"Rosa Pille": Forscher hoffen auf neue Sex-Wirkstoffe fĂĽr Frauen

Das "weibliche Viagra" Flibanserin soll das sexuelle Verlangen von Frauen steigern können – tut dies aber bislang nur in 9 bis 14 Prozent der Fälle. Doch stärkere Medikamente sind in Arbeit.

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Flibanserin - weibliches Viagra
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Pfizers Topseller Viagra, das die erektilen Dysfunktion beim Mann behandeln soll, bekommt Konkurrenz für Frauen: Flibanserin soll das sexuelle Verlangen beim weiblichen Geschlecht steigern können. Noch ist das Medikament aber nur bei einem recht niedrigen Prozentsatz der Verwenderinnen wirksam, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Wie das "weibliche Viagra" entdeckt wurde").

Forscher glauben allerdings, dass in Zukunft stärkere Medikamente auf den Markt kommen werden. Kim Wallen, Neurowissenschaftler an der Emory University, meint, dass es künftig eine ganze Reihe von Wirkstoffen geben wird, mit denen Betroffene experimentieren können – auch wenn es unterschiedliche Gründe für ein reduziertes sexuelles Verlangen bei Frauen gibt. "Sobald die ersten Medikamente verfügbar sind, öffnet das die Tür für eine wahre Invasion weiterer Wirkstoffe."

Die "rosa Pille", entwickelt von Sprout Pharmaceuticals, nahm einen verschlungenen Weg auf den Markt. Ursprünglich war Flibanserin als Mittel gegen Depressionen getestet worden. Der Hersteller hoffte, das Medikament könne ähnlich arbeiten wie Prozac und andere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Doch diese SSRIs steigern die Versorgung des Gehirns mit dem Neurotransmitter Serotonin, während Flibanserin den Serotoninspiegel dämpft. Und die Serotoninreduktion führte wiederum zu einer Zunahme von Dopamin – was zu einer Motivations- und Antriebssteigerung führen kann, weil sich beide Stoffe gegeneinander ausgleichen.

Forscher vermuteten schon früher, dass ein erhöhter Dopaminspiegel zu gesteigertem sexuellen Verlangen führen kann. Bei der Untersuchung eines Arzneistoffs namens Bremelanotid, der ursprünglich als Bräunungsmittel entwickelt worden war, ergaben sich Anhaltspunkte dafür. Melanotan gilt zwar als stärker als Flibanserin, ist aber derzeit weder als Bräunungsmittel noch als "weibliches Viagra" zugelassen. Der Wirkstoff muss noch auf seine Sicherheit untersucht werden.

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(bsc)