Erfahrungswerte: Der Reiz der Kleinen – Panasonic Lumix GF1

Seite 3: Einblick oder Durchblick

Inhaltsverzeichnis

Etwas umstritten ist das (Kein-)Sucher-Konzept der GF1. In der Grundausstattung steht zur Bildkomposition nur das Display an der RĂĽckseite zur VerfĂĽgung und es gibt Klagen, dass es bei hellem Umgebungslicht zu schlecht ablesbar sei. Nachdem ich aber eine entspiegelte Vikuiti ARMR200 Displayschutzfolie aufgebracht hatte, konnte ich diesen Vorwurf nicht mehr nachvollziehen. Allerdings scheint die Herbstsonne bei uns im Norden auch nicht mehr gar so sehr hell.

Ich habe mich jedenfalls nach einigen nutzlosen Versuchen, die Kamera ans Auge zu führen, an das Display als Sucher gewöhnt -- so wie Millionen von Kompaktkamera-Nutzern ja auch. Manch DSLR-Besitzer wird es schon ahnen: Erschütternde Spiegelmechaniken und schwergewichtige Pentaprismen wirken im Live-View-Zeitalter schon etwas fossil.

Die Rollei 35 S ist ein 35 Jahre alter Kompromiss zwischen Größe und Abbildungsleistung. Leider fotografiert sie auf Film, sodass der Weg zum digitalen Bild beschwerlich und teuer ist. Die Lumix GF1 ist ein ähnlicher Kompromiss in Digital, der nicht nur Vorteile bringt, sondern auch ein paar Einschränkungen.

Wer partout seine Kreativität durch ein kleines Loch zwängen will oder sein Gesicht beim Fotografieren lieber hinter der Kamera versteckt, bekommt ja von Panasonic einen abnehmbaren elektronischen Sucher, der sogar hochgeklappt werden kann. Er hat aber eine niedrige Auflösung und ist (wie leider vieles im Zubehörprogramm von Panasonic) recht teuer. Eine Alternative für das 1:1,7/20 wäre der helle optischen 40-mm-Sucher von Voigtländer, der aber beim Scharfstellen gar keine Hilfe ist.

Apropos klarer Durchblick: Sich diesen mit dem Handbuch der GF1 zu verschaffen, ist sehr mühsam. Es ist thematisch schlecht sortiert. So findet man beispielsweise die Informationen zum Autofokus auf mindestens drei Stellen verteilt. Hinzu kommt dann noch eine für den Filmmodus, den ich hier wegen mangelnder Erfahrung damit unerwähnt lasse. Da dem Handbuch ein Stichwortregister fehlt, muss man darin viel blättern und suchen.

Auch in die Menüs der Kamera arbeite ich mich nur allmählich ein. Die Schrift ist erfreulich groß, doch dadurch verteilen sich die Einträge auf viele Unterseiten. Wenig hilfreich ist "Mein-Menü", wo die letzten fünf der angewählten Funktionen abgelegt sind. Denn solange man viel mit der Kamera herumprobiert, funktioniert dies kaum besser als das eigene Kurzzeitgedächtnis. Es wäre sinnvoll, wenn man es einmal mit den wichtigsten Funktionen befüllen und dann vor weiteren Neuzugängen schützen könnte.

Ich habe jedenfalls mit meiner neuen GF1 mehr Probleme, als seinerzeit beim Umstieg von der Canon 5D auf die Nikon D300. Immerhin sind die Bedienelemente übersichtlich und griffgünstig angeordnet und sinnvoll belegt. Sie erlauben außerdem den direkten Zugriff auf viele wichtige Funktionen. Und das Drehrad, das auf Druck seine Funktion ändert, ist eine prima Idee, um den Platz für ein zweites zu sparen.

Die Leistung des eingebauten Blitzes reicht für normale Wohnräume; im Freien oder in Sälen bleibt hingegen einiges im Dunkeln. Da die Lichtabgabe regelbar ist, eignet er sich ganz prima zum Aufhellen und verdient der Kamera damit einen klaren Pluspunkt. Ihr Autofokus-Hilfslicht aktiviert die GF1 erfreulicherweise erst, wenn es wirklich schon ganz düster ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Schönheitsfehler