Montag: Auch anonyme Cyberkriminelle haben Egos, i-Kfz wird zum Digitaldesaster
(Bild: Maksim Shmeljov/Shutterstock.com)
Ransomware im Rampenlicht + Rot fĂŒr i-Kfz + iOS-Update gegen Bluetooth-Spam + Haftung bei DSGVO-VerstoĂ + Grundrecht nach Fehler + Start von Core 100 Ultra
Um sich von der Konkurrenz abzusetzen und die eigenen Leistungen gewĂŒrdigt zu wissen, suchen Ransomware-Gruppen zunehmend den direkten Kontakt zu Journalisten. Das soll den Bekanntheitsgrad erhöhen und die Gruppen zu einem begehrenswerteren âArbeitgeberâ fĂŒr Kriminelle machen. In Deutschland entpuppt sich i-Kfz als vereinfachte Online-Zulassung als Digitaldesaster. Sie war erst im September an den Start gegangen, nun ist sie gröĂtenteils schon wieder gestoppt. Derweil verhindert Apple mit seinem Update auf iOS 17.2 offenbar, dass iPhones mit einem Flipper-Zero-Bluetooth-Exploit ge-DoSt werden können. Zuvor konnte das GerĂ€t iPhones per Bluetooth-Spam zum ungewollten Neustart zwingen â die wichtigsten Meldungen im kurzen Ăberblick.
Wie das Cybersecurity-Experten-Team Sophos X-Ops berichtet, betreiben Kriminelle in jĂŒngster Zeit immer hĂ€ufiger Medienarbeit und suchen den Kontakt zu Journalisten. Dahinter steckt ihr professionelles Interesse, bekannter zu werden und so mehr Druck auf die von ihnen erpressten Opfer auszuĂŒben. In den Blick geriet das Bestreben nach medialer Aufmerksamkeit durch einen Hack des MGM-Casinos in Las Vegas, nach dem sich die Ransomware-Gruppe Black Cat bei Reportern beschwerte, diese hĂ€tten den Hack fĂ€lschlicherweise einer anderen Gruppe zugeschrieben: Ransomware-Gruppen buhlen zunehmend um Medien-Aufmerksamkeit [1].
Cybersecurity ist auch einer der GrĂŒnde, warum die am 1. September 2023 gestartete vereinfachte digitale Kfz-Zulassung ("i-Kfz") offenbar gröĂtenteils schon wieder gestoppt ist. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wird voraussichtlich zwei Dritteln der deutschen Zulassungsstellen die Möglichkeit sperren, Autozulassungen per i-Kfz vorzunehmen. Ein Zulassungsdienstleister geht davon aus, dass fast 70 Prozent aller Behörden Zulassungen und andere AuftrĂ€ge vorerst wieder nur in Papierform bearbeiten können. Offenbar entsprĂ€chen die Computersysteme vieler Zulassungsstellen nicht den Sicherheitsmindeststandards: Zwei Drittel der digitalen Kfz-Zulassungsstellen wegen SicherheitsmĂ€ngeln gesperrt [2].
Einen anderen Mangel hat Apple mit dem Update auf iOS-Version 17.2 ausgemerzt. Damit wird offenbar eine Attacke blockiert, mit der Angreifer mit einem Flipper Zero iOS-GerĂ€te zum Absturz bringen konnten. Der Flipper Zero ist ein Tamagotchi-artiges Pen-Testing-Werkzeug, das etliche Funkprotokolle unterstĂŒtzt. Technisch lĂ€uft die Bluetooth-Attacke so ab, dass der Flipper in schneller Folge Bluetooth-LE-Paring-Anfragen an GerĂ€te in Funkreichweite schickt. Das betrifft auch Android- und Windows-GerĂ€te, aber nur bei Apple-GerĂ€ten erzwang dieser Bluetooth-Spam einen Neustart: Nach Update auf iOS 17.2 kann Flipper Zero keine iPhones mehr crashen [3].
Anfang Dezember hat der EuropĂ€ische Gerichtshof (EuGH) zwei wichtige Urteile zur Unternehmenshaftung gefĂ€llt. In den Verfahren hat das Gericht prĂ€zisiert, wer fĂŒr DSGVO-VerstöĂe haftet und was bei der Bemessung von BuĂgeldern zu beachten ist. Dabei hat der EuGH sein (weites) VerstĂ€ndnis der datenschutzrechtlichen Verantwortung bekrĂ€ftigt. Er hat entschieden, dass eine Behörde, die ein Unternehmen mit der Entwicklung einer mobilen App beauftragt, gemeinsam mit diesem Unternehmen haftet, und zwar auch dann, wenn sie keine personenbezogenen Daten verarbeitet, keine Einwilligung erteilt und auch keine Vereinbarung mit dem Unternehmen getroffen hat, so der EuropĂ€ische Gerichtshof zur DSGVO: Strengere Haftung, höhere BuĂgelder [4].
Das VolkszĂ€hlungsurteil ist deutlich Ă€lter, aber es wird immer noch gern darauf zurĂŒckgegriffen. Dabei sollte es das viel beschworene Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung in dieser breiten Dimension eigentlich gar nicht geben. Dies verriet Gerhard Robbers am Freitag bei einem Symposium zur Feier des 40. Geburtstags des VolkszĂ€hlungsurteils. Dem Staatsrechtler zufolge ist die Sache mit dem "Grundrecht" schlicht ein Fehler: Der im Manuskript zunĂ€chst stets verwendete Begriff sei vor der Urteilsausfertigung ĂŒberall auf "Recht" geĂ€ndert worden. Nur im Absatz 189 sei das vergessen worden vor 40 Jahren: Fehler gebiert Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung [5].
Intel hat diese Woche den Startschuss fĂŒr die neue Prozessorgeneration Meteor Lake gegeben: Die erstmals aus Chiplets zusammengesetzte Notebook-CPU beerdigte das bisherige Core-i-Namensschema und ist seit Donnerstag (14. Dezember) als Core Ultra 100 unterwegs. Laut Intel sollten erste damit bestĂŒckte Notebooks hierzulande ab sofort verfĂŒgbar sein, doch ein Blick in Webshops zeigt, dass keiner tatsĂ€chlich schon GerĂ€te liefern kann. Das frĂŒhestmögliche konkrete Lieferdatum, das Shops versprechen, ist der 29. Dezember fĂŒr einen 14-Zöller von Asus, also ĂŒber zwei Wochen nach Startschuss. Das wĂ€re noch ganz knapp in 2023, sofern es keine unerwarteten Logistikverzögerungen gibt: Intels neue CPU-Generation fĂŒr Notebooks Core Ultra 100 debĂŒtiert verhalten [6].
Auch noch wichtig:
- Intel baut neue Chip-Fabs, kauft aber groĂ in Taiwan zu. ARM grĂ€mt sich ĂŒber zu geringe LizenzgebĂŒhren und in Frankreich befĂŒrchtet man den Atos-Ausverkauf, berichtet Bit-Rauschen: Intel bestellt Chips bei TSMC fĂŒr 14 Milliarden US-Dollar [7].
- Die staatliche KaufprĂ€mie fĂŒr E-Autos ist schon an diesem Wochenende Geschichte. Wer den sogenannten Umweltbonus noch beantragen will, muss sich beeilen, denn am Sonntag ist Schluss: Datum fĂŒr Aus der E-Auto-PrĂ€mie steht fest [8].
- Objektorientierte Programmierung macht Code effizienter, lesbarer und einfacher zu warten. Wir erklÀren die grundlegenden Konzepte in Python: So funktioniert objektorientierte Programmierung in Python [9].
- Qual der Wahl oder einfache Entscheidung: Wer schlĂ€gt sich im Vergleich besser, Android oder iOS? Wo liegen die Unterschiede bei Apps, Sicherheit und Updates? Welches Smartphone-System ist das bessere fĂŒr mich? Android oder iOS? [10]
- 123456 hat ausgedient: Laut Bitkom verwenden drei Viertel der Internetnutzer in Deutschland komplexe Passwörter. 2FA ist dagegen noch nicht weit verbreitet bei IT-Security: 80 Prozent verzichten auf Zwei-Faktor-Authentifizierung [11].
- Das Gesundheitsministerium hat fĂŒr seine Digitalvorhaben ambitionierte ZeitplĂ€ne. Viel zu ambitioniert, findet Marie-Claire Koch in ihrem Kommentar zur elektronischen Patientenakte: "Keine Panik, das wird sowieso (erstmal) nichts!" [12]
(fds [14])
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[2] https://www.heise.de/news/Sicherheitsmaengel-Zwei-Drittel-der-digitalen-Kfz-Zulassungsstellen-gesperrt-9576460.html
[3] https://www.heise.de/news/iOS-17-2-Flipper-Zero-kann-keine-iPhones-mehr-crashen-9576526.html
[4] https://www.heise.de/news/Europaeischer-Gerichtshof-zu-DSGVO-Strengere-Haftung-hoehere-Bussgelder-9576366.html
[5] https://www.heise.de/news/40-Jahre-Fehler-gebiert-Grundrecht-auf-informationelle-Selbstbestimmung-9576730.html
[6] https://www.heise.de/news/Core-Ultra-100-Intels-neue-CPU-Generation-fuer-Notebooks-debuetiert-verhalten-9576450.html
[7] https://www.heise.de/news/Bit-Rauschen-Intel-bestellt-Chips-bei-TSMC-fuer-14-Milliarden-US-Dollar-9574469.html
[8] https://www.heise.de/news/Am-Sonntag-ist-Schluss-Datum-fuer-Aus-der-E-Auto-Praemie-steht-fest-9576422.html
[9] https://www.heise.de/ratgeber/Python-So-funktioniert-objektorientierte-Programmierung-9544701.html
[10] https://www.heise.de/ratgeber/Android-oder-iOS-Welches-Smartphone-System-ist-das-bessere-fuer-mich-9544590.html
[11] https://www.heise.de/news/IT-Security-80-Prozent-verzichten-auf-Zwei-Faktor-Authentifizierung-9576360.html
[12] https://www.heise.de/meinung/Elektronische-Patientenakte-Keine-Panik-das-wird-sowieso-erstmal-nichts-9576638.html
[13] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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