Sonos verklagt Google wegen Patentverletzung bei Lautsprechern
Mit drahtlosen Lautsprechern soll Google 100 Sonos-Patente verletzt haben, 5 landen nun vor Gericht. Google zeiht Sonos ebenfalls der Patentverletzung.
Sonos verklagt Google wegen der Verletzung von fünf US-Patenten. Bei dem Streit geht es um Verfahren zur drahtlosen Anbindung und Steuerung von Lautsprechern, wie sie Google bei Geräten der Serien Chromecast Audio, Home, Nest und Pixel einsetzen soll. Jahrelange Verhandlungen hätten kein zufriedenstellendes Ergebnis gezeitigt, weshalb Sonos nun den Rechtsweg beschreitet. Google stellt die Vorwürfe in Abrede und hätte lieber weiterverhandelt.
Neben einer Klage vor dem Bundesbezirksgericht fĂĽr Zentralkalifornien hat der Lautsprecherspezialist auch eine Beschwerde bei der Internationalen Handelskommission der USA eingereicht. In seiner wortreichen Klageschrift rĂĽhmt sich das Unternehmen, Installation und Betrieb drahtloser Lautsprecher und Lautsprechergruppen revolutioniert und ĂĽber 750 Patente erwirkt zu haben.
Seit 2016 wurde verhandelt
2013 hat Sonos eine Partnerschaft mit Google zwecks Einbindung eines Musikstreamingangebots begonnen, in deren Rahmen Sonos Unterlagen über die eigenen Geräte übermittelt hat. Zwei Jahre später habe Google das erste patentverletzende Produkt auf den Markt gebracht: Chromecast Audio, ein Stöpsel, mit dem herkömmliche Lautsprecher drahtlos angebunden werden können.
2016 hat Google seinen ersten Home-Lautsprecher vorgestellt. Es folgten zahlreiche weiterere Modelle vernetzter Lautsprecher der Home- und Nest-Serien, die Sonos als illegal erachtet. Dazu kommen diverse Pixel-Handys, -Tablets und -Laptops, mit denen sich die Anlagen steuern lassen, worin der Kläger ebenfalls seine Rechte verletzt sieht.
Seit 2016 hat Sonos nach eigenen Angaben Google vier mal auf Patentverletzungen aufmerksam gemacht, im Februar 2019 war die Liste der angeblich verletzten Monopolrechte auf einhundert angewachsen. Im Gegenzug soll Google seinerseits Sonos Patentverletzungen vorgeworfen haben, ohne aber konkrete Angaben zu machen. Auf einen Lizenzvorschlag Sonos' hat Google mit einem Gegenvorschlag reagiert, den der Patentinhaber als zu billig erachtet.
Dumpingpreise fĂĽr mehr Werbeeinnahmen
Eine bezifferte Geldforderung enthält die am Dienstag eingebrachte Klage noch nicht. Sonos verweist auf die Milliardenumsätze, die Google mit den genannten Geräteserien gemacht hat. Dazu kämen erhebliche Einnahmen aus Datenauswertung und Reklame, Streaming-Abonnements sowie Vermittlungsgebühren für mündlich aufgegebene Bestellungen. Diese Einnahmen erlaubten Google (wie auch Amazon), eigene Geräte zu unter den Gestehungskosten zu verkaufen oder gar zu verschenken, was Sonos Absatz besonders schädige.
Die fĂĽnf vorgebrachten US-Patente sind:
Patentnummer | Bezeichnung |
8,588,949 | Method and apparatus for adjusting volume levels in a multi-zone system |
9,195,258 | System and method for synchronizing operations among a plurality of independently clocked digital data processing devices |
9,219,959 | Multi-channel pairing in a media system |
10,209,953 | Playback device |
10,439,896 | Playback device connection |
Sonos behauptet allerdings nicht, dass Google bestimmte Chips oder Gerätekonstruktionen kopiert habe. Vielmehr geht es um das Vorgehen bei Installation und Nutzung, was in den Patenten sehr allgemein beschrieben wird. Beispielsweise bezieht sich der behauptete Anspruch des jüngsten Patents auf ein Computergerät mit User Interface, Netzwerkanschluss, mindestens einem Prozessor und Speicher samt Programmcode, wo der User mittels graphischem User Interface (GUI) den Wunsch nach Tonwiedergabe über ein gesichertes WLAN übertragen kann und dann eine erste Antwort erhält, dass ein Wiedergabegerät zur Installation bereitsteht.
Entsprechend zeiht Sonos Google nicht nur der vorsätzlichen Patentverletzung sondern auch der Anstiftung zur Patentverletzung durch die Benutzer der Geräte. So deutet der Kläger darauf hin, auch einzelne Verbraucher vor Gericht bringen zu können.
Sonos
Die Klage Sonos v. Google ist seit Dienstag am US Bundesbezirksgericht für Zentralkalifornien unter dem Az. 2:20-cv-00169 anhängig. Der Kläger begehrt ein Verfahren mit Geschworenen.
(ds)