Produktlinien in der industriellen Softwareentwicklung

Seite 3: Scoping

Inhaltsverzeichnis

Variante aus der gleichen Produktlinie von Online-Finanzinformationssystemen: Wertpapierberater (Abb. 2)

Meist ist auch mithilfe der wiederverwendbaren Artefakte noch die Entwicklung zusätzlicher Produktbestandteile als Spezialanfertigung notwendig. Es müssen dabei nicht alle wiederverwendbaren Artefakte zwingend in allen Produkten genutzt werden, sondern sie sind relativ frei integrierbar – quasi Plug and Play auf Softwareebene.

Variante aus der gleichen Produktlinie von Online-Finanzinformationssystemen: Metallhändler (Abb. 3)

Das sogenannte Scoping, die Planung, welche Bestandteile wiederverwendbar zu implementieren sind und welche nicht, ist ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung. Entscheidend ist, tunlichst nur solche Funktionen wiederverwendbar zu machen, die später auch noch einmal zum Einsatz kommen. Denn sonst steckt man unnötige Investitionen in die Wiederverwendung. Andererseits muss man das vorhandene Wiederverwendungspotenzial ausnutzen, um einen möglichst hohen Return on Investment (ROI) zu erzielen. Das dafür verantwortliche Management muss übergreifend die gesamte Produktlinie im Blick haben und dabei die Anforderungen, die in die Applikationsentwicklung einfließen, von solchen abgrenzen, die direkt in die Domänenentwicklung eingehen. Dieser Prozess muss auch kontinuierlich im Falle von Anforderungsänderungen oder neuen Produkten durchgeführt werden.

Variante aus der Auftragserfassung: technischer Handel (Abb. 4)

Was die konkreten Resultate einer Produktlinie angeht, gibt es mittlerweile sehr viele gut dokumentierte, auch prominente Beispiele [3]. Eines ist die Produktlinie "i* ProductLine" der Market Maker Software AG. Die Software gibt es in einer Vielzahl von Varianten. Zwei Beispiele sind Arbeitsplatzsysteme für einen Wertpapierberater in einer Bank und als Spezialsystem für Metallhändler (siehe Abbildung 2 und 3). In dieser Produktlinie sind sehr große Gemeinsamkeiten in der Implementierung der Funktionsbestandteile vorhanden, jedoch sind die Oberflächen deutlich verschieden.

Variante aus der Auftragserfassung: Lebensmittelhandel (Abb. 5)

Ein weiteres Beispiel für eine Produktlinie liegt mit dem Warenwirtschaftssystem der Firma Maxess Systemhaus GmbH vor. Auch diese gibt es in einer Vielzahl von Varianten. Die Überlappungen zwischen den beiden Anwendungen erstrecken sich über alle Bereiche bis hinein in die Benutzeroberfläche, wie Screenshots der Auftragserfassung am Beispiel der Varianten für den Lebensmittelhandel und den technischen Handel zeigen (Abb. 4 und 5).