c't Fotografie extra 8/2020
S. 140
Fotografieren in einer Klamm
Aufmacherbild
GEHEIMNISVOLLE SCHLUCHTEN Ein kleiner Wasserfall rauscht in ein Becken der Tscheppaschlucht in Österreich. Fujifilm X-H1 | 44 mm | ISO 400 | f/8.0 | 2 s

FASZINATION KLAMM-FOTOGRAFIE

Sie sind ein Eldorado für Naturfotografen: bunte Felsen, wunderschöne Auswaschungen, Wasserfälle und Strudeltöpfe. Klamm-Täler beherbergen eine große Vielfalt an Motiven. Diese muss man sich meist erlaufen, doch während das Wasser neben dem Wanderweg rauscht, steigt die Vorfreude mit jedem Schritt. Also schultern Sie Ihren Fotorucksack und los geht’s!

Schluchten und Klammen sind faszinierende Naturschauspiele. Kraftvoll und gewaltig tosen die Wassermassen zwischen schroffen Felsen hindurch. Eine beeindruckende Erfahrung, die ich nur jedem natur- und wanderbegeisterten Fotografen ans Herz legen kann.

Eine Klamm ist ein im Gebirge eingeschnittenes, schmales Tal. Meist fließt ein kleinerer oder größerer Bach hindurch. Das typische Merkmal sind jedoch die nahezu senkrechten, teilweise sogar überhängenden Felswände. In ihnen liegt der Unterschied zu einer Schlucht, deren Wände weniger steil sind.

Die meisten Klammen entstanden bereits vor vielen tausend Jahren. Als die damaligen Gletscher schmolzen, transportierten die abfließenden Wassermassen unvorstellbare Mengen an Schutt und Geröll mit ins Tal. Die so entstandenen Flüsse besaßen dadurch eine ungeheure Erosionskraft. Tief schnitten sie sich in das Gestein ein und schufen so die heutigen Klammen. In abgeschwächter Form vertieft das Wasser sie auch heute noch. Damit sie besichtigt werden können, wurden Wanderwege, Steiganlagen, Leitern und Stufen angelegt.

Es gibt eine große Anzahl Klammen und Schluchten in meinem Heimatland Österreich sowie der gesamten Alpenregion. Aber auch im weiter entfernten Ausland finden Sie ähnliche Orte, von denen ich Ihnen ab Seite 148 einige vorstellen möchte.

Anforderungen und Voraussetzungen

Es gibt viele verschiedene Arten von Klammen. Sie zu durchwandern ist nicht immer einfach und stellt mitunter einige Anforderungen an die eigene körperliche Fitness. Manche der Täler sind nur kurz, in anderen legen Sie mehrere Kilometer zu Fuß zurück und in vielen müssen Sie einige Höhenmeter überwinden. Wer bereits einige Klammen besucht hat, weiß, dass die Steganlagen oft aufgrund der Felsen sehr schmal werden. Je nach Körpergröße müssen Sie im Vorbeigehen sogar den Kopf einziehen.

TSCHEPPASCHLUCHT Holzstufen führen nach oben in die Tscheppaschlucht. Fujifilm X-H1 | 10 mm | ISO 800 | f/7.1 | 1/15 s

Eine Klammbegehung erfolgt immer auf eigene Gefahr, daher sollten Sie sich vorher genau informieren, was auf Sie zukommt. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind notwendig. Steiganlagen und Holztreppen sowie -geländer sind häufig nass und rutschig. Außerdem befinden sich manche Stege in schwindelerregender Höhe inmitten der Klamm. Diese kosten mich gelegentlich ein bisschen Überwindung. Aufgrund der Enge mancher Steiganlagen und Leitern lassen sich einige Klammen in nur eine Richtung begehen, und zwar aufwärts. Der Rückweg erfolgt über einen gemütlichen Wander- oder Forstweg.

Einige Wanderwege in den Klammen führen direkt am Bach entlang. Nehmen Sie dann so wie ich Gummistiefel mit, können Sie sich auch im Wasser fortbewegen. Bei höherem Wasserstand ist eine Wathose von Vorteil. Selbstverständlich sollten Sie trotzdem Sorgfalt walten lassen, denn die nassen Steine im Flussbett sind immer sehr rutschig. Unterschätzen Sie auch in keinem Fall die Strömung.

Eine Regenjacke gehört ebenfalls zu meiner Standardausrüstung. Es tropft immer wieder von den höher liegenden Felsen herab und die spritzende Gischt der Wasserfälle tut ihr Übriges.

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