Recycling Fabrik: Aus alten 3D-Drucken wird neues Filament
Seite 3: Ausprobiert: rPLA-Filament von der Recycling Fabrik
Für den Test haben wir drei verschiedene Farben bestellt: Flaches Gewässer (800g), Schlafender Flamingo (50g) und Giftiger Zombie (50g) und verschiedene Gegenstände gedruckt, um es auf die Probe zu stellen. Vergleichen möchten wir es einerseits mit Prusament, einem Filament mit besonders gutem Ruf, und ReForm rPLA von Formfutura, einem Filament aus Produktionsabfällen.
Spule und Samples wurden vakuumverpackt geliefert. In der Verpackung der Spule befinden sich, wie üblich, Silikat-Gel-Kügelchen – allerdings mit einer kleinen Besonderheit: einem extra dafür gedruckten Gefäß.
Den Test haben wir mit einem Temperatur-Tower begonnen, um zu gucken, ob die angegebene Temperatur für unseren Prusa Mini-Drucker wirklich die optimale ist. Auf der Packung sind 210 Grad Celsius für die Nozzle und 60 Grad für das Druckbett angegeben. Das ist schön konkret, wenn man bedenkt, dass manche Hersteller eine Nozzle-Temperatur mit 30 Grad Spielraum angeben. Die unterschiedlichen Drucker messen die Temperatur manchmal zwar nicht exakt, sodass sie leicht von Gerät zu Gerät variieren kann. Hier waren die 210 und 60 Grad aber sehr passen. Daher haben wir für die erste Schicht nur jeweils 10 Grad addiert.
Spule
Spule aus und fĂĽr Recycling Fabrik-Filament (2 Bilder)

Um die Samples drucken zu können, mussten sie erst einmal aufgespult werden. Die 50g-Proben bieten durchaus einige Meter, die sich ungespult verheddern könnten und dann nicht kontinuierlich eingezogen werden. Prusament-Samples bestehen nur aus 25g, sind also nur halb so lang. Dabei hatten wir weniger Bedenken, dass sie einer Spule bedürfen. Aus ihnen lassen sich aber weniger große Drucke umsetzen. Das beliebte Benchy, ein häufig genutztes Test-Boot, benötigt zum Beispiel 12g und der kleine Frosch, der Treefrog, 6g. Da gefallen uns die 50g-Samples deutlich besser, da man so keine Angst haben muss, dass während eines besonderen Drucks das Material ausgeht.
Weil keine leere Spule über war, haben wir aus dem Filament mit dem Namen Flaches Gewässer erst mal eine Spule gedruckt. Es brauchte keine große, darum haben wir die Customizable Sample Spool ohne Spacer ausgesucht. Darauf hat das Filament auch gut gepasst. Zuerst waren wir mit der Datei sehr zufrieden. Nach mehrmaligem auf und ab der verschiedenen Samples hielt der Bajonettverschluss aber leider nicht mehr. Die Spule hat immerhin einen relativ großen Druck dargestellt. An ihm könnt ihr die Farbverläufe nochmal gut nachvollziehen. Er ist nicht immer gut sichtbar und variiert von Spule zu Spule. Manchmal bemerkt man ihn, wie beim grünen Frosch weiter unten, auch gar nicht. Auf den Produktfotos im Shop war er aber sehr präsent.
Die Spulung der Rolle liegt nicht so exakt wie beim berühmten Prusament – es hat sich aber bei den längeren Drucken problemlos abgewickelt. Zum Vergleich ist hier ein Foto mit sehr günstigem Filament, das sehr wild gewickelt ist.
links: wild gewickeltes gĂĽnstiges Filament, mittig: Recycling Fabrik, rechts: Prusament
Erfahrungen
Der lange Druck lief glatt. Während aller Drucke ist bei uns allerdings immer leichtes Stringing (Fadenbildung) entstanden, das trotz unterschiedlichster Anti-Stringing-Maßnahmen nie ganz verschwand. Hier seht ihr drei Treefrogs als Testdruck mit den verschiedenen Filamenten. Alle wurden mit denselben Druckeinstellungen und einer Schichthöhe von 0,10 mm gedruckt.
Letztendlich sind wir mit dem Filament sehr zufrieden. Prusament ergibt zwar ein gleichmäßigeres Druckbild – Farbe und Material wirken so, als ob es mehr Fehler verzeiht. Recycling Fabriks Filament steht in der Qualität anderen Recycling-Filamenten aber in nichts nach und liefert sehr schöne Ergebnisse.
Test-Drucke aus Recycling Fabrik-Filament (2 Bilder)

Auf ihren sozialen Medien zeigt die Recycling Fabrik einige Tests für ihre neuen Filamente. Wer sich dafür interessiert und mitwirken möchte, kann dort Namensvorschläge für neue Farben einreichen. Wir bleiben gespannt, was von ihnen zukünftig noch kommt und wie sie zum Beispiel mit Farbverläufen von helleren Farben wie weiß umgehen. (stri)