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Hai-Patrouille in der Luft

Veronika Szentpetery-Kessler

Unbemannte FluggerÀte sollen in Down Under gegen Raubfische helfen.

Hai-Attacken kommen vor der australischen KĂŒste immer wieder vor. Deshalb will das Unternehmen Little Ripper Group gemeinsam mit Forschern von der University of Technology Sydney (UTS) Schwimmer und Surfer mithilfe von Drohnen besser vor den MeeresrĂ€ubern schĂŒtzen. Die in der NĂ€he von Sydney beheimatete Firma ist auf Rettungsdienste mit ferngesteuerten Drohnen spezialisiert.

Die "Westpac Little Rippers" werden bereits vielfĂ€ltig eingesetzt. Abwerfen können die FluggerĂ€te zum Beispiel ein sich selbst entfaltendes Rettungsfloß fĂŒr in Not geratene Schwimmer, ein Erste-Hilfe-Kit samt Defibrillator fĂŒr die Versorgung von Unfallopfern oder eine AusrĂŒstung fĂŒr verunglĂŒckte Skifahrer. Das Set fĂŒr die Wintersportler enthĂ€lt eine Rettungsdecke, Energieriegel, ein FunkgerĂ€t und einen Positionssender.

Nun testet Little Ripper ein neues "Shark Spotter"-System. Die Drohne warnt mithilfe ihres Piloten Badende, wenn sich ein Hai nĂ€hert. Mit der UnterstĂŒtzung von Deep-Learning-Algorithmen brachten die UTS-Forscher der Maschine zunĂ€chst bei, Haie in Luftaufnahmen zu erkennen. Denn es gilt, die Tiere von anderen Meereslebewesen wie Walen oder Delfinen, aber auch von Booten, Schwimmern und Surfern zu unterscheiden.

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Als Schulungsmaterial dienten öffentlich zugĂ€ngliche YouTube-Videos. Die Software erkannte daraufhin Haie in mehr als 90 Prozent der FĂ€lle. Menschen schaffen laut UTS-Projektleiter Nabin Sharma maximal 30 Prozent. Anschließend lernten die Shark-Spotter-Drohnen, Echtzeit-Videoaufnahmen auszuwerten. Die Aufnahmen wurden zunĂ€chst drahtlos zur Computeranalyse an Land gesendet. Inzwischen erledigt das der Grafikprozessor in der Bordkamera der Drohnen.

"Wenn die OzeanoberflĂ€che glatt und das Wasser klar ist, können die Drohnen zwei bis drei Meter tief ins Wasser sehen", sagt Sharma. Infrarot- und Multispektralkameras sollen bei Wellengang und stark reflektierter Sonnenstrahlung helfen. Menschen hingegen lassen sich bei der Auswertung von Bildern zu leicht ablenken und machen demzufolge potenziell tödliche Fehler. "Wir wollen die menschlichen Helfer nicht ersetzen. Die Software soll sie aber darin unterstĂŒtzen, effektiver zu werden", sagt Sharma.

Erkennt Shark Spotter einen Hai, kann der Drohnenpilot die Schwimmer in der NĂ€he per Megafon warnen und ein Rettungsfloß sowie einen Notsender abwerfen. DarĂŒber hinaus alarmiert das System Rettungsschwimmer an Land per SMS. In KĂŒrze werden die Drohnen auch ein Hai-AbschreckungsgerĂ€t transportieren.

Es soll die Raubtiere mit elektromagnetischen Signalen, die deren Beuteortung stören und ihnen unangenehm sind, von Attacken abhalten. Sobald die Drohnen die Testphase hinter sich gelassen haben, werden sie ihre Arbeit aufnehmen können. Die Little Ripper Group verkauft ihre Drohnen allerdings nicht, sondern bietet ihre von einem Piloten ferngesteuerten GerÀte als Serviceleistung an.

Dem Unternehmen zufolge sind derzeit 20 Drohnen an mehreren australischen StrĂ€nden im Einsatz, um die Rettungsprotokolle zu testen. Anfragen fĂŒr das System gab es bereits aus den USA und von der Insel RĂ©union im Indischen Ozean. Als NĂ€chstes will die Little Ripper Group in Kooperation mit den UTS-Forschern die Erkennungsalgorithmen auf Krokodile ausweiten. Ziel ist es, auch die Zahl der Attacken durch die Reptilien, etwa an den StrĂ€nden im Norden Queenslands, zu senken.

(bsc [5])


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