IG Metall befĂĽrchtet massiven Stellenabbau im Siemens-Bereich SBS [Update]

Es sei klar, dass der Siemens-Chef auch den Krisenbereich der IT-Dienstleistungstochter SBS bis Ende September aufräumen will, meinte der für Siemens zuständige IG-Metall-Funktionär.

vorlesen Druckansicht 75 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Die IG Metall sieht bei SBS, der verlustreichen IT-Dienstleistungstochter von Siemens, viele Arbeitsplätze bedroht. "Bei SBS ist die Situation viel verfahrener als bei Com", sagte Dieter Scheitor, der bei der Gewerkschaft für Siemens zuständig ist. "Wir befürchten, dass Siemens einen massiven Stellenabbau durchziehen wird", erklärte Scheitor gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX nach Beratungen der IG Metall mit Arbeitnehmervertretern.

In Deutschland arbeiteten etwa 11.000 Menschen bei Siemens Business Services (SBS). Neues gebe es derzeit nicht zu den Plänen des Konzerns für SBS. "Aber es ist klar, dass Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auch diesen Krisenbereich bis Ende September aufräumen will", sagte Scheitor. "Wir rechnen fest damit, dass Siemens bis dahin Entscheidungen im Sinne von Kleinfeld und des Managements treffen wird."

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Umbau von SBS forciert werden soll; das kriselnde Geschäft mit Computer-Wartungsarbeiten beziehungsweise "Produktnahe Dienstleistungen" (PRS) war bereits an Fujitsu Siemens abgegeben worden. Der Bereich solle sich auf ausgewählte Branchen, Regionen und Kunden konzentrieren, hatte es in einer internen Mitarbeiter-Information geheißen. "In Industrien, die Siemens nicht bedient, nimmt SBS neue Projekte nur noch selektiv und nach intensiver Prüfung an." Zudem würden die beiden verbliebenen Geschäftsbereiche IT-Outsourcing und IT-Lösungen gebündelt.

Angesichts der Fusionspläne für die Netzwerk-Ausrüstungssparten von Siemens und Nokia forderte Scheitor von Siemens einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2009. "Wir fordern außerdem die Sicherung der Standorte in Deutschland." Siemens hatte im Juni angekündigt, Großteile seines schwächelnden Kommunikationsbereichs Com in ein Joint Venture mit dem weltgrößten Handyhersteller Nokia einzubringen. Nach Einschätzung von Scheitor dürften in den betroffenen Com-Teilen etwa 10 bis 15 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.

Der Gewerkschaftler zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass beide seiten sich rasch einigen. "Siemens hat es ja sehr eilig und will bis zum Ende des Geschäftsjahres 2005/06, also bis Ende September, alles über die Bühne bringen", sagte Scheitor. "Wenn Siemens es so eilig hat, dann hat das auch seinen Preis. Die IG Metall sieht durchaus Chancen auf eine baldige Einigung."

[Update]:
Ein Siemens-Sprecher sagte auf Anfrage, Siemens stecke mitten in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern. "Sobald wir eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielt haben, werden wir diese bekannt geben – davor sagen wir nichts zu den Gesprächen." Zu den Befürchtungen der IG Metall über weiteren Stellenabbau zeigte Siemens sich verwundert: "Unser Turnaround-Programm liegt auf dem Tisch, die darin enthaltenen Maßnahmen zum geplanten Stellenabbau sind allesamt öffentlich bekannt." SBS hatte den Abbau von insgesamt 2.750 Stellen in Deutschland angekündigt. Darüber hinaus gibt es derzeit laut Unternehmen keine Pläne. In Deutschland arbeiteten etwa 11.000 Menschen bei Siemens Business Services (dpa) / (jk)