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OSZE legt Bericht zur US-PrÀsidentschaftswahl vor

Richard Sietmann

Die Wahlbeobachter der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa kritisieren in ihrer vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung unzureichende Zulassungsstandards fĂŒr elektronische Wahlmaschinen.

In ihrer heute veröffentlichten vorlĂ€ufigen EinschĂ€tzung der US-PrĂ€sidentschaftswahl [1] bemĂ€ngelt die Wahlbeobachtungskommission der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) das Fehlen verbindlicher und einheitlicher Zulassungsstandards fĂŒr den Einsatz elektronischer Wahlmaschinen. Sie fĂŒhrt darauf teilweise das ihr berichtete Misstrauen in die direkte elektronische ZĂ€hlung der Stimmen, insbesondere durch Touchscreen-GerĂ€te, zurĂŒck. Dieses Misstrauen sei durch den Lizenzentzug [2] fĂŒr DRE-GerĂ€te (Direct Recording Electronic) in Kalifornien im April des Jahres noch verstĂ€rkt worden.

Solange einheitliche Zulassungsstandards fehlen, könnten zusĂ€tzliche Maßnahmen, welche die AbhĂ€ngigkeit von der ausschließlich elektronischen ZĂ€hlung verhindern, das öffentliche Vertrauen in die DRE-GerĂ€te verbessern. "Die einfachste Lösung wĂ€re die prompte EinfĂŒhrung nachprĂŒfbarer Wahlbelege in Papierform, wie sie in manchen Gebieten anscheinend erfolgreich eingesetzt wurden", heißt es in dem Bericht (PDF [3]). Zugleich regen die Beobachter eine StĂ€rkung des National Institute for Standards and Technology (NIST) als nationale Zertifizierungsstelle an.

Der derzeit geltende Standard fĂŒr elektronische Wahlmaschinen schreibt keinen "Voter-Verified Paper Audit Trail" als unabhĂ€ngige PrĂŒfungsmöglichlichkeit fĂŒr die ZĂ€hlung der WĂ€hlerstimmen vor; er privilegiert GeschĂ€ftsgeheimnisse, so dass die Hersteller selbst im Falle einer Wahlanfechtung die Systemsoftware nicht offenlegen mĂŒssen, und wo sich DRE-System auf kommerzielle Software wie beispielsweise die Microsoft-Betriebssysteme stĂŒtzen, sind diese in die SicherheitsprĂŒfungen nicht mit einbezogen. Die SicherheitsĂŒberprĂŒfung selbst erfolgt bislang durch private Firmen [4] als "Independent Testing Authority" (ITA).

Nach der Wahlrechtsreform des 2002 verabschiedeten "Help America Vote Act" sollte das NIST, eine der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt vergleichbare Einrichtung, die ITAs zertifizieren und die Einhaltung der PrĂŒfstandards ĂŒberwachen. Die dafĂŒr benötigten 30 Millionen US-Dollar waren dem NIST jedoch nicht bewilligt worden, so dass die Umsetzung des Gesetzes in diesem Bereich stockte, wĂ€hrend die Beschaffung der elektronischen Wahlmaschinen in dem 3,8-Milliarden-Projekt auf vollen Touren lief.

Die Umsetzung der Wahlrechtsreformen des "Help America Vote Acts" sei jedoch als "ein fortlaufender Prozess" zu betrachten, heißt es in dem vorlĂ€ufigen Bericht der OSZE-Kommission, der 92 Wahlbeobachter aus 34 LĂ€ndern -- darunter 56 Parlamentarier -- angehörten und die auf Einladung der US-Regierung erstmals eine PrĂ€sidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten in Augenschein nahmen [5]. Insgesamt, so die EinschĂ€tzung der Schweizer NationalrĂ€tin Barbara Haering, die die Delegation leitete, "scheinen die Stimmabgabe und die AuszĂ€hlung der Stimmen ordnungsgemĂ€ĂŸ abgelaufen zu sein, obwohl unseren Beobachtern aufgrund fehlender bundes- oder einzelstaatlicher Regelungen nicht in allen Bundesstaaten der Zugang zu den Wahllokalen möglich war".

Siehe dazu auch:

(Richard Sietmann) / (anw [7])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/US-Praesidentschaftswahl-entschieden-112893.html
[2] https://www.heise.de/news/Schlappe-fuer-Wahlmaschinen-Hersteller-98005.html
[3] http://www.osce.org/documents/odihr/2004/11/3779_en.pdf
[4] https://www.heise.de/news/Wahlbeobachter-bei-den-US-Praesidentschaftswahlen-in-der-Hightech-Falle-111942.html
[5] https://www.heise.de/news/OSZE-ueberwacht-Praesidentschaftswahlen-in-den-USA-105995.html
[6] https://www.heise.de/news/Zahlreiche-Pannen-wegen-Einsatz-elektronischer-Wahlmaschinen-113505.html
[7] mailto:anw@heise.de