Warum Google weiter für "Stalkerware" wirbt

Seite 2: Software "nur für legale Zwecke" bestimmt

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Und es kommt noch schlimmer: Die aktuellen Google-Richtlinien bestrafen Anti-Spyware-Unternehmen. Werbeaussagen wie "Stoppen Sie Stalkerware, laden Sie unsere App herunter" werden durch das Verbot von Wörtern wie "Stalkerware" blockiert. Die Maßnahmen, die Unternehmen wie Google ergreifen, um die in ihren Netzwerken geschalteten Anzeigen zu überprüfen, sind meist oberflächlich, sagt Jan Penfrat, Senior Policy Advisor beim NGO European Digital Rights. "Sie sind oft durch Algorithmen automatisiert und funktionieren nicht sehr gut." Die Screening-Systeme arbeiten nicht richtig. "Sie machen jede Menge Fehler. Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass es ziemlich einfach ist, sie zu umgehen."

Während es in den USA gegen das Gesetz verstößt, Stalkerware ohne Zustimmung auf dem Telefon eines Erwachsenen zu installieren, ist die Vermarktung solcher Anwendungen grundsätzlich legal. Obwohl viele Unternehmen auf ihren Websites darauf hinweisen, dass ihre Software "nur für legale Zwecke" bestimmt ist, gab es eine Handvoll Verurteilungen wegen der Installation von Spionagesoftware auf den Geräten von Menschen, die davon nichts wussten.

Im September letzten Jahres hatte die Federal Trade Commission (FTC) zum ersten Mal ein Unternehmen aus der Branche mit einer Sperre belegt – wenn auch nicht wegen der Stalkerware selbst. Die Firma Support King, die auch unter dem Namen SpyFone auftrat, soll illegal private Informationen gesammelt und weitergegeben sowie dabei kaum grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen haben. Die FTC sagte, sie werde "aggressiv" gegen Überwachungsangebote vorgehen, "wenn Unternehmen und ihre Führungskräfte in ungeheuerlicher Weise in unsere Privatsphäre eindringen".

Viele Stalkerware-Apps werden als Überwachungsprogramme für Eltern verkauft, um angeblich ein Auge auf die Kinder zu haben, bieten aber die gleichen Funktionen wie Dienste, die unverhohlener darauf ausgelegt sind, Ehepartner auszuspionieren. Das meint David Ruiz, Datenschutzexperte beim Unternehmen Malwarebytes. "Es gibt eine ganze Reihe von Anwendungen, die ganz offen behaupten, sie würden 'Problem mit einem betrügerischeren Ehepartner' lösen." Das sei schlicht gefährlich.

Solche Software, die nichts anderes ist als technikgestützter Missbrauch, ist ein schnell wachsendes Problem. Nach Angaben des "Stalking Prevention Awareness and Resource Center" werden jedes Jahr rund 1,5 Millionen Amerikaner Opfer von technischer Überwachung durch (Ex-)Partner.

Die britische Organisation gegen häusliche Gewalt Refuge sieht zudem ein enormes Wachstum. Zwischen April 2020 und Mai 2021 habe es einen Anstieg der Fälle von Stalking um 97 Prozent gegeben, bei denen Technikexperten helfen mussten, sie zu erkennen und zu bekämpfen. Das eigens eingerichtete Anti-Spyware-Team des NGO sagt, dass es mit "zahllosen" Opfern zusammenarbeite, bei denen Stalkerware den Smartphones installiert wurden, um sie einzuschüchtern, zu belästigen und zu manipulieren.

"Es ist äußerst besorgniserregend zu hören, dass diese Apps direkt an Täter vermarktet werden", meint Emma Pickering, Leiterin der Abteilung bei Refuge. "Unternehmen [wie Google] müssen schnell handeln, um Anzeigen zu entfernen, die es Tätern ermöglichen, auf Tools zuzugreifen, mit denen sie die Nachrichten ihrer Partner lesen oder ihren Standort ohne deren Wissen verfolgen können." Stalking per Smartphone und Computer sei mindestens so gefährlich wie physisches Stalking.

(jle)