Kleine Turbinen kommen groß raus

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Um Stromkosten zu sparen, hat das Unternehmen im vergangenen April vier miteinander verbundene 60-Kilowatt-Mikroturbinen auf Erdgasbasis von Powerhouse Energy installiert. Neben der Stromversorgung der ganzen Fabrik übernehmen die Mikroturbinen inzwischen die Erhitzung der Lösung in der Hälfte der Tanks. Bei Alloy Processing wird die Abwärme der Mikroturbinen zur Erhitzung von Wasser genutzt, dass dann wieder die Eloxierlösung auf die notwendige Temperatur bringt. 80 Prozent Strom hat die Fabrik laut Leibl so gespart. Die Kosten des Systems lagen bei 550.000 Dollar. Ein Drittel der Summe wurde vom kalifornischen Staat übernommen - im Rahmen eines Programms, das alternative Energieformen fördert. Leibl erwartet, dass Alloy Processing seine Investition in 18 Monaten wieder zurück hat.

Mikroturbinen sind auch dann kostengünstig, wenn sie im kleinen Maßstab eingesetzt werden, beispielsweise in Apartmenthäusern, Geschäftsparks oder Hotels. Im kalifornischen Pico Rivera läuft eine 80 Kilowatt-Mikroturbine in einem Holiday Inn mit 350 Betten, das eine eigene Wäscherei betreibt. Die daraus entstehende Stromrechnung war sehr hoch, berichtet Miguel Modrano, der Chefingenieur des Hotels. Die Mikroturbine des Hotels, die von Simmax Energy kommt, läuft mit Erdgas. Sie gehört weiterhin Simmax, das Hotel zahlt nur für die Energie, so Timothy Bristol, General Manager des Hauses. Laut Modrano produzieren die Mikroturbinen ein Drittel der Hotel-Elektrizität und vier Fünftel des Warmwassers. Laut Bristol kommt die Wärme, die man von Simmex einkauft, günstiger als Erdgas von den Stadtwerken. 35 Prozent weniger zahle das Hotel für Gas und Elektrizität insgesamt.

Mikroturbinen können auch Energiequellen benutzen, die ansonsten nicht verwendet würden. Beispielsweise Methan, das von öffentlichen Müllplätzen aufsteigt. Als einzelne Stromausfälle im Jahr 2000 Kalifornien heimsuchten, forschte das Los Angeles Department of Water and Power (LADWP) nach alternativen Energiequellen. Laut LADWP-Sprecher Randy Howard betreibt das LADWP inzwischen "eines der größten umweltfreundlichen Energieprogramme der Nation" mit rund 43.000 zahlenden Kunden. Mit dem "Green Energy for a Green LA"-Programm könnten die Kunden für drei US-Cent zusätzlich pro Kilowattstunde erneuerbare Energie einkaufen.

Ende 2000 installierte das LADWP 50 Mikroturbinen auf der Lopez-Canyon-Müllkippe. Die 30-Kilowatt-Mikroturbinen wurden zusammengeschlossen, um die Gesamtenergieleistung in einem Array zu nutzen. Zu dieser Zeit war das die größte Mikroturbinen-Anlage der Welt. Zuvor war das Methangas, das der Müll auf der Kippe erzeugte, abgesaugt und abgefackelt worden - die Abfackelung und die sich daraus ergebende Luftverschmutzung war nötig, um Gas-Ansammlungen und anschließende Explosionen zu vermeiden. Wie Robert Blue, der den Aufbau der Mikroturbinen-Anlage für das LADWP überwachte, berichtet, wurden die bestehenden Leitungen für das Methan an Gas-Kompressoren angeschlossen, die dann die Mikroturbinen versorgen.

Laut Blue kostete das Gesamtsystem vier Millionen Dollar - inklusive Mikroturbinen, Gas-Aufbereitung, zusätzlicher elektrischer Infrastruktur, einer neuen Hochspannungsleitung und einem Unterwerk. Wie LADWP-Sprecher Howard sagt, habe man gewusst, dass die Kapitalkosten für die Entwicklung bei dem Projekt höher seien als bei traditioneller Energiegewinnung. Allerdings muss das LADWP 2,895 Prozent seines Bruttoumsatzes, rund 60 Millionen Dollar, sowieso in Programme investieren, die der Öffentlichkeit zugute kommen. Dazu gehören neue und erneuerbare Energie-Technologien. Das Mikroturbinen-Projekt passte da genau: Es reduziere die Luftverschmutzung durch die Methan-Abfackelung, erzeuge Strom aus erneuerbarer Quelle und entwickele eine neue Technologie weiter, sagt Howard.

Laut Blue verhindert die Lösung, dass rund 10.000 Pfund Stickoxide pro Jahr in die Luft gelangen - was der Abgabemenge von rund 500 Autos im selben Zeitraum entspricht. 1,5 Megawatt Elektrizität würden erzeugt. Trotz der hohen Kapitalkosten seien die Einsparungen nicht zu verachten, meint Howard: "Bei den heutigen Preisen entsprechen die Energiekosten der Müllkippe einem Zehntel von dem, was Erdgas kostet."

Andere Anwendungen für Mikroturbinen kommen ebenfalls voran. So benutzt ein Baumaterialienproduzent in Kalifornien die Abwärme seiner Mikroturbinen, um seine Ziegel zu erhitzen. Ein Gussformhersteller in New York nutzt sie, um die Klimaanlage seiner Fabrik zu betreiben. Und ein Pastaproduzent in der Nähe von Rome trocknet schon seine Nudeln mit Abwärme aus Mikroturbinen.

Der nächste Schritt, vor dem die Hersteller stehen, sei es nun, standardisierte Ansätze für die Verbindung mehrerer Mikroturbinen zu schaffen, sagt Forscher Hermann vom EPRI. Wenn dies geschieht und sich größere Mikroturbinen in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln, dürften die starken Mini-Maschinen aus der Energieversorgung nicht mehr wegzudenken sein.

Von John Harney; Übersetzung: Ben Schwan. (sma)