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Bundesbehörden handhaben Informationsfreiheit zunehmend restriktiv

Stefan Krempl

Die Zahl der AntrĂ€ge auf Akteneinsicht bei der Bundesverwaltung gemĂ€ĂŸ Informationsfreiheitsgesetz ist 2008 zwar wieder leicht auf 1548 AntrĂ€ge gestiegen, mehr als verdoppelt hat sich aber die Zahl der Ablehnungen.

Die Bilanz der Bundesregierung zur Nutzung des Informationsfreiheitsgesetzes [1] (IFG) des Bundes fĂ€llt auch in diesem Jahr wieder zwiespĂ€ltig aus. Wie aus einer heise online vorliegenden Antwort des federfĂŒhrenden Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der GrĂŒnen im Bundestag [2] hervorgeht, ist die Zahl der Anfragen auf Akteneinsicht 2008 zwar wieder leicht auf 1548 AntrĂ€ge gestiegen. Im Jahr zuvor [3] gab es nur 1265 Anfragen nach 2278 Eingaben 2006. Zugleich hat sich aber die Zahl der Ablehnungen von AntrĂ€gen auf Informationszugang von 247 im Jahre 2007 auf 536 FĂ€lle im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Die Menge der vollstĂ€ndig beantworteten Anfragen ging im gleichen Zeitraum von 681 auf 618 zurĂŒck. Bei den unvollstĂ€ndig beantworteten AntrĂ€gen stieg die Zahl wiederum vom 128 auf 193.

Diese Entwicklung ist laut Silke Stokar [4], innenpolitische Sprecherin der Fraktion der GrĂŒnen im Bundestag, "von der Bundesregierung gewollt". Sie zeige, "dass die große Koalition dem Gesetz die Luft abdrehen will". Immer kleinlichere VerfahrenshĂŒrden und ein wachsender Unwille, das Gesetz zu befolgen, seien nicht lĂ€nger hinnehmbar. Ins Bild passe dabei auch, dass die Bundesregierung sich nicht einmal dazu durchringen könne, den Bundesrat dabei zu stoppen, eine Sperre sĂ€mtlicher Informationen aus dem Bereich der Finanz-, Wertpapier- und Versicherungsaufsicht in das Gesetz zu schreiben, verweist die Innenexpertin auf den jĂŒngsten Vorstoß [5] der LĂ€nder zur EinschrĂ€nkung der Informationsfreiheit.

"Die Bundesregierung tut alles, das Gesetz lahm zu legen und die BĂŒrger davon abzuschrecken, ihr Fragerecht zu nutzen", empört sich Stokar weiter. Dementsprechend sehe Berlin auch keine Veranlassung, verstĂ€rkt fĂŒr das Gesetz zu werben und die Internetseiten der öffentlichen Stellen so zu gestalten, dass die Menschen ĂŒber ihre Rechte aufgeklĂ€rt werden.

Aus der Antwort der Bundesregierung geht auch hervor, dass BĂŒrger 2008 in 85 FĂ€llen bei den Bundesministerien und deren nachgeordneten Behörden Widerspruch gegen Entscheidungen ĂŒber AntrĂ€ge auf Informationszugang eingelegt haben. Aber nur in drei FĂ€llen sei der erneuten Eingabe vollstĂ€ndig, in 16 FĂ€llen teilweise abgeholfen worden. 37 FĂ€lle seien noch nicht abgeschlossen. Zudem seien 22 Klagen anhĂ€ngig, wĂ€hrend zweien bereits stattgegeben, ebenfalls zwei sich auf sonstige Weise erledigt hĂ€tten und eine abgewiesen worden sei. Ferner hĂ€tten enttĂ€uschte BĂŒrger den Bundesbeauftragten fĂŒr die Informationsfreiheit nach dessen Angaben im vergangenen Jahr in 133 FĂ€llen als Vermittler angerufen. Davon richteten sich dem Papier zufolge 83 Eingaben konkret gegen einen ablehnenden Bescheid einer öffentliche Stelle des Bundes. Die Mehrzahl dieser FĂ€lle sei noch nicht abgeschlossen wegen unterschiedlicher Rechtsauffassungen. In etwa der HĂ€lfte der erledigten Angelegenheiten habe der Beauftragte festgestellt, dass der Informationszugang zurecht abgelehnt worden war. In fast allen anderen FĂ€llen sei die Akteneinsicht schließlich ganz oder teilweise gewĂ€hrt worden.

Zu den fĂŒr die BĂŒrger entstandenen Kosten hĂ€lt das Innenministerium fest, dass die von AntrĂ€gen betroffenen Verwaltungsstellen 109 Mal eine GebĂŒhr fĂŒr die GewĂ€hrung des Informationszugangs erhoben hĂ€tten. Die Höhe habe in 39 FĂ€llen bei bis zu 50 Euro, in 24 FĂ€llen bis zu 100 Euro und in 46 FĂ€llen sogar mehr als 100 Euro betragen. Die Behörden hĂ€tten weiter in 63 FĂ€llen die Erstattung von Auslagen verlangt, davon in 21 FĂ€llen mehr als zehn Euro. Ob sich WidersprĂŒche lediglich gegen den Kostenbescheid richten, erhebt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht. Generell habe es keine besonders hĂ€ufig genannten oder zu verallgemeinernde GrĂŒnde fĂŒr die Ablehnung von Anfragen gegeben.

Zur Informationsfreiheit in Deutschland siehe auch:

(Stefan Krempl) / (jk [51])


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[1] https://www.heise.de/news/Bundestag-verabschiedet-Informationsfreiheitsgesetz-107524.html
[2] http://www.gruene-bundestag.de/cms/default/rubrik/0/1.html
[3] https://www.heise.de/news/Zahl-der-Antraege-auf-Akteneinsicht-bei-der-Bundesverwaltung-bricht-ein-177549.html
[4] http://www.stokar.de/
[5] https://www.heise.de/news/Bundesrat-will-Informationsfreiheit-im-Finanzsektor-deutlich-einschraenken-197683.html
[6] https://www.heise.de/news/Protest-gegen-weitere-Einschraenkung-der-Informationsfreiheit-202435.html
[7] https://www.heise.de/news/Bundesrat-will-Informationsfreiheit-im-Finanzsektor-deutlich-einschraenken-197683.html
[8] https://www.heise.de/news/Zugang-zu-Daten-der-oeffentlichen-Verwaltung-soll-einfacher-werden-219460.html
[9] https://www.heise.de/news/Sachsen-Anhalts-Informationsfreiheitsgesetz-kein-Ansturm-auf-Behoerdenakten-214862.html
[10] https://www.heise.de/news/Buergerrechtler-fordern-Wahrung-der-Informationsfreiheit-im-EU-Telecom-Paket-207260.html
[11] https://www.heise.de/news/Gruene-wollen-Datenschutz-im-Grundgesetz-festschreiben-214773.html
[12] https://www.heise.de/news/Buergerrechtler-EU-Kommission-will-Informationsfreiheit-einschraenken-204037.html
[13] https://www.heise.de/news/Beschwerdestatistik-zum-Informationsfreiheitsgesetz-des-Bundes-197417.html
[14] https://www.heise.de/news/Zehn-Jahre-gesetzliche-Informationsfreiheit-in-deutschen-Landen-191559.html
[15] https://www.heise.de/news/Zahl-der-Antraege-auf-Akteneinsicht-bei-der-Bundesverwaltung-bricht-ein-177549.html
[16] https://www.heise.de/news/Studie-zur-Abfrage-von-Verbindungsdaten-bleibt-unter-Verschluss-172350.html
[17] https://www.heise.de/news/SPD-will-Grundrecht-auf-Informationsfreiheit-im-Internet-einfuehren-196880.html
[18] https://www.heise.de/news/Wahlcomputer-und-die-Grenzen-der-Informationsfreiheit-186395.html
[19] https://www.heise.de/news/Ein-Jahr-Informationsfreiheitsgesetz-in-Mecklenburg-Vorpommern-157359.html
[20] https://www.heise.de/news/Thueringen-und-Bayern-beharren-auf-Amtsgeheimnis-154313.html
[21] https://www.heise.de/news/Sachsen-Anhalt-soll-Informationsfreiheitsgesetz-bekommen-150565.html
[22] https://www.heise.de/news/Informationsfreiheitsbeauftragte-mahnen-blockadefreies-Informieren-an-138860.html
[23] https://www.heise.de/news/Grosse-Koalition-lehnt-Kostenreduzierung-fuer-die-Informationsfreiheit-ab-154654.html
[24] https://www.heise.de/news/Bundestagsverwaltung-weist-Akteneinsichtswunsch-von-Transparency-zurueck-148634.html
[25] https://www.heise.de/news/Rechtsprofessor-Informationsfreiheit-soll-ins-Grundgesetz-141206.html
[26] https://www.heise.de/news/Statistische-Bilanz-zum-Informationsfreiheitsgesetz-veroeffentlicht-134682.html
[27] https://www.heise.de/news/Beauftragter-fuer-Informationsfreiheit-fordert-mehr-Transparenz-130281.html
[28] https://www.heise.de/news/Informationsfreiheit-gilt-nicht-fuer-Wowereits-Terminkalender-127382.html
[29] https://www.heise.de/news/Mecklenburg-Vorpommern-verteidigt-hohe-Kosten-fuer-Informationsfreiheit-121921.html
[30] https://www.heise.de/news/Informationsfreiheit-kann-in-Mecklenburg-Vorpommern-teuer-werden-112309.html
[31] https://www.heise.de/news/Proteste-gegen-Einschraenkung-der-Informationsfreiheit-in-Schleswig-Holstein-164573.html
[32] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-verteidigt-breite-Ausnahmen-bei-der-Informationsfreiheit-150104.html
[33] https://www.heise.de/news/Neuer-Anlauf-fuer-Informationsfreiheit-in-Thueringen-148044.html
[34] https://www.heise.de/news/Verwaltungen-in-Bremen-und-Hamburg-werden-transparenter-148082.html
[35] https://www.heise.de/news/Informationsfreiheit-auch-fuer-Mecklenburg-Vorpommern-146120.html
[36] https://www.heise.de/news/Saarland-verabschiedet-Informationsfreiheitsgesetz-142308.html
[37] https://www.heise.de/news/Sozialhilfeverein-gewinnt-im-Rechtsstreit-um-Informationsfreiheit-141230.html
[38] https://www.heise.de/news/Schleswig-Holstein-Keine-Informationsfreiheit-fuer-fiskalische-Handlungen-133187.html
[39] https://www.heise.de/news/Deutsche-Gesellschaft-fuer-Informationsfreiheit-gegruendet-128976.html
[40] https://www.heise.de/news/Innenministerium-haelt-an-hohen-Gebuehren-fuer-Akteneinsicht-fest-127425.html
[41] https://www.heise.de/news/Vertraege-zur-LKW-Maut-bleiben-geheim-126510.html
[42] https://www.heise.de/news/Mit-dem-Urheberrecht-gegen-die-Informationsfreiheit-123519.html
[43] https://www.heise.de/news/Aktensammelstelle-zum-Informationsfreiheitsgesetz-geht-online-108205.html
[44] https://www.heise.de/news/Bundestag-streitet-ueber-Kosten-fuer-Informationsfreiheit-177142.html
[45] https://www.heise.de/news/Saftige-Gebuehren-beim-Informationsfreiheitsgesetz-in-der-Kritik-163732.html
[46] https://www.heise.de/news/22C3-Grenzen-des-Informationsfreiheitsgesetzes-ausloten-161489.html
[47] https://www.heise.de/news/Informationsfreiheitsbeauftragter-Verwaltung-muss-sich-umstellen-114411.html
[48] https://www.heise.de/news/Bundesrat-gibt-gruenes-Licht-fuers-Informationsfreiheitsgesetz-114268.html
[49] https://www.heise.de/news/Bundestag-verabschiedet-Informationsfreiheitsgesetz-107524.html
[50] https://www.heise.de/news/Brandenburg-Bilanz-zum-Informationsfreiheitsgesetz-158011.html
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