Punycode - Umlaute und Sonderzeichen in Domainnamen

Seite 3: Umlaute in Deutschland

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Technisch ist es mit IDNA möglich, fast jedes beliebige Unicode-Zeichen in Domainnamen zu verwenden. Doch können die Hüter der verschiedenen Top-Level-Domains den Zeichenvorrat individuell einschränken, und das haben sie auch vor. Das für die Top-Level-Domain .de zuständige DeNIC nimmt seit dem 1. März 2004 Domainregistrierungen mit Sonderzeichen entgegen. Dort hat man 92 neue Zeichen ausgewählt, und zwar so ziemlich alle erdenklichen Kombinationen lateinischer Buchstaben mit Accents, Kringeln und Strichen, aber keine asiatischen, arabischen oder sonstigen Sonderzeichen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Anwender den Namen einer .de-Domain auf einer deutschen Tastatur auch tatsächlich eingeben können.

Österreich (.at) zog mit dem gleichen Zeichenvorrat nach, während die Schweizer ihre Domain .ch um lediglich 31 neue Zeichen erweiterten. Kollege Dušan Živadinović kann also in Deutschland und Österreich all seine Häkchen haben, nicht jedoch in der Schweiz.

Solche Beschränkungen liegen durchaus im Interesse der Nutzer, denn sie helfen, Phishing-Attacken zu vermeiden. Schon ganz zu Anfang der IDN-Entwicklung fiel auf, dass mit gleich aussehenden Buchstaben aus verschiedenen Schriften Hacker dem Internetsurfer ihre Seiten unterschieben könnten. Der Link http://www.heіse.de sieht unverfänglich aus, enthält aber bei genauerer Betrachtung kein i, sondern ein kyrillisches Zeichen, das genauso aussieht.

Die für die Top-Level-Domains (TLDs) .de, .at und .ch zuständigen Stellen schließen solche Tricks aus, indem sie gleich aussehende Buchstaben nicht erlauben. Bei weniger restriktiven Registraren muss der User die Augen offen halten. Dabei hilft Firefox, indem er in manchen TLDs den Punycode statt der Umlaut-Variante im Adressfeld anzeigt.

Nachdem die Einführung von Sonderzeichen in den Domain-Namen so reibungslos geklappt hat, entsteht bei den Schreibern von Sprachen mit Nicht-ASCII-Schriftzeichen der Wunsch nach weiterer Internationalisierung. Top-Level-Domains sind schon recht weit gediehen, aber bei der E-Mail geht es bislang noch langsam voran. Lieschen@müller.de könnte zwar Mails empfangen, aber ihr Bruder Jürgen müsste aufpassen, denn der IDNA-Standard bezieht sich nur auf Domainnamen, also alles, was rechts vom @ steht. In der Welt links vom @ gelten die alten Regeln, und so müsste sich Jürgen vorerst mit juergen@müller.de begnügen.

Doch Rettung ist unterwegs: Im September veröffentlichte die IETF den RFC 5335, der die Internationalisierung von E-Mail-Headern beschreibt. Anders als beim DNS mit Punycode setzen die Internet-Ingenieure auf Umstellungen in der Infrastrukur und Erweiterungen der Protokolle (RFC 5336). Dafür müssen nicht nur die Mail-Client- und -Server-Programme umgeschreiben werden; auch die Anwender und Provider müssen handeln indem sie die neue Software installieren. Bis Jürgen die erste E-Mail an seine Umlaut-Adresse bekommt, dürfte noch einige Zeit vergehen. (je/c't) ()