Die jungen Wilden: Madeleine Neumann
Seite 2: Das Leben als Konferenzorganisatorin
heise Developer: Vielen bist du wahrscheinlich als Organisatorin der RuhrJS bekannt. Wie kam es dazu und was begeistert dich an der Arbeit?
Neumann: Die RuhrJS ist der verlängerte Arm der PottJS Usergroup, die ich alle drei Monate im Ruhrgebiet organisiere. Die erste PottJS, die ich organisierte, fand in kleiner Runde mit circa 20 Leuten statt. Mit jeder weiteren PottJS brauchten wir mehr Platz. Meist waren die Plätze schon am ersten Tag komplett ausgebucht. Als wir die Veranstaltung dann im Büro der Gründer von angularjs.de in Essen hatten, hat Robin Böhm mir dann die Domains ruhrjs.de und ruhrjs.com angeboten, als wir bei einem Bier herumgesponnen haben, wie cool so eine Konferenz im Ruhrgebiet wäre.
Die Spinnerei wurde dann schnell ernst, als ich am nächsten Tag mit meinem Chef Sebastian sprach, ob ich nicht eine Konferenz organisieren könnte. Nach einem lauten Lachen und der Frage, ob ich das ernst meine und dass es ein ziemlicher Haufen Arbeit sei, sind die Pläne schnell konkret geworden.
Mich begeistert am meisten zu sehen, dass man es schaffen kann, großartige Entwickler/innen nach Bochum zu bekommen. Mit der RuhrJS möchte ich der Community etwas zurückgeben, von dem ich zuvor profitiert habe. Mich hat die Teilnahme durch das Diversity-Programm an der JSConf.eu ermutigt, überhaupt in Betracht zu ziehen, beruflich zu programmieren. Das ist einer der Gründe, weshalb ich sehr viel Zeit der Organisation in das Thema Diversität stecke. Für mich ist es ein großer Erfolg, wenn die Leute, die an der RuhrJS teilnehmen, etwas mitnehmen können: Seien es coole Kontakte, ein neuer Job oder die Erkenntnis, Programmierer/in werden zu wollen.
Bei beiden RuhrJS habe ich mich vorher gefragt: Warum tust du dir den ganzen Stress und den Schlafmangel eigentlich an? Sobald die Konferenz aber vorbei war, wusste ich wieder warum.
heise Developer: Was gefällt dir besonders an der Community?
Neumann: FĂĽr mich ist die Community ein Safespace. Ich werde nicht aufgrund meines Geschlechts herabgewĂĽrdigt, wie in der Berufsschule. Die gegenseitige UnterstĂĽtzung ist groĂźartig. Wir helfen uns gegenseitig aus, wenn beispielsweise auf den Konferenzen selbst mal Helfer ausfallen oder andere unvorhersehbare Dinge passieren.
heise Developer: Wie wirst du als junge Entwicklerin und Konferenzorganisatorin vom Publikum wahrgenommen?
Neumann: Darauf kann ich keine Antwort geben, da ich die Leute nicht danach frage, wie sie mich finden.
heise Developer: Was wĂĽrdest du jungen Entwicklern fĂĽr ihren Werdegang empfehlen?
Neumann: Einfach machen! Wenn man etwas wirklich möchte, muss man manche Sachen einfach selbst in die Hand nehmen. Das kann das Programmieren sein oder auch die Organisation einer Usergroup/Konferenz.
heise Developer: Wovon wĂĽrdest du abraten?
Neumann: Wenn jemand versucht, euch einzureden, ihr seid zu alt, um etwas Neues zu lernen oder den Job zu wechseln, dann hört einfach nicht drauf. Ich war 27, als ich den Job gewechselt habe.
heise Developer: Was machst du, wenn du nicht gerade programmierst oder Konferenzen organisierst?
Bisher bei den "Jungen Wilden"
Neumann: Zum Leidwesen meiner Umgebung singe ich sehr gerne. Ich gehe gerne zum Sport und lese sehr viel in meiner Freizeit.
heise Developer: Wen wĂĽrdest du gerne in dieser Interviewreihe sehen?
Neumann: Felicitas Kugland. Sie kann sehr viele Einblicke in das Thema Community/Organisation von Tech-Events und Development liefern.
heise Developer: Ein paar eigene Worte zum Schluss?
Neumann: Singt mehr Karaoke!
Du bist selbst ein junger Entwickler oder kennst jemanden, von dem du gerne ein Interview in dieser Serie lesen wĂĽrdest? Schreib uns doch einfach eine E-Mail. Wir freuen uns auf deinen Vorschlag! (bbo)