Zahlen, bitte! Die Reise zum Mond in 13.375 Bildern
Seite 2: In der Höhe seines Schaffens
Nun ließ er seine Kreativität und seinem Pioniergeist in seinen Kurzfilmen ihren freien Lauf. War sein erster Film "Une partie de cartes" im Jahr 1896 noch ein eher dokumentarischer Film im Stile der Lumière-Brüder, inszenierte der Perfektionist Georges Méliès spätere Kurzgeschichten zum Teil mit für das damalige Auge unglaublichen Spezialeffekten, die die neuen Möglichkeiten des Kinos demonstrierten. Insgesamt drehte er von 1896 bis 1913 über 500 Stummfilme verschiedenster Art.
Sein bekanntester Film und für viele auch der erste echte Science-Fiction-Streifen ist der am 1. September 1902 uraufgeführte Film "Die Reise zum Mond", erkennbar inspiriert von den Romanen "Von der Erde zum Mond" von Jules Verne und H. G. Wells Buch "Die ersten Menschen auf dem Mond". In knapp 16 Minuten zeigte der Film wie sich mehrere Forscher mit einem Projektil zum Mond schießen ließen und auf der Mondoberfläche in turbulente Begegnungen mit kampflustigen Außerirdischen gerieten.
(La Voyage dans la Lune)
Hohes finanzielles Risiko
In diesem Film, der in der Produktion 100.000 Francs kostete und damit für ihn ein hohes finanzielles Risiko barg, zog Georges Méliès als Perfektionist alle Register seines Könnens. Mit allen Tricks die Theaterbühne zu bieten hatte und speziellen Effekten, die nur durch Kamerabilder möglich waren, wie Mehrfachbelichtungen, Stopp-Motion-Technik, Split-Screens erzählte Georges Méliès eine kurzweilige Geschichte.
In Verbindung mit einem fantasievollen Bühnenbild schuf Georges Méliès nicht nur ikonenhafte Bilder, aus denen sich spätere Künstler wie Queen oder The Smashing Pumpkins bedienten oder inspirierten. Er zeigte auch auf, zu welchen starken Erzählungen die Kinotechnik fähig ist und schuf damit die Grundlage für die später so dominierende Filmindustrie.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Kolorierte Fassung wiederentdeckt
Georges Méliès experimentierte zudem in Farbdarstellungen. Er ließ eine komplett handcolorierte Fassung anfertigen, die später verschwand und erst 2002 – also 100 Jahre nach der Uraufführung – in Frankreich wiederentdeckt wurde. Der Film wurde für 400.000 € Kosten aufwendig restauriert. Insgesamt wurden 13.375 Einzelbilder bearbeitet. Was zu sehr beschädigt war, wurde aus der schwarz-weiß-Fassung entnommen.
Die Vertonung übernahm das bekannte französische Synthiepop-Duo AIR, die nach eigener Aussage innerhalb von vier Wochen einen Soundtrack schaffen mussten, damit es der Film noch zum Filmfest nach Cannes 2011 schafft – pünktlich zum 150. Geburtstag des Filmmagiers. 2012 erschien die Fassung auf DVD, inklusive 65 minütiger Doku über die Entstehung von Film und Restauration.
Cineastische Pioniertaten waren kein finanzieller Erfolg
Wie so viele Pioniere ihrer Zeit war auch Georges Méliès das Glück nicht immer hold. Zwar wurde "Die Reise zum Mond" ein voller Erfolg, aber in den USA nahm er damit kein Geld damit ein. Ein Edison-Mitarbeiter kopierte den Film unbemerkt und verbreitete ihn in Nordamerika, sodass der dort unter anderen Namen verbreitet wurde, ohne das der Urheber dafür Tantiemen sah.
Während des Ersten Weltkriegs versuchte sich Georges Méliès als Varietekünstler, jedoch ohne Erfolg. Er musste Bankrott anmelden und 1923 seine Filmsammlung verkaufen. Einen Teil der Bühnenausstattung und Filmkopien verbrannte er zudem aus Frust über seine Erfolglosigkeit. Daher sind heute nur noch etwa 200 Filme erhalten geblieben.
Er geriet in Vergessenheit – bis 1929 Journalisten über ihn und sein Werk berichteten. Dank dieser Publicity wurde ihm 1932 ermöglicht, seine letzten Lebensjahre bis zu seinem Tod 1938 in einer Altersresidenz in Oly zu verbringen. Im 2012 erschienenen 3D-Film Hugo Cabret, wurde Georges Méliès ein liebevoll inszeniertes und würdiges Denkmal gesetzt: der Film, der fünf Oscars abräumte, galt als eine hervorragende Umsetzung der zu dem Zeitpunkt neuen 3D-Technik. (mawi)