und bleibt der Ur-"Terminator" ein guter kleiner Schocker, der in vielerlei Hinsicht auch sein bombastisches Sequel überflügelt, das viele Fans für überlegen halten.

Mit großen Ideen, wenig Geld und kompromissloser Beharrlichkeit beschwor James Cameron 1984 eine beängstigende Zukunftsvision, in der die Auslöschung der Menschheit durch eine wildgewordene KI nur durch ein geschickt konstruiertes Zeitreisen-Paradox zu verhindern ist.

Inzwischen ist "The Terminator" selbst zum Paradox geworden: Obwohl die Handlung in sich abgeschlossen ist und in keiner Weise eine Fortsetzung verlangt, bleibt Camerons Fiebertraum so mächtig, dass daraus immer neue Iterationen entstehen.

Update

Nach einem düsteren Prolog beginnt "The Terminator" in Los Angeles, in der Nacht des 12. März 1984. Richtig ist "in der Nacht des 12. Mai 1984".

(vbr)