ESA-Weltraumteleskop Euclid: "Wir werden 60 Millionen Galaxien bestimmen"
Seite 3: Wird Euclid so spektakulären Bilder liefern wie das neue James-Webb-Weltraumteleskop?
Ja, es wird auch schöne Bilder liefern. Euclid hat bildgebende Instrumente ab Bord.
Was sind denn eigentlich die Hauptschwierigkeiten dieser Mission? Jede Mission stößt ja irgendwie an physikalische und technische Grenzen?
Im Gegensatz zu anderen Missionen liegt die Hauptschwierigkeit nicht im Hardwarebereich, sondern in der Datenanalyse.
Weil es so viele Daten sind?
Ja. Und weil wir sie auch mit einer so unglaublichen Genauigkeit anschauen mĂĽssen. Deswegen geht ein groĂźer Teil der Vorbereitung und auch ein sehr groĂźer Teil der Gesamtkosten von ĂĽber einer Milliarde Euro in die Entwicklung von Methoden fĂĽr die Datenaufbereitung.
Haben andere Missionen dieses Problem nicht?
Beim James Webb ist es genau umgekehrt. Seine Daten sind vom Datenvolumen her sehr überschaubar, weil es nur ein kleines Gesichtsfeld hat. Eine so große Kamera wie Euclid ist noch nie geflogen worden, nicht annähernd. Jedenfalls im nichtmilitärischen Bereich. Was im Bereich der Spionagesatelliten passiert, wissen wir natürlich nicht.
Die Leitung der Euclid-Mission liegt in Frankreich, warum?
Ja, Frankreich hat insofern eine FĂĽhrerschaft bei Euclid, als dass das Land die meisten Mittel beisteuert.
Was ist Ihre Rolle bei der Mission?
Ich bin seit 20 Jahren in Richtung Euclid unterwegs. 2006 gab es eine Ausschreibung für die Cosmic-Vision-Missionen der ESA. Ich war unter anderem in einer Arbeitsgruppe mit dem Ziel, Methoden zu finden, Dunkle Energie effizient zu untersuchen. Nach einigen nicht realisierbaren Missionsvorschlägen kristallisierte sich schließlich Euclid heraus. Momentan bin ich der Vorsitzende des Editorial Boards, das unter anderem alle Veröffentlichungen intern begutachtet, bevor sie die Außenwelt zu sehen bekommen.
Wann können wir denn mit den ersten Ergebnissen rechnen?
Die ersten Daten werden voraussichtlich relativ schnell kommen. Nach dem Start wird Euclid ungefähr einen Monat brauchen, bis es an seinem Ziel-Ort, am Lagrange-Punkt L2 in etwa 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde ankommt. Dann beginnt eine Phase, in der seine Instrumente getestet und kalibriert werden, da werden wir schon Daten aufnehmen. Dabei kommen noch keine kosmologisch relevanten Daten heraus, aber schöne Galaxie-Bilder, die wir dann der Welt zeigen.
Um ein wenig das Milliardenbudget zu rechtfertigen?
Ja sicher. Wir müssen auch PR machen, ist doch klar. Vielleicht werden wir auch einen kleinen Himmelsausschnitt mit richtigen Daten publizieren. Damit unsere Fachkollegen sehen können, wie gut Euclid ist und sich schon darauf vorbereiten, welche Qualität von Daten sie zu erwarten haben.
Wenn Euclid nach sechs Jahren seinen Dienst getan hat, macht es Sinn das noch weiter zu betreiben?
Eine Möglichkeit wäre es, den Survey etwas auszudehnen, ihn also etwas größer zu machen. Ob das wissenschaftlich von Interesse ist, sei dahingestellt. Das wird man erst wissen, wenn man sich die Daten anschaut. Aber es lassen sich mit diesen Instrumenten auch andere Dinge anstellen. Es ließe sich beispielsweise ein Supernova-Survey machen, um dabei nach hochrotverschobenen, also sehr alten Supernovae zu suchen.
Eine Sekundärmission, wie es andere Weltraumteleskope wie Kepler auch schon gemacht hat, das nach seiner vorgesehenen Aufgabe später erfolgreich Exoplaneten aufgespürt hat?
Ja. Wenn Euclid erfolgreich und nach sechseinhalb Jahren immer noch in guter Verfassung ist, wird ESA wahrscheinlich nicht den Stecker rausziehen. Das Hubble Space Teleskop ist seit 33 Jahren im Orbit und funktioniert immer noch fantastisch.
(mho)