Better Ads: Chrome soll Unterbrecherwerbung in Videos blocken
Werbung in Videos wird im Chrome-Browser stÀrker reglementiert.
(Bild: SFIO CRACHO/Shutterstock.com)
Neue QualitÀts-Standards sollen besonders nervige Video-Werbung stoppen. Ab August soll Chrome die Werbung von Websites blocken, die nicht umstellen.
Die Coalition for Better Ads fĂŒhrt neue Werberegeln fĂŒr Online-Videos ein. KĂŒnftig sollen insbesondere zu lange WerbevorspĂ€nne bei Kurzvideos verschwinden.
Wer weiter auf die ungeliebte Werbeform setzt, muss mit Konsequenzen rechnen: Chrome soll ab August jede Werbung auf Websites blockieren, die gegen die neuen Regeln verstoĂen. Betroffen sind aber nur relativ kurze Videos.
Stoppen oder blocken
Die Coalition for Better Ads war 2016 auf Initiative von Google mit dem Ziel entstanden, die Verbreitung von Adblockern einzudĂ€mmen [1]. Zu diesem Zweck sollen Werbeformen vom Markt verdrĂ€ngt werden, die Nutzer am ehesten zur Installation eines Werbefilters motivieren. Obwohl Google mit einigem Widerstand zu kĂ€mpfen hatte, konnte der Konzern schlieĂlich eine Allianz der wichtigsten Unternehmen im GeschĂ€ft mit Online-Werbung in der Koalition vereinen.
Den neuen Regeln war eine Befragung von 45.000 Nutzern in acht LĂ€ndern vorausgegangen. Die jetzigen Regeln sind die erste Ausweitung der Werbestandards, die sich zunĂ€chst auf die BekĂ€mpfung von Popups und Autoplay-Videos beschrĂ€nkt hatten. Neu verboten sind insgesamt drei Werbeformen: Zum einen darf Vorspann-Werbung nicht lĂ€nger als 31 Sekunden dauern, wenn Nutzer sie nicht innerhalb der ersten fĂŒnf Sekunden ĂŒberspringen können. Als Zweites wird Unterbrecherwerbung jeder LĂ€nge untersagt. Drittens dĂŒrfen auch keine Grafiken oder Texte ĂŒber den Videoplayer gelegt werden, wenn diese zu sehr in der Mitte erscheinen oder mehr als 20 Prozent des Videos verdecken.
Nur Kurzvideos betroffen
Diese Regeln gelten allerdings nur fĂŒr relativ kurze Videos mit maximal acht Minuten LĂ€nge, die im Browser abgespielt werden. LĂ€ngere Videos dĂŒrfen auch weiterhin unterbrochen werden. Die BeschrĂ€nkungen gelten auch nicht fĂŒr Over-the-top-Angebote (OTT), also etwa fĂŒr Apps, die auf einem SmartTV installiert sind.
Wie bei der EinfĂŒhrung des "Adfilters" in Chrome rĂ€umt Google Werbetreibenden und Werbedienstleistern eine Ăbergangszeit von vier Monaten ein, in denen sie sich auf die neuen Regeln einstellen können. Danach erfasst Google VerstöĂe gegen die Better-Ads-Standards und benachrichtigt Websites, die gegen die Regeln verstoĂen. Wie man selbst abgeschnitten hat, erfahren Website-Betreiber in den Webmasters Tools von Google, die auch einen "Ad Experience Report" enthalten.
Warme Worte der Industrieallianz
Am 5. August lĂ€uft die Frist zur Nachbesserung ab. Wer trotz Warnung weiterhin auf zu lange Introwerbung setzt, wird abgestraft, indem Chrome schlichtweg jede Werbung auf der entsprechenden Website blockt, nicht nur die unzulĂ€ssige Videowerbung. Da Chrome in vielen WerbemĂ€rkten der verbreitetste Browser ist, wĂ€re dies wohl mit groĂen Einnahmeverlusten verbunden. Der Blockade könnten sich auch weitere Browser anschlieĂen. So hatte die Industrieorganisation Ende 2019 bekanntgegeben, dass sich auch Microsoft mit dem neu aufgelegten Browser Edge [2] den Zielen der Coalition for Better Ads verpflichtet habe.
Zum Start der neuen Regeln hat die Coalition for Better Ads breite UnterstĂŒtzung von allen Seiten der Werbebranche eingeholt. So betont etwas Serge Heitmann von der Axel Springer-Tochter Media Impact, dass das Verbot der Werbeformen ganz den BemĂŒhungen des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) nach höherer QualitĂ€t in der Werbung entspreche. "Das Ziel der Digital Marketing Quality-Fokusgruppe ist es, durch Transparenz und Standards gegenseitiges Vertrauen und Achtung sowohl auf Seiten der Nutzer als auch der Werber zu schaffen", erklĂ€rt Heitmann. Google gelobt unterdessen, sich selbst nicht zu bevorzugen: So werde auch YouTube nach den gleichen Regeln wie alle anderen beurteilt, betont der Konzern.
Adblock Plus grÀtscht in YouTube-Werbung
Aber auch die Hersteller von Adblockern haben die Videowerbung fĂŒr sich entdeckt. So hat der Kölner Hersteller Eyeo mitgeteilt, dass die neue Version des Adblock Browsers fĂŒr Android ab Mittwoch auch einen YouTube-Modus enthĂ€lt, der es erlaubt, alle Links auf die Videoplattform direkt im Browser statt in der YouTube-App zu öffnen. Somit wird alle Werbung, die nicht im Video selbst enthalten ist, durch den eingebauten Adblocker ausgeblendet â egal ob sie sich an die Standards der Coalition hĂ€lt oder nicht. (olb [3])
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[1] https://www.heise.de/news/dmexco-Coalition-for-better-ads-will-Adblocker-ueberfluessig-machen-3324505.html
[2] https://www.heise.de/news/Der-neue-Edge-mit-Chromium-fuer-Windows-10-kommt-jetzt-als-Windows-Update-4636822.html
[3] mailto:olb@heise.de
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