Myspace gleicht Nutzerprofile mit SexualtÀter-Datenbank ab
News Corp. setzt das GroĂreinemachen bei Myspace fort und will SexualstraftĂ€ter effektiver aussperren. Dabei setzt das Unternehmen auf technische Mittel und die TĂ€terdatenbanken der US-Bundesstaaten.
Weiter geht der groĂe Kehraus [1] bei Myspace; die neue Mutter News Corp gibt die strenge Erziehungsberechtigte. Denn die von zahlreichen MinderjĂ€hrigen frequentierte Community ist in der Vergangenheit auch dafĂŒr ruchbar geworden, bevorzugtes Jagdrevier fĂŒr SexualstraftĂ€ter zu sein. Sexuelle BelĂ€stigung ist ein Problem, dem sich Websites wie Myspace, die von anonymer Kontaktaufnahme und Kommunikation leben, stellen mĂŒssen. Die News-Corp-Tochter hatte dazu in diesem Jahr eine breite Kampagne [2] gestartet und einen eigenen Sicherheitsbeauftragten ernannt.
Jetzt gab Myspace bekannt, zusammen mit einem auf IdentitĂ€ts- und Hintergrund-Checks spezialisierten Unternehmen [3] eine Datenbank zu entwickeln, die die nicht immer korrekt ausgefĂŒllten Profile der Myspace-Nutzer mit den Daten registrierter verurteilter SexualstraftĂ€ter abgleichen soll. Die Anwendung sammelt DatensĂ€tze aus den TĂ€terdatenbanken von 46 US-Bundesstaaten, in denen die Daten von ĂŒber 500.000 sexuell motivierten TĂ€tern erfasst sein sollen. "Wir sind entschlossen, SexualtĂ€ter von Myspace fern zu halten", erklĂ€rte der Sicherheitsbeauftragte [4] des Unternehmens, Hemanshu Nigam. Die Datenbank soll innerhalb der nĂ€chsten 30 Tage einsatzfĂ€hig sein. Gefundene Profile wĂŒrden dann gelöscht und Neuanmeldungen von eindeutig Vorbelasteten verhindert. Das Programm namens "Sentinel Safe" soll verfĂŒgbare Daten aus den TĂ€terdatenbanken mit Myspace-Nutzern abgleichen.
Um mögliche falsche Identifizierungen auszuschlieĂen, werden die positiven Ergebnisse des automatischen Abgleichs von einem spezialisierten Team der Sicherheitsabteilung verifiziert, dass rund um die Uhr im Einsatz sein soll. Trotzdem erheben sich bereits erste kritische Stimmen, die von der Datenbank auch eine Gefahr fĂŒr den Datenschutz und die PrivatsphĂ€re der Nutzer befĂŒrchten. Zwar sei es richtig, gegen sexuelle Ăbergriffe in Online-Communities vorzugehen und damit den steigenden Bedenken zu begegnen, erklĂ€rte ein Anwalt der Electronic Frontier Foundation. Doch sei die Angst der Unternehmen, möglicherweise als zu tatenlos zu erscheinen, ein schlechter Ratgeber und eine Gefahr fĂŒr die BĂŒrgerrechte.
Sentinel Safe sei das Resultat von Beratungen mit der ĂŒberstaatlichen Taskforce der US-amerikanischen GeneralstaatsanwĂ€lte, erklĂ€rte der Myspace-Sicherheitsmann. Allerdings könnte es auch sein, dass ein Artikel [5] des US-Magazins Wired die Manager auf die Idee gebracht hat. Mitte Oktober hatte ein Reporter des Magazins einen Bericht veröffentlicht, wie er mit einem selbst geschriebenen Perl-Skript und den Daten der TĂ€terdatenbanken zahlreiche SexualtĂ€ter auf Myspace identifizieren konnte. Darunter war auch ein mehrfach vorbestrafter Mann, der neun Jahre wegen sexuellen Missbrauchs MinderjĂ€hriger abgesessen hatte und ein Jahr nach seiner Entlassung auf Myspace unterwegs war.
Allerdings brauchte man in seinem Fall keinen Datensatz und keine komplexe Software fĂŒr die Identifikation des Mannes: Er hatte sich unter seinem echten Namen registriert und konnte sich unbehelligt auf dem Portal bewegen. Die Polizisten, mit denen der Journalist im Rahmen seiner mehrere Monate dauernden Recherche gesprochen hatte, konnten das kaum glauben: "Er hat sich auf Myspace unter seinem echten Namen registriert? Was fĂŒr ein Schwachkopf." (vbr [6])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/News-Corporation-raeumt-bei-MySpace-com-auf-114883.html
[2] https://www.heise.de/news/MySpace-startet-Kampagne-zum-Schutz-Jugendlicher-141950.html
[3] http://www.sentryweb.com/
[4] https://www.heise.de/news/MySpace-com-ernennt-Sicherheitsbeauftragten-117046.html
[5] http://www.wired.com/news/technology/0,71948-0.html
[6] mailto:vbr@heise.de
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