Know-how Farben (Teil 2): Farbprofil und Displaydarstellung

Seite 2: Farbräume im Vergleich

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Die folgende Abbildung zeigt den Teststreifen in vier unterschiedlich großen Farbräumen. Wir haben angenommen, dass Sie ein außergewöhnlich farbenfrohes Motiv mit einer Super-Spitzenkamera aufgenommen und das Raw-Bild in vier unterschiedliche Farbräume entwickelt haben: Das sehr große Prophoto RGB, das mittelgroße suitRGB sowie in Adobe RGB und sRGB. Die hochgesättigten Farben (obere Hälfte des Keils) liegen am Rand des Prophoto-Farbraum, aber weit außerhalb der anderen Farbräume. Die Pastellfarben (untere Hälfte) liegen dagegen innerhalb aller vier Farbräume. Und so sehen die vier Varianten auf Ihrem Display aus, wenn Farbmanagement abgeschaltet ist (wir haben die Einzelbilder ohne Profil auf diese Webseite gestellt, was das gleiche bewirkt).

Unser Teststreifen mit teilweise sehr kräftigen Farben wurde aus dem Prophoto-Farbraum in drei kleinere Farbräume konvertiert. Ist die Darstellung bei größeren Farbräumen wirklich besser?

(Bild: Ralph Altmann)

Unabhängig vom Farbumfang Ihres Monitors sollte eins deutlich sichtbar sein: Die Pastellfarben wirken in den größeren Farbräumen weniger gesättigt als in den kleineren. Auf einem Monitor mit annähernd sRGB-Farbumfang schneidet das sRGB-Bild in der Darstellung der Pastellfarben am besten ab. Diese kommen (das müssen Sie jetzt glauben, da sich das Originalbild im Prophoto-Farbraum auf keinem Monitor farbrichtig darstellen lässt) auch den Originalfarben am nächsten. Die Gründe dafür haben wir im ersten Teil der Serie erläutert. Einen Nachteil hat die relativ gute Darstellung der Pastellfarben aber auch: Diese nähern sich dadurch den eigentlich kräftigeren, aber (wegen des begrenzten Display-Farbumfangs) nicht kräftig genug dargestellten Farben an. Die im Originalbild vorhandenen Unterschiede werden geringer. Solche Differenzierungen bleiben bei Verwendung größerer Arbeitsfarbräume besser erhalten.

So sollten die Farbkeile auf einem Display mit kleinem Farbumfang (sRGB) angezeigt werden

(Bild: Ralph Altmann)

Sollte das Display, mit dem Sie diesen Artikel lesen, einen größeren Farbumfang als sRGB haben, verschiebt sich auch die „beste Darstellung“ zu einem größeren Farbraum. Viele moderne Handy- und Tablet-Displays können dank AMOLED-Technik auch stark gesättigte Farben darstellen, bieten aber kein Farbmanagement. Bilder im kleinen sRGB-Farbraum werden darauf übertrieben bunt angezeigt. Wenn Sie solch ein Display zur Hand haben, zeigt vermutlich der Farbkeil im suitRGB-Farbraum die natürlichsten, dem Original am genauesten entsprechenden Farben. Für Displays, die sich an den sRGB-Standard halten – wie alle Apple-Mobilgeräte – ist ein größerer Farbraum jedoch kontraproduktiv. Das wird sich erst ändern, wenn auch Mobilgeräte Farbmanagement unterstützen.

So sollten die Farbkeile auf einem Display mit groĂźem Farbumfang (suitRGB) angezeigt werden

(Bild: Ralph Altmann)

Sobald mit Farbmanagement gearbeitet wird, existieren alle diese Entscheidungsprobleme nicht mehr. Dann kann der Farbraum des Monitors gar nicht groß genug sein. Für die anzuzeigenden Bilder gilt prinzipiell das gleiche, jedoch mit wichtigen Einschränkungen, auf die wir in der nächsten Folge zu sprechen kommen. (keh)