Wird Java jetzt kostenpflichtig?

Seite 3: Abhängigkeit von Oracle?

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Die bisherige Betrachtung beschränkt sich auf den Marktführer für Java Virtual Machines (JVM), doch neben Oracle mit dem Oracle JDK beziehungsweise Oracle JRE bieten noch andere Anbieter Laufzeitumgebungen für Java an. Diese Konkurrenzprodukte nutzen allesamt das OpenJDK als Basis.

Das OpenJDK ist der Open-Source-Teil von Java, der auch von Oracle bereitgestellt und in dessen Produkten zum Einsatz kommt. Das OpenJDK enthält alle Bestandteile des Oracle JDKs, um eine Laufzeitumgebung für Java bereitzustellen. Deshalb wird das OpenJDK schon seit längerem in anderen Open-Source-Projekten wie Linux verwendet. Im Vergleich zum Oracle JDK fehlen nur wenige Oracle-spezifische Tools wie etwa der "Java Flight Recorder".

Die Releases von OpenJDK stehen kostenlos zum Download parat. Der Releasezyklus von OpenJDK entspricht ungefähr dem von Oracle vorgegebenen Zyklus. Ein entscheidender Vorteil von OpenJDK wird in Zukunft sein, dass der kostenlose Support für LTS-Versionen deutlich länger läuft als die von Oracle gewährten sechs Monate.

Das OpenJDK-Projekt bietet kostenlosen Support für Java 11 bis September 2022 an. Oracle wird hingegen für Java 11 bis September 2026 Support gewähren – allerdings nur im Rahmen eines kostenpflichtigen Vertrags. Weitere Informationen zu den geplanten Releases und deren Support sind auf der Seite von OpenJDK zu finden.

Im Zuge der Releaseumstellung von Oracle dürfte sowohl der Bedarf an kommerziellem Support für einzelne Java-Versionen als auch der Markt dafür wachsen. Unter den alternativen Anbietern von Java-Laufzeitumgebungen auf Basis des OpenJDK ist IBM ein gutes Beispiel. Der Konzern bietet ein eigenes JDK für seine Großrechner, Linux- und AIX-Systeme an. Andere Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell auf den Support und Vertrieb ihrer Version der Java-Laufzeitumgebung umgestellt – dazu zählt beispielsweise die Firma Azul.

Aktuell erscheint Azul mit dem Produkt Zulu als ein Unternehmen mit einem viel versprechenden Supportmodell für die Zukunft von Java. Azul bietet zum Einen ein Jahr längeren Support für die LTS-Versionen und schafft zum Anderen einen Kompromiss zwischen den sehr großen LTS-Versionssprüngen und den kurzen halbjährlichen Releasewechseln. Dazu führt Azul die sogenannten Medium-Term-Support-Versionen (MTS) ein, die für jede zweite Java-Version kommerziellen Support von Azul bieten (s. Abb. 3). Die Laufzeiten der MTS-Versionen sind gestaffelt. Azul versucht damit ausreichend Support für eine Migration zur nächsten Version bereitzustellen.

Geplanter Release- und Supportzyklus von Azul (Abb. 3)

Azul positioniert Zulu hauptsächlich als serverseitige Java-Laufzeitumgebung und verzichtet deshalb auf speziellen Support für Java auf dem Desktop. In Tabelle 3 sind die Preise für den Standard- und den Premium-Support (steht rund um die Uhr zur Verfügung) von Azul ersichtlich. Bei diesem Modell ist die Anzahl der Systeme deutlich einfacher definiert als bei Oracle. Ein System kann ein physischer Server, eine VM, ein Container oder ein Desktop sein. Weiterführende Informationen finden sich auf der Homepage von Azul.

Anzahl Systeme Standard-Support (pro Jahr) Premium-Support (pro Jahr )
1-25 $12.000 wird nicht angeboten
16-100 $28.750 $34,500
101-1000 $86.250 $103,500
unbegrenzt $258.750 $310,500
Tabelle 3: Kommerzielles Supportmodell von Azul

Zur UnterstĂĽtzung der eigenen Hardware bietet IBM native JDK-Versionen fĂĽr AIX, Linux, z/OS und IBM i. Diese Versionen stehen kostenlos zum Download parat. FĂĽr Java 7 und 8 liefert IBM weiterhin Sicherheitsupdates und Bugfixes. WeiterfĂĽhrender kommerzieller Support steht fĂĽr Java-Laufzeitumgebung ebenfalls zur VerfĂĽgung.

Bisher hat IBM noch kein Ende der Laufzeit fĂĽr die UnterstĂĽtzung von Java 8 bekanntgegeben, aber fĂĽr Java 7 endet sie im September 2019. DarĂĽber hinaus hat IBM angekĂĽndigt, bei dem neuen Releasezyklus von Oracle nicht mehr jede Version von Java zu unterstĂĽtzen. Das Unternehmen will sich auf das Anbieten der LTS-Versionen konzentrieren. WeiterfĂĽhrende Informationen finden sich auf der Webseite des Java SDK von IBM.

In Red Hat Enterprise Linux 7 unterstützt Red Hat aktuell das OpenJDK 8 und verspricht Support bis 2020. Ähnlich wie IBM will auch Red Hat Java 9 sowie Java 10 überspringen. Die nächste Version in RHEL wird daher OpenJDK 11 sein. Weiterführende Informationen finden sich auf der Webseite von Red Hat.