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IBM schlägt datenschutzgerechte RFID-Chips vor

Big Blue hat auf der CeBIT drei Vorschläge für ein RFID-Chip-Design präsentiert, die vom Konsumenten einfach "enthauptet" werden können.

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Detlef Borchers

Nach Einschätzung von IBM werden RFID-Chips spätestens in fünf Jahren auf hochwertigen Waren auftauchen, die von Konsumenten gekauft werden. Damit stelle sich für jedes Unternehmen die Frage, wie ernst es den Datenschutz seiner Kunden nehme, so Kurt Rindle von der Retail + Distribution Sector Group der IBM. Aus diesem Grunde hat die IBM-Gruppe für Sicherheit und Datenschutz drei Vorschläge für ein RFID-Chip-Design entwickelt, die vom Konsumenten einfach "enthauptet" werden können. In einer Pressekonferenz stellte IBM seine Vorschläge im Detail vor.

Die von IBM so bezeichneten Clipped Tags sind RFID-Etiketten, die es dem Konsumenten ermöglichen, die Etiketten mechanisch zu verändern und damit die Lesegeräte daran zu hindern, die Daten auszulesen. Technisch wird nur die Antenne des RFID-Chips zerstört, der voll funktionsfähig bleibt. Er kann mit einer Zusatzantenne wieder reaktiviert werden, wenn die Ware zur Reparatur eingeschickt und rückverfolgbar sein muss. Für die Zerstörung des Antennenkontaktes schlägt IBM drei Verfahren vor, die allesamt zur Patentierung anstehen: das "Rubbeln auf dem Etikett", das Wegknicken einer vorperforierten Bruchstelle oder das Wegnehmen einer abziehbaren Folie. Sollte sich das zuständige Gremium EPCglobal die Vorschläge zu Eigen machen, werde IBM auf seine Patente verzichten. gegenüber dem von EPCGlobal entwickelten Kill-Command, der den Chip selbst zerstöre, hätten die IBM-Vorschläge den Vorteil, dass der Verbraucher nachvollziehen könne, ob das Etikett tatsächlich deaktiviert sei, so Rindle.

IBM stellt keine Chips her, sondern hat mit dem IBM RFIS Premises Server und der IBM WebSphere RFID Device Infrastructure zwei Lösungen für das Supply Chain Management im Markt. Mit einer RFID-gestützten Asset Tracking-Lösung für Ölraffinerien und Chemiewerke ist IBM außerdem in Sicherheitstechnik aktiv. Zum Monatsanfang hatte IBM in Dublin ein 15.000 Quadratmeter großes RFID-Testcenter eröffnet. Sollten die Vorschläge von IBM von einem Chip-Hersteller wie Infineon oder Philips angenommen werden, so dürften entsprechende Chips schnell vom Handel nachgefragt werden, gab sich Rindle überzeugt, denn die Chips seien in der Herstellung nicht teurer als normale RFID-Tags. Gleichzeitig bräuchte der Handel nicht in Geräte zur Chip-Deaktivierung investieren. Auch das Argument des Diebstahlsschutzes sei wichtig: Weil Clipped Tags einfach visuell kontrollierbar seien, werde es Langfingern schwer gemacht, mit enthaupteten Chips die Scannerkassen zu passieren.

Zum Thema RFID auf der CeBIT siehe auch:

(Detlef Borchers) / (anw)