Reporter ohne Grenzen fordern freien Informationsfluss im Internet
AnlĂ€sslich des Vorbereitungstreffens fĂŒr den zweiten Weltgipfel der Informationsgesellschaft wollen die Menschenrechtler auf einige MissstĂ€nde aufmerksam machen.
Heute hat in Genf ein Vorbereitungstreffen fĂŒr den zweiten Weltgipfel [1] der Informationsgesellschaft begonnen. Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen [2] fordert die beteiligten Staaten auf, eine umfassende Meinungsfreiheit im Internet und die Rechte von Internetnutzern und -autoren zu garantieren. "Gerade LĂ€nder, die wie China [3], Iran und Tunesien [4] die Informationsfreiheit weltweit am wenigsten respektieren, spielen bei der Konferenz eine wichtige Rolle", schreiben [5] die Aktivisten. Zum Vorbereitungstreffen kamen heute 2400 Delegierte zusammen, darunter 900 Regierungsvertreter.
Jede Gesetzgebung, die den Informationsfluss im Internet betrifft, mĂŒsse auf Artikel 19 der Allgemeinen MenschenrechtserklĂ€rung zur freien MeinungsĂ€uĂerung beruhen, fordern die Menschenrechtler. Nur die Internetnutzer selber sollten darĂŒber entscheiden können, welche Informationen sie im Netz aufrufen. Filter von staatlicher oder privater Seite verstieĂen gegen das Prinzip des freien Informationsflusses. Auch dĂŒrfe kein Provider entscheiden, ob eine Website geschlossen werden muss, selbst wenn sie illegal sei, sondern ein Richter. Dies sehe die Gesetzgebung der EU derzeit aber nicht vor.
Auch dĂŒrften sich die richterlichen Kompetenzen eines Staates nur auf Internetseiten aus dem eigenen Land beschrĂ€nken. Dabei beziehen sich die Menschenrechtler auf die Entscheidung [6] eines australischen Gerichts im Jahr 2002, dass der Autor eines Artikels auf einer US-amerikanischen Seite in Australien wegen Verleumdung angeklagt werden darf.
In der Delegation [7] von Reporter ohne Grenze auf dem einwöchigen Treffen in Genf befinden sich Internetdissidenten und Weblogger aus Tunesien, dem Iran, China und den Malediven [8]. Der Weltinformationsgipfel findet vom 16. bis 18. November in Tunis statt. Ziel des Gipfels ist unter anderem ein Abkommen, nach dem bis 2015 weltweit Millionen Schulen, KrankenhĂ€user und andere öffentliche Institutionen ĂŒber einen Internetanschluss verfĂŒgen. "FĂŒr einen Erfolg braucht es den politischen Einsatz von Regierungschefs", sagte Yoshio Utsumi, GeneralsekretĂ€r der Internationalen Telekommunikations-Union (ITU), die den Weltinformationsgipfel organisiert. AuĂerdem soll in Tunis entschieden werden, wie das Internet kĂŒnftig reguliert wird [9]. Diese Frage steht im Zentrum der nĂ€chsten Vorbereitungskonferenz im September in Genf. (anw [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-135929
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.itu.int/wsis/
[2] http://www.reporter-ohne-grenzen.de/
[3] https://www.heise.de/news/Erneut-Haftstrafen-fuer-Internet-Dissidenten-in-China-98583.html
[4] https://www.heise.de/news/Tunesisches-Gericht-verhaengt-lange-Haftstrafen-wegen-Internet-Lektuere-97053.html
[5] http://www.reporter-ohne-grenzen.de/cont_dateien/pm_anzeige_c.php?id=486
[6] https://www.heise.de/news/Der-Arm-der-australischen-Justiz-ist-so-lang-wie-das-Internet-71643.html
[7] http://www.radionongrata.info/
[8] https://www.heise.de/news/Notstand-Malediven-blockieren-Internet-Zugang-100342.html
[9] https://www.heise.de/news/Entwicklungslaender-fordern-Neuanfang-bei-Namens-und-Nummernvergabe-im-Netz-135186.html
[10] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2005 Heise Medien