TikTok-Verbot: US-Staat Montana bringt Gesetz auf den Weg
(Bild: XanderSt/Shutterstock.com)
Der US-Bundesstaat Montana bringt ein Verbot von TikTok auf den Weg. Neben Spionage fĂŒhren die Abgeordneten auch PrivatsphĂ€re und Jugendschutz ins Feld.
Das Abgeordnetenhaus im US-Bundesstaat Montana hat ein Gesetz zum Verbot der in China entwickelten Social-Media-App TikTok verabschiedet. Sollte der Gouverneur Montanas das Gesetz unterschreiben, was als wahrscheinlich gilt, wĂŒrde das Verbot im Januar in Kraft treten. Die neue Vorschrift wĂŒrde es App-Stores verbieten, die App anzubieten und TikTok dĂŒrfte in dem nordwestlichen Bundesstaat nicht mehr als Unternehmen tĂ€tig sein. Nutzer, die die App bereits auf ihren GerĂ€ten haben, wĂ€ren nicht betroffen. Montana ist der erste Bundesstaat, in dem ein derart weitreichendes Gesetz verabschiedet wurde.
"Gegner der Vereinigten Staaten und Montanas"
In den USA kommt TikTok, das dem chinesischen Internetkonzern Bytedance gehört, immer stĂ€rker unter politischen Druck. Die Regierung von PrĂ€sident Joe Biden hat die App auf den Handys von Regierungsmitarbeitern bereits verboten [1]. Hintergrund sind Sorgen, dass chinesische Behörden und Geheimdienste ĂŒber TikTok Informationen ĂŒber Amerikaner sammeln und sie politisch beeinflussen könnten. Ende MĂ€rz musste TikTok-Chef Shou Zi Chew im US-Kongress deswegen Rede und Antwort stehen [2]. Dabei stieĂ er sowohl bei republikanischen als auch demokratischen Abgeordneten auf Misstrauen und Ablehnung.
In dem Gesetzesentwurf enthalten sind auch Bedenken, dass die Volksrepublik China, "Gegner der Vereinigten Staaten und Montanas", Informationen ĂŒber die BĂŒrger und Unternehmen Montanas inklusive deren geistigen Eigentums sammeln, um Wirtschafts- und internationale Spionage zu betreiben. TikTok sei, wie andere chinesische Unternehmen auch, eine hundertprozentige Tochter von Bytedance und stehe unter der Kontrolle und Aufsicht der Regierung Chinas, die den Videodienst anweisen könne, Nutzerdaten an Peking weiterzugeben â inklusive Echtzeitdaten wie etwa den Standort von AmtstrĂ€gern, Personen oder Journalisten, "die den Interessen der Kommunistischen Partei Chinas entgegenstehen" [3].
PrivatsphÀre und jugendgefÀhrdende Inhalte
Eine mögliche Weitergabe der illegal gesammelten Informationen verletze das Recht auf PrivatsphĂ€re in Montana auf "nicht hinnehmbare Weise". Statt die gefĂ€hrlichen TikTok-Challenges bei Jugendlichen zu unterbinden, habe das Unternehmen die "Mutproben" wie das Werfen von GegenstĂ€nden auf fahrende Autos, die ĂŒbermĂ€Ăige Einnahme von Medikamenten oder das HerbeifĂŒhren von Bewusstlosigkeit ("Blackout-Challenge") [4] sowie das Brechen von SchĂ€deln (Skullbreaker-Challenge) gefördert und prominent platziert, heiĂt es in dem Gesetzesentwurf [5] weiter. In dem Zusammenhang drohte auch die EU zu Beginn des Jahres mit einem TikTok-Verbot [6].
TikTok hat mehr als eine Milliarde Nutzer und ist die erfolgreichste Online-Plattform in westlichen LĂ€ndern, die nicht aus den USA stammt. Das Unternehmen weist alle VerdĂ€chtigungen zurĂŒck und betont, man sehe sich nicht als Tochter eines chinesischen Konzerns. Bytedance sei zu 60 Prozent im Besitz westlicher Investoren, der Firmensitz liege auf den Caymaninseln in der Karibik. Kritiker kontern, dass die chinesischen GrĂŒnder bei einem Anteil von 20 Prozent die Kontrolle dank höherer Stimmrechte hielten und Bytedance eine groĂe Zentrale in Peking habe.
Nach dem Votum des Parlaments in Montana zitierte der US-Sender CNN eine TikTok-Sprecherin mit den Worten, ihre Firma werde weiter fĂŒr die Rechte von Nutzern und Kreativen in dem Bundesstaat kĂ€mpfen.
Eine US-Demokratin sprach sich im vergangenen Monat gegen eine TikTok-Sperre aus und forderte strengere Datenschutzgesetze [7]. Bediensteten der EU-Kommission ist die Nutzung des Kurzvideodienstes seit Februar verboten [8].
(bme [10])
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[1] https://www.heise.de/news/TikTok-Immer-mehr-Verbote-in-US-Bundesstaaten-auf-mehr-Geraeten-blockiert-7432797.html
[2] https://www.heise.de/news/TikTok-Verfassungsschutz-hat-Bedenken-Chef-bei-US-Anhoerung-unter-Druck-7841408.html
[3] https://www.heise.de/news/Medien-Ermittlung-gegen-Bytedance-wegen-Ausspaehens-von-Journalisten-7550197.html
[4] https://www.heise.de/news/Blackout-Challenge-Eltern-verstorbener-Maedchen-verklagen-TikTok-7164013.html
[5] https://leg.mt.gov/bills/2023/billhtml/SB0419.htm
[6] https://www.heise.de/news/Lebensgefaehrliche-Videos-EU-droht-Tiktok-mit-Verbot-7464862.html
[7] https://www.heise.de/news/US-Demokratin-gegen-TikTok-Verbot-verlangt-strengere-Datenschutzgesetze-in-USA-8105719.html
[8] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-verbietet-TikTok-auf-Dienstgeraeten-7525569.html
[9] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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