CES: Selbstfahrender Audi auf dem Weg nach Vegas
Der Audi fĂ€hrt selbst: Aus dem Silicon Valley geht's ĂŒber fast 900 Kilometer nach Las Vegas.
(Bild: Audi)
Das wird ein Meilenstein fĂŒr selbstfahrende Autos: Ein Audi fĂ€hrt knapp 900 Kilometer aus dem Silicon Valley nach Las Vegas zur Technik-Messe CES. Dort stehen Roboterwagen diesmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Audi will zur Technik-Messe CES [1] mit einer fast 900 Kilometer langen Tour beweisen, dass selbstfahrende Autos bereit fĂŒr die StraĂe sind. Ein mit 20 Sensoren ausgerĂŒstetes Fahrzeug des Modells A7 mit dem Spitznamen "Jack" fĂ€hrt in zwei Tagen die Strecke vom Entwicklungslabor im kalifornischen Silicon Valley zur Messestadt Las Vegas. Bis Sonntagabend Ortszeit legte der Wagen mit US-Journalisten an Bord rund die HĂ€lfte des Weges zurĂŒck und kam bis zur kalifornischen Stadt Bakersfield, wie der Leiter von Audis Elektronik-Entwicklung, Ricky Hudi, in Las Vegas sagte.
Sensoren rundum
So ganz alleine kann der Audi die Strecke noch nicht bewĂ€ltigen, der Hersteller selbst spricht von "pilotiertem Fahren": Der A7 kann den Fahrer auf dem Highway bis zu einer Geschwindigkeit von 70 mph (rund 110 km/h) entlasten. "Jack" kann dabei Spurwechsel und ĂberholvorgĂ€nge durchfĂŒhren sowie selbsttĂ€tig beschleunigen und bremsen, wie der Hersteller erlĂ€utert. Vor dem Ausscheren nach links oder â wie in den USA erlaubt â nach rechts gleicht er sein Tempo an die Geschwindigkeit der Autos im Umfeld an. Bevor das System an seine Grenzen stöĂt, etwa in Stadtgebieten, fordert es den Fahrer aus SicherheitsgrĂŒnden auf, das Auto wieder zu ĂŒbernehmen.
In dem Testauto kommen laut Audi Sensoren zum Einsatz, die bereits in Serie gefertigt werden oder zumindest "seriennah" sind. Radarsensoren ĂŒberwachen die Bereiche vor und hinter dem Auto, zwei weitere nach links und rechts gerichtete Sensoren ergĂ€nzen die 360âGrad-Rundumsicht. Im Grill und in der HeckschĂŒrze sitzen Laserscanner, die Informationen ĂŒber statische und bewegte Objekte liefern. Eine hochauflösende 3D-Videokamera blickt nach vorne, vier kleine Kameras an der Front und am Heck beobachten die nahe Umgebung. FĂŒr die generelle Orientierung sorgen Navigationsdaten.
Die Volkswagen-Tochter hatte bereits auf der vergangenen CES Anfang 2014 einen automatisierten Audi durch Las Vegas fahren lassen [10] und lieĂ vor wenigen Monaten einen autonomen Sportwagen mit 240 Kilometern pro Stunde ĂŒber eine Formel-1-Strecke flitzen. Die jetzige Fernfahrt ist jedoch ein Meilenstein fĂŒr die Entwicklung selbstfahrender Autos. Auch die anderen groĂen Hersteller wie Daimler oder Nissan sowie der Internet-Riese Google [11] arbeiten an Roboterwagen, die nach BranchenschĂ€tzungen bis 2020 oder "nicht vor 2030" [12] regulĂ€r auf die StraĂe kommen könnten.
Smart Car im Fokus
Selbstfahrende und vernetzte Autos stehen dieses Mal noch stĂ€rker im Fokus der Elektronik-Show, vor allem deutsche Autohersteller drĂ€ngen sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Grafik-Spezialist Nvidia bot zum Auftakt der Messe einen Blick hinter die Kulissen. Die US-Firma, die unter anderem eng mit Audi zusammenarbeitet, zeigte einen Computer, der besonders schnell und prĂ€zise Objekte in seiner Umgebung erkennen soll. Das System "Nvidia Drive" [13] unterscheide zum Beispiel zwischen FuĂgĂ€ngern und Radfahrern und könne auch einzelne Automodelle auseinander halten, sagte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang. "Das Auto der Zukunft wird von Software bestimmt", betonte er.
Der Autocomputer ist dafĂŒr mit reichlich Rechenleistung ausgestattet und kann gleichzeitig Bilder von bis zu zwölf Kameras verarbeiten. Die Erkennung der Umwelt gilt als eine SchlĂŒssel-Funktion, damit selbstfahrende Autos den Weg in den Alltag finden können. Nvidia spricht von "neuralen Netzen", die sich bei der Auswertung der Bildinformationen an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns orientierten. Was ein Auto dazulernt, wird auch an andere ĂŒbertragen. Nvidia demonstrierte auch, wie mit nur vier Kameras, die ein komplettes Panorama-Bild liefern, das automatische Einparken in einem Parkhaus funktionieren kann.
Roboter-Autos mischen sich in den Verkehr (0 Bilder) [14]
Parrot im Auto
Nicht alles dreht sich aber in Las Vegas um selbstfahrende Autos. So zeigte die Opel-Mutter General Motors am Sonntag statt eines Roboterwagens die nĂ€chste Generation des Elektromobils Chevrolet Volt, zunĂ€chst aber ohne nĂ€here Details. Der französische Elektronik-Anbieter Parrot prĂ€sentierte einen Bordcomputer im Autoradio, der auch aktuelle Autos smart machen soll. Das GerĂ€t mit dem Namen RNB6 kann Apps von iPhones und Android-Smartphones auf seinen Bildschirm bringen. AuĂerdem kann daran eine Cockpit-Kamera angeschlossen werden, die Daten fĂŒr Fahrassistenz-Systeme liefern soll. Parrot mĂŒsse mit dem Konzept allerdings gegen eine harte Konkurrenz von klassischen Autozulieferern antreten, rĂ€umte Parrot-GrĂŒnder Henri Seydoux ein.
Update 13:30 Uhr: Technische Details des Fahrzeugs und der Funktionsweise ergÀnzt. (vbr [16])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2508434
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/thema/CES
[2] https://www.heise.de/ct/ausgabe/2017-20-Die-Zukunft-des-Autos-3827234.html
[3] https://www.heise.de/news/Ethik-bei-autonomen-Autos-und-das-Trolley-Problem-Was-tut-der-Weichensteller-3766885.html
[4] https://www.heise.de/news/Ethik-Kommission-Keine-Loesung-fuer-echte-dilemmatische-Situationen-beim-autonomen-Fahren-3749184.html
[5] https://www.heise.de/news/Wie-sag-ich-s-ihm-Selbstfahrende-Autos-wollen-verstanden-werden-3272546.html
[6] https://www.heise.de/news/Roboterethik-Das-selbstfahrende-Auto-und-seine-Opfer-3068704.html
[7] https://www.heise.de/news/Autonome-Autos-Was-ist-eigentlich-ein-autonomes-Fahrzeug-2766598.html
[8] https://www.heise.de/news/Sieben-Hindernisse-auf-dem-Weg-zum-autonomen-Auto-2764294.html
[9] https://www.heise.de/news/Silicon-Valley-vs-Michigan-Wettstreit-der-Auto-Ideologien-2762096.html
[10] https://www.heise.de/news/Audi-und-BMW-automatisieren-das-Auto-2076764.html
[11] https://www.heise.de/news/Selbstfahrendes-Auto-Google-enthuellt-ersten-richtigen-Prototypen-2506026.html
[12] https://www.heise.de/news/Experten-Autonome-Fahrzeuge-nicht-vor-2030-2283072.html
[13] https://www.heise.de/news/CES-Nvidia-stellt-Bilderkennung-fuers-Auto-vor-2508145.html
[14] https://www.heise.de/bilderstrecke/1237454.html?back=2508434;back=2508434
[15] https://www.heise.de/bilderstrecke/1237454.html?back=2508434;back=2508434
[16] mailto:vbr@heise.de
Copyright © 2015 Heise Medien