Linux 6.14: Bessere Performance, aber verschlafener Release-Termin

Seite 3: Der harte Kern

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Auf der GPU ablaufende Prozesse möchte man ungern abbrechen. Schließlich sollen die rechenintensiven Aufgaben nicht erneut angestoßen werden müssen. Der neue Kernel sagt dem Zwangsrauswurf über cgroups den Kampf an. Sowohl die Ressourcen der GPU, als auch von Treibern allokierter CPU-Speicher splittet Linux nun in cgroups auf. Das erlaubt das parallele Ausführen von Aufgaben, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.

Mit dem Vorgänger 6.13 führte Linux das "Lazy Preempt" ein. Es gestattet im präemptiven Multitasking, Kontextwechsel aufzuschieben, um Prozesse beziehungsweise Threads nicht unnötig zu unterbrechen. Auf diese Weise sollen Verarbeitungsschritte möglichst in einem Zug abgeschlossen werden können. Dieses "Lazy Preempt" war in Linux 6.13 nur auf Rechnern mit CPUs vom Typ x86/x86_64 und RISC-V verfügbar. Jetzt zieht der Kernel-Neuling für die nächste Architektur nach. Mit Linux 6.14 steht das "Lazy Preempt" auch für Systeme mit PowerPC bereit.

Das Dateisystem btrfs führt fürs Read Balancing bei RAID1 (Spiegelung, Mirror) drei neue Strategien ein. "Rotation" hält alle Geräte des Spiegels aktiv und ist die Voreinstellung. "Latency" rückt fehleranfälligen und unstabilen Block-Layern intelligent zu Leibe. "devid" schließlich erlaubt die manuelle Kontrolle. Je nach Anwendungsszenario soll die passende Strategie helfen, Lesezugriffe über die Geräte im RAID1 besser zu verteilen.

XFS bohrt sein Realtime-Device auf. Dieser Spezialmodus ermöglicht konsistente, vorhersagbare Latenzen für Dateisystemoperationen. Im neuen Linux-Kernel kommt das "reverse mapping" hinzu. Es gestattet, Blöcke auf dem Speichergerät der Datei zuzuordnen, von der die Speicherblöcke verwendet werden. Normaleweise lassen sich nur von der Datei ausgehend die zugehörigen Blöcke identifieren. Ebenfalls neu ist "reflink". Damit können Dateien in XFS Speicherblöcke gemeinsam nutzen. Das vermeidet Redunanz und spart Speicherplatz.

Microsoft hatte PC-Tastaturen eine neue Taste spendiert. Die Copilot-Taste dient zum Zugriff auf den KI-Assistenten des Software-Riesen aus Redmond. Bislang ignorierte Linux diese Taste. Jetzt erkennt Linux auch, wenn diese Taste gedrĂĽckt wird. Allerdings verbindet das keine feste VerknĂĽpfung mit dem Copilot-Assistenten.

Mit etwas über 11.000 Changesets mit neuer Funktionalität bleibt Linux 6.14 bescheiden hinter einer langen Reihe seiner Ahnen zurück. Nur Linux-Kernel der Versionen 4.x waren diesbezüglich kleiner. Trotz dieser "mageren" Quantität bringt der Neue vieles an Qualität mit. Die Geschwindigkeitssteigerungen bei Windows-Games sind beachtlich. Der geniale Trick beim Uncached Buffered I/O schließt eine Lücke zwischen den sonst gegensätzlichen I/O-Strategieren. Allein dies macht die nächste Inkarnation des Kernels zum Innovationsschub.

Der Linux-Kernel 6.14 steht wie gewohnt auf kernel.org zum Download bereit. Alle Neuerungen und Änderungen fasst das Changelog zusammen. Eine strukturierte Übersicht der Änderungen gegenüber dem Vorgänger 6.13 findet sich zudem im git-Repository.

(dmk)