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IFA 2015: 3D-Kekse, 3D-Scanner und Kampfroboter

Die taiwanesische Firma xyzPrinting ist immer für eine Überraschung gut: Kaum hat man sich an ihre billigen 3D-Drucker gewöhnt, bricht sie auf der IFA mit NAS-Geräten und Fitnesstrackern aus ihrem Stammrevier aus.

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IFA 2015: 3D-Drucker-Hersteller xyzPrinting

Der taiwanesische 3D-Drucker-Hersteller xyzPrinting hat sich auf der IFA ganz auf sein Gastland eingestellt – mit 3D-gedruckten Figuren aus Grimms Märchen, dazwischen Brandenburger Tor und Berliner Bären. 

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Wo der Massenmarkt zuhause ist, ist der taiwanesische 3D-Drucker-Hersteller xyzPrinting nicht weit. Und so wundert nicht, dass die Firma auf der diesjährigen IFA 2015 wieder vertreten ist, allenfalls kann man über die Größe des Stands (Halle 11.2, 109) staunen – oder über das Produkt-Portfolio des Herstellers, das sich in etwas unerwartete Richtungen entwickelt.

IFA 2015: 3D-Drucker und mehr von xyzPrinting (16 Bilder)

Der große Stand des taiwanesischen Herstellers xyzPrinting ist in Halle 11.2 der IFA nicht zu übersehen (Stand 109).

Doch zuerst zum Kerngeschäft: Der da Vinci 1.0 mit einem Extruder ist nach wie vor der Standard-3D-Drucker des Herstellers. Jetzt gibt es ihn in einer Pro-Version, die sich über WLAN steuern lässt und die vor allem beliebiges 1,75-mm-Filament verarbeitet – die Vorgänger druckten nur mit Material aus proprietären Kartuschen. Der beheizte Drucktisch besteht jetzt aus Aluminium. Die Standardausführung des Pro kostet 700 Euro. Die erweiterte Variante 3-in-1 beherbergt im voluminösen Gehäuse nicht nur einen integrierten 3D-Scanner (wie auch schon der Vorgänger da Vinci 1.0 AiO), sondern auch einen Lasergravierer. Die Laserdiode bringt maximal 500 mW und eignet sich damit kaum zum Zuschneiden von Material, immerhin brennt sie dekorative Bilder auf maximal 15 cm im Quadrat messende Kork- und Kartonstücke. Der Pro 3-in-1 kostet 1000 Euro.

Auch vom Einsteigermodell da Vinci Jr. gibt es neue Varianten. Weist auf der IFA ein Schild für das Grundmodell einen Preis von 400 Euro aus, kostet der Jr. 1.0w schon 60 Euro mehr. Dafür kann man diesen bequem übers WLAN bedienen, zudem soll das bei FDM-3D-Druckern übliche lästige Justieren des Abstands zwischen Drucktisch und Düse entfallen. Hinzu kommt eine passende App, mit der man mal eben schnell Druckaufträge für Objekte aus einer Online-Galerie auf die Maschine schickt.

Die maximale Modellgröße beträgt 15 Zentimeter in alle drei Dimensionen. Mit diesen Eigenschaften möchte xyzPrinting seinen 3D-Drucker offenbar als besonders einsteiger- und auch kinderfreundliches Gerät vermarkten und verfolgt damit eine ähnliches Ziel wie MakerBot mit seinem Replicator Mini (der allerdings fast das Dreifache kostet.) Als dritten im Bunde gibt es auch vom da Vinci Jr. eine 3-in-1-Version mit Scanner und Gravierlaser für ebenfalls 460 Euro.

Schon auf der CES in Las Vegas zu Beginn des Jahres konnte man von den Produkten des 3D-Essensdruckers von xyzPrinting kosten – auf der IFA ist er ebenfalls wieder als Bäcker und Schokoladenziseleur in Aktion zu sehen. Man kann sicher darüber streiten, ob so eine Maschine sinnvoll ist, die maximal drei vorher liebevoll zubereitete Teige oder sonstige Massen wie Soßen oder Schokolade computergesteuert mit Gewindestangen aus Zylindern drückt (die man anschließend penibel säubern muss), um zum Beispiel Kuchenteiglinge in Form eines Bärchens zu bekommen. Schließlich kostet die Maschine mit 1800 Euro deutlich mehr, als den meisten Leuten ein Gag wert sein dürfte. Und einen Ofen braucht man noch zusätzlich – backen kann der 3D-Drucker nicht selbst.

Der Essensdrucker kommt frühestens im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt, vielleicht auch erst 2016 – und in Europa möglicherweise gar nicht. Das Gerät auf der IFA ist der einzige Prototyp der Maschine auf dem Kontinent.

Offenbar der nächste Streich: Mit dem 3djet Printer wagt sich xyzPrinting technisch anscheinend ins Revier von Stratasys vor.

Wohin die Reise beim 3D-Druck weiter gehen könnte, legt am Stand von xyzPrinting die Maschine namens 3djet nahe: Schon rein äußerlich erinnert das Gerät an die Objet-Maschinen des Herstellers Stratasys und laut Infoblatt arbeitet es – ebenfalls wie diese – mit tröpfchenweise aufgetragenem Photopolymer, das mit einem Laser ausgehärtet wird. Dabei sollen bis zu 14,8 cm × 10,6 cm × 12 cm große Objekte mit einer Auflösung von 300 dpi entstehen. Ein Preis für das 70 kg schwere Gerät ist noch nicht bekannt.

Gab es 3D-Scanner von xyzPrinting bisher nur als Linienlaser-Drehteller-Kombinationen im Inneren von 3D-Multifunktionsgeräten, bietet die Firma in Kürze auch ein bislang schlicht "Handheld 3D Scanner" genanntes Werkzeug zur Erfassung von dreidimensionalen Oberflächen. Der Scanner lässt sich entweder mit der Hand um das Zielobjekt herumführen oder an ein Notebook-Display klemmen. Auf dem kann dann gleich auch die Software laufen, die drei Scan-Modi speziell für Köpfe, ganze Personen oder sonstige Objekte bietet. Im 3D-Scanner steckt RealSense-Technik von Intel, die offenbar mittlerweile die Nachfolge der seinerzeit erfolgreichen PrimeSense-Sensoren in der 3D-Scan-Szene antritt. Der Scanner soll 300 Euro kosten.

Neben den 3D-Druckern und der Scan-Technik, die man von xyzPrinting erwartet, findet man auf dem IFA-Stand der Firma etwas überraschend auch rund 40 Zentimeter hohe humanoide Kampfroboter mit 18 Freiheitsgraden. Wahlweise steuert man ihn über eine Fernbedienung oder programmiert vorher auf dem Rechner in eine speziellen Software seine Moves. Noch weiter ab vom normalen Programm der Firma: Fitnesstracker, wahlweise auch gleich in Unterwäsche integriert, sowie NAS-Geräte als persönliche Cloud. Da sich solche Produkte schlecht unter einem Label namens xyzPrinting vermarkten lassen, hat die Firma für die neuen Angebote ihren Namen variiert und tritt wahlweise als xyzRobot, -Life oder -Cloud auf. (pek)