Manta Ray - alles fliegt
In dem Namen steckt alles, was die Einrichtung ausmacht:
* Bionik: Die Wortschöpfung aus Biologie und Technik bedeutet Übertragen von Bauprinzipien aus der Pflanzen- und Tierwelt auf technische Produkte. Beliebte Beispiele sind Leichtbaumaterialien mit luftig gewachsenen Strukturen oder die raue Oberfläche der Lotusblätter, die Schmutz einfach abperlen lassen.
* Learning: Die Geburt eines mechatronischen Mantas ist keine Spaßveranstaltung, sondern harte Arbeit. Sie nimmt in der Regel rund ein Mannjahr in Anspruch, verteilt auf mehrere Köpfe mit Expertise in Biologie, Mechanik sowie Steuerungs- und Regelungstechnik. Das während der Entwicklung erworbene Know-how der interdisziplinären Teams soll helfen, Kundenwünsche der Zukunft schnell in Lösungen umzusetzen.
* Network: Keines der bisherigen Projekte entstand allein in den Arbeitsräumen von Fischers Team in Esslingen, sondern in Kooperation mit Universitäten oder anderen Firmen, darunter so renommierte Anstalten wie die Cornell University im US-Bundesstaat New York und das Massachussetts Institute of Technology, das mit nach biologischem Vorbild entwickelten Festo-Muskeln einen beweglichen Mini-Wolkenkratzer gebaut hat.
Auch den AquaPenguin hat Festo nicht allein, sondern in Zusammenarbeit mit der Berliner Firma EvoLogics GmbH konstruiert. Ebenso zahlreich sind die Kooperationen im Unternehmen selbst: Steuerungs- und Regelungstechniker, Spezialisten aus Forschung und Entwicklung, dem Produktionsmanagement, der Produktentwicklung und dem Displaybau tragen wesentlich zum Gelingen der Projekte bei.
Mal werden die Ideen für die einzelnen Projekte von Fischer zusammen mit dem Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat sowie dem Leiter der Konzernkommunikation ausgebrütet, mal bringen die Mitarbeiter von Festo Vorschläge ein, mal haben Partnerfirmen eine Idee, die sich für ein Festo-Tier eignet, oder Studenten wollen eine Abschlussarbeit machen. Manchmal steckt auch die geniale Idee eines Einzelnen dahinter – wie die von Leif Kniese von der Firma EvoLogics GmbH, einem aus dem Fachgebiet für Bionik und Evolutionstechnik der TU Berlin gegründeten Unternehmen.
Er entdeckte beim Angeln in Norwegen das Funktionsprinzip der Fischflosse und setzte es im Jahr 2000 technisch um. Wie eine Fischflosse funktioniert, ist in Worten schwer zu erklären, deshalb drückt Markus Fischer lieber ein Stück Flosse aus Kunststoff gegen seine Hand. Statt sich wegzubiegen, wie man es erwarten würde, schmiegt sich der weiße Keil an die Haut an. Mit diesem Prinzip verstärkt der Fisch den Schlag seiner Schwanzflosse, wenn er nur leicht den Körper biegt. Kniese hat dies umgesetzt, indem er im Inneren der hohlen Flosse feine Stege anbrachte, die eine S-Form erzeugen.
Dieses Prinzip nutzt Festo auch beim AquaRay, dem eleganten schwarzen Manta. Der bewegt seine Flügelflossen damit nicht nur nach oben und unten, sondern verdreht sie auch. Denn um vorwärts zu kommen, kippen echte Fische die Unterseiten ihrer Flossen bei der Aufwärtsbewegung leicht nach vorn, bei der Abwärtsbewegung leicht nach hinten. Das Prinzip, auf Druck mit Gegendruck zu reagieren, ist patentiert und wird bereits beim Vileda-Wischmopp angewandt: Je fester man den nassen Mopp in den kleinen, dem Eimer aufgesetzten Auswringkorb presst, desto stärker drücken dessen Lamellen gegen die Fasern. Die Wringleistung wird dadurch deutlich verstärkt.
Das Flossenphänomen dürfte noch in vielen weiteren Produkten zum Einsatz kommen – in der Produktionstechnik exklusiv von Festo, denn so lautet die Vereinbarung mit dem Erfinder. Was möglich ist, demonstriert Markus Fischer in einer Anlage vor seinem Büro. Auf Knopfdruck setzt sich ein Arm in Bewegung, der von drei dünnen Seilen in jede beliebige Richtung gebogen wird. Unten sitzen drei sogenannte FinGripper – elastische Finger mit eingebautem Flossenprinzip, die sich abwechselnd um drei Energiesparlampen schmiegen und diese in die Fassung in der Mitte setzen.