Drei gewinnt
Android-Smartphones Motorola Edge 20 Lite, Edge 20 & Edge 20 Pro
OLEDs, 5G und gute Kameras bieten alle drei Smartphones der Edge-20-Serie von Motorola. Doch welches soll man nehmen?
Von erschwinglich bis Oberklasse: Motorolas Edge-20-Serie soll eine breite Käuferschicht ansprechen. Los gehts ab 350 Euro mit dem Edge 20 Lite, das viele Vorzüge der teureren Modelle Edge 20 und 20 Pro übernimmt.
Äußerlich unterscheiden sich die drei Smartphones wenig. Lediglich das Brot-und-Butter-Modell ohne Namensanhängsel, Edge 20, tanzt mit flachem Rücken und kantigem Rahmen aus der Reihe. Etwas dicker tragen die Gehäuse der Pro- und Lite-Variante mit abgerundeter Rückseite auf. Glas verwendet Motorola einzig für den Rücken des teuersten Modells 20 Pro. Die der beiden anderen Smartphones bestehen aus Kunststoff. Das sieht man nicht sofort, aber man spürt es: Wenn man mit etwas Druck mit den Fingern darüber fährt, geben die Plastikrückseiten leicht nach, knarzen aber nicht. Gegen Wasser und Staub sind die Geräte offiziell nur eingeschränkt geschützt. Die Schutzart IP52 besagt, dass sie vor Staub in schädigender Menge gefeit sind – staubdicht sind sie aber nicht und wasserdicht ebenso wenig. Immerhin kann man sie im Regen benutzen, oder wie Motorola es ausdrückt, halten sie Tropfwasser stand, wenn das Gehäuse bis zu 15 Grad geneigt ist.
Volle Ausstattung
Größere Unterschiede gibt es im Innern. So arbeitet im Einstiegsmodell ein SoC von MediaTek, während die beiden anderen Geräte mit Chipsätzen von Qualcomm ausgestattet sind. Dank integriertem 5G-Modem funken alle drei im gegenwärtig aktuellen Standard, Wi-Fi 6 fehlt nur dem Einstiegsmodell. Unterschiede offenbaren sich in Sachen Performance. Grafik-Benchmarks attestieren dem SoC Snapdragon 870 im Pro fast die vierfache Leistung des Dimensity 720 im Lite. Enger beieinander liegen die Smartphones im Rechenbetrieb. Auswirkungen im Alltag hat das selten, da alle Anwendungen auch auf schwächere SoCs abgestimmt sind. Ressourcenhungrige 3D-Spiele wie PUBG lassen sich auf Edge 20 und 20 Pro mit höherer Bildwiederholrate und feinerer Auflösung spielen. Zudem haben diese größere Leistungsreserven für zukünftige Anwendungen. Mit 8 GByte Hauptspeicher hält schon das Lite mehrere Anwendungen im Hintergrund geöffnet, ohne ins Stottern zu geraten. Die Flashspeicher-Größe aller drei ist üblich für die Preisklasse; wer mehr Speicher braucht, kann einzig das Lite um maximal 1 TByte per MicroSDXC-Karte erweitern – dann findet jedoch keine zweite SIM-Karte mehr Platz im Schubfach.
Alle drei Modelle haben OLEDs. Dass Motorola auch für das Lite ein hochwertiges, weil kontraststarkes und farbkräftiges OLED-Panel verwendet, ist in der 350-Euro-Klasse keine Selbstverständlichkeit. Wie die der anderen hat die Anzeige 2340 × 1080 Pixel und unterstützt eine maximale Bildwiederholrate von 90 Hertz. Die höhere Bildrate stellt Scrollen oder Spiele, die höhere Bildraten unterstützen, flüssiger dar. Für die beiden teureren Modelle legt Motorola noch eine Schippe drauf: 144 Hertz oder eine variable Bildrate bis 120 Hertz, jeweils an den Inhalt angepasst. In hellen Umgebungen lassen sich die helleren Displays im Edge 20 und Edge 20 Pro leichter ablesen. Die maximale Helligkeit von 423 cd/m2 des Lite reicht aber auch noch gerade so in der Sonne.
Unterschiedliche Triple-Kameras
Alle drei Modelle hat Motorola mit einer weitwinkligen Hauptkamera und einem zusätzlichen Ultraweitwinkel bestückt. Edge 20 und 20 Pro knipsen zudem mit einer Telekamera. Für die Hauptkamera aller drei Smartphones verwendet Motorola einen 108-Megapixel-Sensor. Solche hochauflösenden Sensoren verrichten vermehrt in Oberklasse-Smartphones ihren Dienst. Erfreulich, dass Motorola auch das Mittelklasse-Smartphone der Reihe mit dem relativ großen 1/1,52-Zoll-Sensor ausstattet. Dank der verhältnismäßig großen Fläche sammelt der Sensor auch in schummriger Umgebung genügend Licht für brauchbare Fotos.
Im Hellen machen die Smartphones ansprechende Fotos. Mit Blick auf die Details fällt auf, dass die Software relativ stark nachschärft und die Kontraste verstärkt. Die beiden teureren Modelle hellen die Fotos stärker auf als das Einstiegsmodell. Im Dunkeln haben die beiden teureren Modelle Vorteile, was auch auf die unterschiedlichen Bildsignalprozessoren der verwendeten Chipsätze von MediaTek im Lite und Qualcomm in den beiden teureren Smartphones zurückzuführen sein dürfte.
Die Ultraweitwinkel tun das, was viele Ultraweitwinkelkameras in Smartphones tun: Sie vermatschen die Details, liefern aber spektakuläre Aufnahmen – im Falle der Motorolas mit einem Bildwinkel von knapp 120°. Mit den 16-Megapixel-Sensoren in Edge 20 und 20 Pro gelingen etwas detailreichere Fotos als mit dem Lite (8 Megapixel).
Auf dem Laufzeitenprüfstand schlägt sich die Edge-20-Serie insgesamt wacker. Wenn das Lite stark gefordert ist, geht ihm etwas schneller die Puste aus. Größere Unterschiede sind aber nicht auszumachen. Die gemessenen Laufzeiten taugen allesamt für zwei Tage moderater Nutzung. Die Ladezeiten zwischen einer und anderthalb Stunden gehen in Ordnung, es gibt aber deutlich schnellere Konkurrenten: Das OnePlus Nord 2 [1] ist in weniger als einer halben Stunde geladen. Allen Edge-Smartphones liegt das gleiche 30-Watt-Netzteil bei, drahtlos per Qi laden sie nicht.
Kaum Bloatware und Desktopmodus
Die Android-Bedienoberfläche belässt Motorola nahe am Google-Original. Die Menüführung ist die vom Stock-Android bekannte. Ab Werk befinden sich kaum zusätzliche Apps auf dem Gerät, das um einige nützliche Funktionen erweitert ist: Hält man das Smartphone in der Hand und hackt damit in der Luft, schaltet sich die Kamera ein, zweifaches Tippen auf den Einschalter öffnet eine Übersicht häufig genutzter Apps.
Wie bereits das Moto G100 kann man auch das Edge 20 Pro als Notebookersatz mit Motorolas neuer Desktopumgebung Ready For [2] benutzen. Motorola legt dem Smartphone ein USB-C-auf-HDMI-Kabel bei. An einen Monitor angeschlossen stellt das Pro dort eine Desktopumgebung dar. Diese ist in Funktion und Aussehen Samsungs DeX [3] sehr ähnlich. Mit Tastatur und Maus verbunden lassen sich zum Beispiel Texte schreiben, Tabellen bearbeiten oder Fotos retuschieren. Edge 20 und 20 Lite geben über die USB-C-Buchse keine Bildsignale aus. Die Desktopumgebung haben sie trotzdem, sie ist aber sehr umständlich, da sie einen PC und eine spezielle Software von Motorola erfordert, die dann per USB-Kabel mit dem Handy Kontakt aufnimmt.
Nur zwei Jahre Updates
Was die Updates angeht, macht Motorola keine Unterschiede zwischen günstig und teuer: Alle drei Smartphones will der Hersteller nach eigenen Angaben mindestens mit zwei Upgrades auf neue Android-Versionen versorgen und zwei Jahre lang mit Sicherheitspatches im Zwei-Monats-Rhythmus beliefern. Demnach würden die Geräte, mit Android 11 auf den Markt gekommen, noch Android 13 erhalten und Sicherheitspatches nur bis August 2023. Das ist nicht sonderlich ambitioniert: Man muss nicht ins Apple-Lager schauen, um Smartphones mit besserer Update-Versorgung zu finden. Samsung verspricht für aktuelle Galaxy-Smartphones vier Jahre Updates, Nokia, OnePlus oder Xiaomi wollen zumindest ihre Topmodelle vier Jahre lang auf aktuellem Stand halten.
Fazit
Das Motorola Lite ist der heimliche Star der Edge-20-Serie. Es kostet nur halb so viel wie das Pro-Modell, bietet aber viele von dessen Vorzügen. Dazu gehören ein kontraststarker OLED-Bildschirm, die gute Hauptkamera und die langen Laufzeiten. Das Edge 20 fügt dem ein besonders flaches Gehäuse, eine Telekamera und einen potenteren Prozessor hinzu. Zum Pro greift, wer ein Smartphone sucht, das neben einem Fünffach-Tele auch eine brauchbare Desktopumgebung für große Monitore mitbringt. (rbr@ct.de)
| Motorola Edge 20-Serie | |||
| Modell | Edge 20 Lite | Edge 20 | Edge 20 Pro |
| Hersteller | Motorola | Motorola | Motorola |
| Betriebssystem | Android 11 | Android 11 | Android 11 |
| Patchlevel | Juli 2021 | Juli 2021 | Juli 2021 |
| Updates laut Hersteller bis min. | Android 13 / August 2023 | Android 13 / August 2023 | Android 13 / August 2023 |
| Ausstattung | |||
| Prozessor (Kerne × Takt) / Grafik | MediaTek Dimensity 720 (2 × 2 GHz, 6 × 2 GHz) / ARM Mali-G57 MC3 | Qualcomm Snapdragon 778 (1 × 2,4 GHz, 3 × 2,2 GHz, 4 × 1,9 GHz) / Qualcomm Adreno 642L | Qualcomm Snapdragon 870 (1 × 3,2 GHz, 3 × 2,4 GHz, 4 × 1,8 GHz) / Qualcomm Adreno 650 |
| Arbeitsspeicher / Flash-Speicher (frei) / Wechselspeicher (Format) /Dual-SIM | 8 GByte / 128 GByte (102 GByte) / ✓ (MicroSDCX) / ✓ | 8 GByte / 128 GByte (104 GByte) / – / ✓ | 12 GByte / 256 GByte (231 GByte) / – / ✓ |
| WLAN (Antennen) / 5 GHz | Wi-Fi 5 (2) / ✓ | Wi-Fi 6 (2) / ✓ | Wi-Fi 6 (2) / ✓ |
| Bluetooth / NFC / Kompass | 5.0 / ✓ / ✓ | 5.2 / ✓ / ✓ | 5.1 / ✓ / ✓ |
| GPS / Glonass / Beidou / Galileo | ✓ / ✓ / – / ✓ | ✓ / ✓ / – / ✓ | ✓ / ✓ / – / ✓ |
| 5G: DSS / Band 1 / 28 / 77 / 78 / 260 / 261 | ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / – / – | ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / – / – | ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / – / – |
| LTE / Band 1 / 3 / 7 / 8 / 20 / 28 / 32 | ✓ (Cat. 18/13) / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ | ✓ (Cat. 18/18) / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ | ✓ (Cat. 20/18) / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ / ✓ |
| Fingerabdrucksensor / Kopfhöreranschluss | ✓ (Einschalter) / ✓ | ✓ (Einschalter) / – | ✓ (Einschalter) / – |
| USB-Anschluss / OTG / DP | USB-C 2.0 / ✓ / – | USB-C 2.0 / ✓ / – | USB-C 3.1 / ✓ / ✓ |
| Akku / drahtlos ladbar | 5000 mAh / – | 4000 mAh / – | 4500 mAh / – |
| Abmessungen (H × B × T) / Gewicht / Schutzart | 16,6 cm × 7,6 cm × 0,8–1,2 cm / 185 g / IP52 | 16,3 cm × 7,6 cm × 0,7–1,1 cm / 185 g / IP52 | 16,3 cm × 7,6 cm × 0,8–1,1 cm / 190 g / IP52 |
| Kameras | |||
| Hauptkamera Auflösung / Blende / OIS / Bildwinkel | 108 MP (12000 × 9000) /ƒ/1,9 / – / 82° | 108 MP (12000 × 9000) / ƒ/1,9 / – / 82° | 108 MP (12000 × 9000) / ƒ/1,9 / – / 82° |
| Telekamera Auflösung / Blende / OIS / Brennweite | – | 8 MP (4000 × 3000)1 / ƒ/2,4 / ✓ / 79 mm (3 × ) | 8 MP (4000 × 3000)1 / ƒ/3,4 / ✓ / 126 mm (5 × ) |
| Weitwinkelkamera Auflösung / Blende / OIS / Brennweite | 8 MP (3264 × 2448) / ƒ/2,2 / – / 13 mm | 16 MP (4608 × 3456) / ƒ/2,2 / – / 13 mm | 16 MP (4608 × 3456) / ƒ/2,2 / – / 13 mm |
| Frontkamera Auflösung / Blende / OIS | 32 MP (6528 × 4896) / ƒ/2,2 / – | 32 MP (6528 × 4896) / ƒ/2,2 / – | 32 MP (6528 × 4896) / ƒ/2,2 / – |
| Display-Messungen | |||
| Diagonale / Technik / Auflösung | 6,7" / OLED (AMOLED) / 2340 × 1080 Pixel | 6,7" / OLED (AMOLED) / 2340 × 1080 Pixel | 6,7" / OLED (AMOLED) / 2340 × 1080 Pixel |
| Helligkeitsregelbereich / Punktdichte / Ausleuchtung | 4,77 ... 423 cd/m2 / 384 dpi / 94 % | 1,99 ... 665 cd/m2 / 384 dpi / 95 % | 1,98 ... 637 cd/m2 / 384 dpi / 98 % |
| Preis | 349 € | 499 € | 699 € |
| 1 Fotos werden auf 12 MP interpoliert ✓ vorhanden – nicht vorhanden | |||