Besser als die Uhrzeit
Nützliche Apps für die Apple Watch
Die Einkaufsliste im Supermarkt checken und dann die Kundenkarte vorzeigen, die smarte Leuchte anknipsen, den Code der Zwei-Faktor-Authentifizierung heraussuchen – einiges geht mit einer Smartwatch schneller als mit dem Handy in der Hosentasche, wenn man es überhaupt dabei hat. Unter unserem Dutzend empfehlenswerter Apps für die Apple Watch gibts sogar ein spaßiges Spiel.
Wie eine Machbarkeitsstudie wirkten Apps auf der ersten Apple Watch, der Series 0. Oft kehrte der Bildschirm schon in den Standby-Modus zurück, bevor manche App gestartet und nutzbar war. Das hat sich zum Glück geändert, Apple hat vor allem die Hardware seitdem drastisch verbessert. Auch durch den eigenen App Store auf der Watch und die größere Unabhängigkeit vom iPhone seit der Betriebssystemversion watchOS 6 sind Watch-Apps mittlerweile gut nutzbar. Trotzdem gibt es weiterhin viele Geheimtipps für die digitalen Uhren zu entdecken. Nachfolgend werfen wir daher einen Blick auf einige empfehlenswerte Anwendungen.
Alle Apps, die wir hier vorstellen, folgen dem gleichen Erfolgsrezept: Sie präsentieren sich schlicht und schnörkellos. Der kleine Bildschirm und die wenigen Bedienelemente der digitalen Uhr lassen ohnehin nur wenig zu, umständliche Bedienkonzepte fallen noch eher durch als auf dem großen Smartphone-Bildschirm. Niemand möchte sich schließlich unnötig lange der Zwangshaltung aussetzen, den Arm vor sich nach oben zu halten.
Schnell gezückt, woanders konfiguriert
Watch-Apps sind vor allem dann hilfreich, wenn sie einen Vorgang schneller abschließen, als das iPhone gezückt werden kann. Man erwartet also keine Apps mit vielfältigen Funktionen, sondern mit einem einzigen Nutzen – der buchstäblich schnell und einfach von der Hand geht. Shazam etwa identifiziert auf einen Tipp ein gerade laufendes Musikstück. Ähnlich schlicht zeichnet „Just Press Record“ Sprachnotizen auf und synchronisiert sie zum iPhone. Authy macht die Zwei-Faktor-Authentifizierung komfortabel und zeigt die sechsstelligen Codes auf der Uhr an.
Beim Einkaufen ersetzt die schweizerische App Bring den Einkaufszettel. Auf dem iPhone legt man die Listen an und pflegt sie, später im Supermarkt hilft die synchronisierte App auf der Uhr beim schnellen Schauen und Abhaken zwischen den Warenregalen. Wenn an der Kasse nach der Kundenkarte gefragt wird, kommt die Watch wieder ins Spiel: Die App Stocard zeigt vorab mit dem iPhone fotografierte Kundenkarten gut scanbar auf dem Uhrendisplay an.
Die Synchronisierung zwischen Smartphone und Watch findet nach einem eigenwilligen, nicht nachvollziehbaren Zeitplan ab; erzwingen lässt sie sich nicht. Manchmal sah es so aus, als würde die Uhr ihre Daten nicht empfangen, irgendwann waren sie dann plötzlich doch da.
Lückenfüller
Die System-Apps der Apple Watch decken schon viele Bedürfnisse ab wie Fitness, Mails oder Podcasts. Trotzdem gibt es selbst im dichten Ökosystem von Apple immer wieder Lücken, bei denen man sich verwundert die Augen reibt, dass dafür nichts vorinstalliert ist oder wie wenig die mitgelieferten Apps können. Homerun zum Beispiel macht die Steuerung der HomeKit-Geräte deutlich komfortabler als mit der vorinstallierten Home-App, die in größeren Smart-Home-Haushalten viel Scrollen erfordert. Oder Ladestände: Die Uhr zeigt nur den Akkustand von direkt angeschlossenen Geräten wie Bluetooth-Kopfhörern – Cloud Battery macht das für den gesamten Gerätepark aus iPads, iPhones und MacBooks möglich, wenn auch aufgrund von Einschränkungen in den Programmierschnittstellen nicht immer ganz akkurat.
Der unabhängige Entwickler David Smith zeigt mit seiner App Watchsmith, was sich mit den seit watchOS 2 vorhandenen Komplikationen anstellen lässt, den kleinen Buttons und Anzeigen im Uhrenziffernblatt. Smith hat ein kleines App-Wunderwerk gebastelt – ein Tipp für alle Uhren-Fans mit Liebe zum Detail.
Fazit
Bei fast allen Apps wird deutlich: Von einer echten Unabhängigkeit vom iPhone sind Watch-Apps noch weit entfernt. Das wäre aber auch gar nicht unbedingt wünschenswert, denn zumindest die Einrichtung der meisten Apps verläuft auf dem Smartphone angenehmer als auf dem kleinen Uhren-Bildschirm.
Die Apple Watch disqualifiziert sich aber nicht zwangsläufig für jede komplexere Anwendung. Dies beweist die App Chirp, ein vollwertiger Twitter-Client fürs Handgelenk. Ähnlich gut lässt sich die Wikipedia auf den kleinen Bildschirm zaubern. Für beide Apps gilt, dass zwar der große Bildschirm angenehmer ist, aber man in vielen Situationen einfacher an die Uhr herankommt als ans Smartphone, etwa wenn man beengt sitzt. Schlussendlich haben wir sogar ein Spiel gefunden, das auf der Apple Watch Spaß macht: Pong. (jow@ct.de)