Tesla: Autonomer Modus für Dienste wie Uber oder Lyft verboten
Russisches Tesla-Taxi
(Bild: Mos.ru CC-BY 3.0)
Selbstfahrende Tesla-Autos dürfen nicht für Carsharing und auch nicht für Taxi-artige Dienste eingesetzt werden. So steht es im Vertrag. Das hat aber nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun. Tesla reserviert diese Umsätze einfach für sich.
Neue Tesla-Autos bringen schon Hardware mit, die dereinst für autonomes Fahren [9] ausreichen soll. Wie im Frühjahr angekündigt, kann der Fahrroboter später per Software-Lizenz aktiviert [10] werden. Wann später ist, weiß niemand. In drei Jahren, hofft Tesla-Chef Elon Musk. Die Nutzungsbedingungen haben es aber schon jetzt in sich: Tesla verbittet sich ausdrücklich, den autonomen Betriebsmodus für Carsharing oder entgeltlichen Personentransport einzusetzen.
Tesla möchte seinen Fahrroboter also Taxis, Uber, Lyft, Limousinendienste und so weiter vorenthalten. Auch Carsharing-Systeme dürfen nicht mitmachen, obwohl gerade die nach Einschätzung mancher Experten der Schuhlöffel für die Verbreitung selbstfahrender E-Autos [11] wären. Das Verbot hat weder Sicherheits- noch patentrechtliche Gründe.
Vielmehr möchte Tesla diese Umsätze kontrollieren und daran verdienen. Das Unternehmen plant den Aufbau eines eigenen "Tesla-Netzwerks" – und dort sind Carsharing und Personentransport gegen Entgelt sogar erwünscht. Inhaber autonomer Teslas sollen ihre Fahrzeuge dann dem Tesla-Netzwerk zur Verfügung stellen, wofür eine Umsatzbeteiligung winkt. Den privaten, unentgeltlichen Einsatz, etwa um Angehörige abholen zu lassen, gestattet Tesla freundlicherweise.
Trau, schau, wem!
Einzelheiten zum Tesla-Netzwerk möchte das Unternehmen nächstes Jahr preisgeben. Die eingeschränkt einsetzbare Roboter-Software kann aber beim Model S schon jetzt bestellt werden. Bei dem Oberklassewagen beträgt der Aufpreis für den vollen Selbstfahr-Funktionsumfang 8.800 Euro (8.900 in Österreich). Wer die Softwarelizenz erst nachträglich kauft, muss nach aktueller Preisliste 11.000 Euro (11.200 in Österreich) hinlegen.
(Bild: Screenshot)
Die Einschränkungen sind auch für jene Kunden von Nachteil, die nicht daran denken, ihr Vehikel für Carsharing oder Taxidienste zu verwenden: Die eingeschränkte Nutzbarkeit reduziert den Wiederverkaufswert.
Bevor man sich für ein vernetztes Produkt entscheidet, sollte man nicht nur den aktuellen Stand der Technik berücksichtigen, sondern auch die Update-Garantien des Herstellers und dessen Bonität. Sollte der nämlich einmal nicht mehr sein, droht ein vernetztes Gerät zum Entsorgungsfall [12] zu werden. In Zukunft könnten Fahrzeuge flugs zu Stehzeugen werden, wenn die Server offline gehen. Und sollten sicherheitskritische Updates fehlen, könnten Behörden den Betrieb untersagen oder Versicherungen die Deckung entziehen. (ds [13])
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[3] https://www.heise.de/news/Ethik-Kommission-Keine-Loesung-fuer-echte-dilemmatische-Situationen-beim-autonomen-Fahren-3749184.html
[4] https://www.heise.de/news/Wie-sag-ich-s-ihm-Selbstfahrende-Autos-wollen-verstanden-werden-3272546.html
[5] https://www.heise.de/news/Roboterethik-Das-selbstfahrende-Auto-und-seine-Opfer-3068704.html
[6] https://www.heise.de/news/Autonome-Autos-Was-ist-eigentlich-ein-autonomes-Fahrzeug-2766598.html
[7] https://www.heise.de/news/Sieben-Hindernisse-auf-dem-Weg-zum-autonomen-Auto-2764294.html
[8] https://www.heise.de/news/Silicon-Valley-vs-Michigan-Wettstreit-der-Auto-Ideologien-2762096.html
[9] https://www.heise.de/news/Tesla-will-Technik-fuer-autonomes-Fahren-in-alle-Autos-einbauen-3355289.html
[10] https://www.heise.de/news/Elektroautos-Tesla-Model-3-kommt-Ende-2017-ab-35-000-US-Dollar-3159967.html
[11] https://www.heise.de/news/Autonome-KFZ-Boom-selbstfahrender-Elektroautos-durch-Carsharing-3074672.html
[12] https://www.heise.de/news/Teslas-Pleite-ist-unvermeidlich-3342388.html
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