Black or White
Dell XPS 13 (9370) im Glasfasergeflecht statt Karbon
Dells edle XPS-Notebooks sind mit ihren schwarzen Karbongehäusen auf den ersten Blick identifizierbar. Das 2018er-Modell des XPS 13 kommt mit überarbeiteten Schnittstellen und einem weiteren Gehäusematerial daher: weißes Glasfasergeflecht.
Das seit 2012 in etlichen Iterationen erhältliche XPS 13 hat sich im Laufe der Zeit ein ordentliches Renommee aufgebaut: Unter den hochpreisigen 13,3-Zoll-Notebooks war das Dell-Gerät stets eines der beliebtesten, vereinte es doch immer hohe Performance und gute Bildschirme mit geringem Gewicht, sehr langer Laufzeit und topaktuellen Komponenten. Die 2015er-Generation war zudem das erste Notebook überhaupt mit besonders schlanken Bildschirmrändern.
Mit der 2018er-Auflage – intern XPS 13 (9370) genannt – hält nun ein neuer Werkstoff Einzug. Alternativ zum altgedienten dunklen Sichtkarbon gibt es neuerdings ein weißes Geflecht aus Glasfasern. Laut Dell wurde der Wunsch nach einer anderen Gehäusefarbe schon öfter geäußert, doch mit Kohlefasern habe man dies nicht hinbekommen – die sind nun mal schwarz und lassen sich nur schlecht einfärben.
Während man das dunkle Kohlefasergeflecht nur sieht, kann man die verwobenen Glasfaserstränge auch fühlen, wenn man mit dem Finger über die Handballenablage fährt. Der bei schwarzen Geräten obligatorische Silikonüberzug fehlt. Stattdessen kommt laut Dell eine andere Beschichtung zum Einsatz, die Schmutz und Fett abwehrt – schließlich soll das Gehäuse nicht vergilben und vergammeln. Alltagserfahrungen, wie gut das klappt, dürften erst in ein paar Monaten vorliegen; das Testgerät war eines der ersten ausgelieferten weißen XPS 13.
Passend zur weißen Handballenablage ist auch der Bildschirmrahmen weiß. Deckelaußenseite und Bodenplatte bestehen hingegen aus Aluminium. Bei Kohlefaser-Modellen ist dieses in Silber gehalten, bei den Glasfaser-Modellen in Roségold.
Bei Redaktionsschluss gab es das weiße Gehäuse nur in der hier getesteten Ausstattungsvariante für 1700 Euro, die Dells hauseigenem Online-Shop vorbehalten war. Alle anderen Ausstattungsvarianten hatten schwarze Kohlefasergehäuse; ihre Preise lagen zwischen 1300 Euro (Core i5-8250U, 8 GByte, 256er-SSD) und 2150 Euro (Core i7-8550U, 16 GByte, 1-TByte-SSD). Der Core-i7-Vierkern erzielte im Testgerät eine außergewöhnlich hohe Rechenleistung, wie man sie nur in wenigen anderen Notebooks vorfindet.
Display
In manchen teureren Ausstattungsvarianten stecken Touchscreens mit 4K-Auflösung, in günstigeren Konfigurationen (und im Testgerät) Full-HD-Bildschirme ohne Fingerbedienbarkeit. Anders als bei bisherigen XPS-13-Generationen sind letztere nicht mehr matt, sondern werden von einer Glasscheibe mit aufgedampfter Entspiegelungsschicht geschützt. Beide Bildschirmvarianten sind dank IPS-Technik blickwinkelunabhängig.
In vergangenen XPS-13-Generationen hatte sich Dell mit einer vom Bildinhalt abhängigen Helligkeitsautomatik – mal CABC (Content Adaptive Brightness Control) und mal DBC (Dynamic Backlight Control) genannt – wenig Freunde gemacht, weil sie dem Kunden per unveränderlicher BIOS-Voreinstellung aufgezwungen wurde. Versprochene BIOS-Updates mit Änderungsmöglichkeiten kamen nie oder spät – für Full-HD-Varianten des Vorgängers XPS 13 (9360) etwa erst im Januar 2018 [1]. Beim neuen XPS 13 (9370) ist das leidige Thema dank eines Umschalters im BIOS-Setup endlich abgehakt.
Weil 4K-Displays stromhungriger sind als Panels mit geringerer Auflösung, dürften hochauflösende XPS 13 geringere Laufzeiten erreichen als das Testgerät, das bis zu zwanzig Stunden durchgehalten hat. Eine aus fünf LEDs bestehende seitliche Ladestandanzeige verrät auf Knopfdruck auch bei ausgeschaltetem Notebook den Akkufüllstand.
Schnittstellen
Klassische USB-A-Buchsen findet man nicht mehr, wohl aber gleich drei USB-C-Anschlüsse. Alle drei liefern außer USB- auch DisplayPort-Signale und können zum Laden des Notebook-Akkus verwendet werden. Die zwei linken Buchsen beherrschen zusätzlich Thunderbolt 3, etwa für externe Grafikkarten (siehe S. 94). In den Kartenleser passen nur MicroSD-Kärtchen.
Die Tastatur hat ausreichend Hub und gibt beim Tippen mit präzisem Druckpunkt das benötigte Feedback, um flüssig schreiben zu können. Der einzeilige Cursortastenblock wurde um zwei Tasten (Bild Auf/Ab) erweitert; Pos1 und Ende bekommt man nur per Fn-Tastenkombination. Die weiße Beleuchtung der weißen Tasten führt bei Schummerlicht mitunter dazu, dass man die Beschriftung mangels Kontrast nur schwer entziffern kann.
Die Webcam befindet sich wegen des schmalen oberen Bildschirmrands weiterhin unterhalb des Bildschirms; immerhin ist sie nun vom linken Rand in die Mitte gewandert. Auch ist eine IR-Kamera zur Unterstützung von Windows Hello hinzugekommen. Alternativ kann man sich über den im Einschalter platzierten Fingerabdruckleser biometrisch bei Windows anmelden.
Dell verkauft das neue XPS 13 wahlweise mit Linux. Auf den nur im englischen Sprachraum Developer Edition genannten Modellen ist ein angepasstes Ubuntu 16.04 vorinstalliert. Die Linux-Installation durch Dell bewahrt einen zwar nicht vor Problemen [2], doch man hat dann immerhin einen Reklamationsanspruch.
Fazit
Das XPS 13 ist auch in der 2018er-Iteration ein leichtes 13,3-Zoll-Notebook mit flachem Gehäuse, langer Laufzeit, hoher Prozessorleistung und tollen Bildschirmen geblieben. Trotzdem weinen wir dem direkten Vorgänger etwas hinterher, weil der noch ein mattes Full-HD-Display, USB-A nebst Thunderbolt-USB-C und einen normalgroßen SD-Kartenleser geboten hat. (mue@ct.de)