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Größter deutscher Videospiele-Entwickler droht mit Wegzug

Sollte es in Deutschland zu einem Herstellungsverbot für "Killerspiele" kommen, würde Crytek ins Ausland gehen.

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Der größte deutsche Videospiele-Entwickler Crytek droht mit dem Weggang ins Ausland, sollte es zu einem Herstellungsverbot von sogenannten Killerspielen kommen. "Wir würden Deutschland verlassen", sagte Firmenmitgründer Avni Yerli gegenüber Welt online vor Beginn der Leipziger Branchenmesse Games Convention (23. bis 26. August).

Die Innenministerkonferenz (IMK) der Länder hatte sich Ende Mai erstmals einstimmig für ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot gewalttätiger Computerspiele ausgesprochen. Das federführende Bundesfamilienministerium arbeitet derzeit allerdings an einem weniger drastischen Jugendschutz-Gesetzentwurf. Statt wie bislang "gewaltverherrlichende" Spiele sollen künftig auch "gewaltbeherrschte" Spiele durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert werden. Diese dürften dann nicht mehr beworben und an Jugendliche verkauft werden.

Crytek hat bereit konkrete Ausweichpläne. "Budapest ist eine schöne Stadt. Dort haben wir schon eine Niederlassung", meinte Yerli. Zudem würden regelmäßig Wirtschaftsministerien aus anderen Ländern anklopfen. "Vor allem England, Schottland, Österreich und Singapur sind sehr aktiv."

Videospiele gelten als wichtige Zukunftsbranche. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC, die Welt online vorliegt, wird der Markt von 31,6 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 48,9 Milliarden Dollar bis 2011 wachsen. Vor allem England und Frankreich hatten einheimische Unternehmen deswegen zuletzt stark gefördert. Durch einen Wegzug von Crytek würde Deutschland den Anschluss an die Weltspitze verlieren, da es derzeit kein weiteres, international wettbewerbsfähiges Spielestudio gibt.

Bekannt geworden war Crytek durch den Ego-Shooter Far Cry, in dem feindliche Söldner getötet werden müssen. Davon verkaufte das Unternehmen 2,5 Millionen Exemplare zu je rund 45 Euro. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte die erste Far-Cry-Version auf ihre Schwarze Liste gesetzt. Crytek entschärfte das Spiel daraufhin. Auf der Games Convention wird Crytek diese Woche seinen neuen Ego-Shooter Crysis vorstellen. Das Entwicklungsbudget wird mit mehr als 16 Millionen Euro angegeben. Das Frankfurter Unternehmen beschäftigt rund 130 Mitarbeiter aus 27 Ländern.

Siehe dazu auch den Online-Artikel in c't-Hintergrund zur bisherigen Berichterstattung über die Diskussion um das Jugendmedienschutzrecht, Gewaltspiele, Verbotsforderungen und Beschränkungen für Jugendliche bei Spielen:

(anw)